Auf dem richtigen Weg? Der Geschäftsbericht klingt gut. EP
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Auf dem richtigen Weg? Der Geschäftsbericht klingt gut. EP

Wohnbau wieder deutlich im Plus

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Gießen(chh). Auf Minus folgt Plus: Während die Wohnbau im Geschäftsjahr 2018 noch einen Verlust von 239 200 Euro bekannt geben musste, steht für 2019 wieder ein Plus unter dem Strich - und das fällt sogar höher aus, als die Wohnbau prognostiziert hatte. Demnach beläuft sich der Überschuss auf gut 2,2 Millionen Euro. Die Durchschnittskaltmiete für die insgesamt 7122 Wohnungen liegt bei 5,59 Euro pro Quadratmeter. 22 Millionen Euro wurden in den Bestand und Neubauprojekte investiert. Wunder, dass Stefan Kaisers, der Vorsitzende des Gießener Mietervereins und so etwas wie der Chefkritiker der Wohnbau, überwiegend positive Worte für den Geschäftsbericht findet.

"Angesichts einer verstärkten Neubautätigkeit - einen Großteil der 400 öffentlich geförderten Wohnungen soll die Wohnbau errichten - steht das Unternehmen vor großen Herausforderungen, die aus steigenden Baukosten und einem erhöhten Kapitalbedarf einerseits bestehen. Andererseits gilt es, moderate Mieten zu erhalten und auch die energetische Modernisierung des Bestandes voranzubringen", sagt Kaisers und fügt an: "Erfreulich ist, dass in diesem Jahr 58 neue Sozialwohnungen bezugsfertig werden."

Klimaneutrale Ziele als Herausforderung

Auch den Umgang bezüglich der Corona-Krise lobt Kaisers. Es sei zwar nicht absehbar, ob durch die Pandemie die Höhe der Mietschulden steige, sagt der Vorsitzende des Mietervereins. Er betont aber: "Die Wohnbau geht hier aktiv auf ihre Mieter zu, um mit einer gezielten Mietschuldenberatung dauerhafte Lösungen für die Beseitigung von Zahlungsrückständen zu finden."

"Ich freue mich sehr, dass der Mieterverein sich so intensiv mit unserem Geschäftsbericht auseinandersetzt", sagt Wohnbau-Chefin Dorothee Haberland. Ihrer Meinung nach hat die Verbesserung des Jahresergebnisses zahlreiche Gründe. Der Hauptgrund sei aber nicht, wie es Kaisers vermutet, die Umstrukturierung der Wohnbau Mieterservice GmbH. "Das beschäftigt uns auch im laufenden Geschäftsjahr und wird die Ergebnislage der Wohnbau Gießen GmbH weiterhin belasten. Wir sind aber sehr zuversichtlich, hier ein wirtschaftlich tragbares Modell zu entwickeln, um zukünftige Verluste deutlich zu reduzieren." Aktuell befände man sich in einem "intensiven aber auch sozial verträglichen Reorganisationsprozess".

Die Ergebnisverbesserung resultiere vielmehr aus den geringeren Aufwendungen für Instandhaltungsmaßnahmen, niedrigen Zinsaufwendungen und von der moderaten Mieterhöhung um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Haberland stimmt Kaisers zu, dass die Wohnbau vor großen Herausforderungen steht. "Deshalb geht es nicht darum, willkürlich den Rotstift anzusetzen oder gar an Leistungen für die Mieter zu sparen, sondern das Unternehmen in die Lage zu versetzen, die Herausforderungen, vor denen es steht, zu meistern."

Neben dem Bau der neuen Sozialwohnungen nennt die Geschäftsführerin auch die energetische Sanierung des Bestands als große Herausforderung - schließlich habe die Stadt das Ziel ausgegeben, bis 2035 klimaneutral sein zu wollen.

Corona: Ein Prozent Mietausfall

Erschwerend komme hinzu, dass die Durchschnittsmiete der Wohnbau mit 5,59 Euro pro Quadratmeter deutlich geringer als jene der anderen hessischen und rheinlandpfälzischen Wohnungsunternehmen sei (6,39 Euro je Quadratmeter). "Dies bedeutet für die Gießener Wohnbau etwa 4,3 Millionen Euro weniger Mieteinnahmen pro Jahr als vergleichbare Wohnungsunternehmen."

Und Corona? Laut Haberland halten sich die daraus resultierenden Mietausfälle mit circa einem Prozent noch im Rahmen. "Allerdings könnte sich das in den kommenden Monaten noch erhöhen, wenn sich die Lage unserer Gewerbemieter und am Arbeitsmarkt nicht wieder bessert."

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