+
Früher wurde hinter der oberen Marburger Straße Feinsand abgebaut, ab 2021 entsteht hier ein Wohngebiet. 

"Westhang Living"

180 Wohnungen und Hotel im Gießener Norden

  • schließen

Die Marburger Straße rückt in den Fokus der Gießener Stadtentwicklung. Ein Hotel und fast 180 Wohnungen sind im Gebiet "Westhang Living" geplant.

Die Stadtentwicklungspolitik hatte sich in den letzten Monaten eine Atempause gegönnt, Offenlegungen neuer Großpläne gab es nicht. Aber das hat sich seit Montag geändert, denn mit der Veröffentlichung des Vorentwurfs des Bebauungsplans "Rinn’sche Grube" wird das Projekt "Westhang Living" auf der Westseite der oberen Marburger Straße nun konkret. Es geht um fast 180 Wohnungen, davon gut 30 öffentlich geförderte und um über 2000 Quadratmeter Bürofläche direkt an der Marburger Straße. Wenn alles wie geplant läuft, könnte es mit der Erschließung in einem Jahr losgehen, erklärt Investor Jochen Ahl von der Imaxx Projektentwicklungsgesellschaft.

Bauvoranfrage für Hotel genehmigt

Womöglich noch schneller geht es nebenan mit dem Bau eines 65-Betten-Hotels durch die Gießener Geschäftsleute Sylvia und Ulrich Würtele. Wie die Stadt bestätigt, wurde eine Bauvoranfrage positiv beschieden. Ein Bauantrag liegt noch nicht vor. Das Hotel-Grundstück liegt außerhalb des Plangeltungsbereichs der "Rinn’schen Grube".

Entstehen werden 16 Gebäude, davon 14 für Wohnzwecke in zweiter und dritter Reihe hinter der bestehenden Bebauung im Bereich der sogenannten "Rinn’schen Grube", nach der auch der Bebauungsplan benannt wurde. Hier wurde bis Ende der 1960er Jahre Feinsand abgebaut; danach wurde das Areal verfüllt und rekultiviert. Später siedelte sich hier ein BMW-Autohaus an, dessen Eigentümer im hinteren Bereich ein Wohnhaus errichteten. Auf dem Gewerbegrundstück sind immer noch ein Autohandel bzw. eine Autovermietung tätig, deren Mietverträge laut Eigentümer Ahl am Jahresende auslaufen.

Durchschnittliche Wohnfläche von 68 Quadratmetern

Der zwischen Investor und Stadt abgestimmte Wohnungsmix sieht Ein- als auch Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 68 Quadratmetern vor. Die für Büronutzer oder Ärzte nutzbaren beiden Gewerbebauten an der Marburger Straße sowie die Wohnhäuser im südlichen Bereich werden dreieinhalb Geschosse haben, im nördlichen Bereich sind es zweieinhalb.

Für Gießen ein Novum: Mit der Imaxx-Projektentwicklungsgesellschaft will erstmals ein Investor Sozialwohnungen selbst errichten. "Wir wollen dieses Segment nicht abgeben und haben eine Regelung mit der Stadt getroffen", sagt Ahl. Es geht um 31 Wohnungen, die sich auf zwei Gebäude verteilen sollen. Ahl befindet sich nach eigenem Bekunden derzeit in Gesprächen mit der Lebenshilfe, die Interesse an der Einrichtung von Wohngruppen für Behinderte habe.

Der ruhende Verkehr soll oberirdisch und in Tiefgaragen untergebracht werden, einige Parkplätze sollen dem Carsharung vorbehalten bleiben. Erschlossen wird das Gebiet durch eine Sackgasse. Eine vom Investor in Auftrag gegebene Verkehrsuntersuchung kommt zum Ergebnis, dass eine einfache Zufahrt mit Abbiegespur ausreicht und keine Verkehrsanlagen wie Ampeln errichtet werden müssen.

Verkehrsgutachter sieht kein Problem

Auf der anderen Seite Richtung Lahnaue geht das Wohngebiet in einen Grünzug mit Spielplatz über, noch weiter unten soll ein Regenrückhaltebecken gebaut werden.

Die Zustimmung für das Projekt "Westhang Living" dürfte gesichert sein. Als das Stadtparlament im Frühjahr 2018 beschloss, an der Marburger Straße ein weiteres Baugebiet zu erschließen, gab es keine Gegenstimme. Mit dem Vorentwurf werden sich die Stadtverordneten wohl noch vor der Sommerpause befassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare