+
Auch in kleinen Räumen darf zu mutigen Farbakzenten gegriffen werden.

Wohn-Trends

Wohn-Trends: Kleiner Raum, große Wirkung

  • schließen

1-Zimmer-Appartement, WG oder Studentenbude: Auch kleine Räume können ganz groß rauskommen. Innenarchitektin Yvonne Klemke und Architekt Michael Jung vom Gießener Jung & Klemke Interior Design wissen, wie das geht.

Das Designbüro Jung & Klemke gibt es seit über sieben Jahren. Erst vor Kurzem zog es das Team nach Gießen. Innenarchitektin Yvonne Klemke ist gelernte Schauwerbegestalterin und Architekt Michael Jung gelernter Schreiner. Beide haben eine Leidenschaft für echte Materialien. Gemeinsam schaffen sie außergewöhnliche Innenraumkonzepte mit Charme und Liebe zum Detail. Die Interior-Designer achten bewusst auf Reduktion, ohne dabei auf Individualität und Gemütlichkeit zu verzichten. Die beiden Arbeiten für Kunden in ganz Deutschland, richten aber nicht nur große Räume ein, sondern auch kleine. Im Streifzug verrät Yvonne Klemke ihre Tipps. 

Wo sehen Sie das Potenzial in kleinen Räumen? 

Klemke: Bei kleinen Räumen muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Dabei kann man das Potenzial eines Raumes bis in den letzten Winkel ausnutzen. Wenn man jeden Zentimeter benötigt, schaut man sich die Räume viel intensiver an und lernt sie genauer kennen. 

Wie kann ein kleiner Raum größer wirken? 

Klemke: Eine gute Einteilung ist die Basis. Sobald ich einen Raum in unterschiedliche Bereiche unterteilt habe, wirkt er viel klarer und dadurch auch großzügiger. Hierzu können beispielsweise auch farbige Wandgestaltungen oder Teppiche als Unterstützung genutzt werden. Und dann kommt es auf eine gute Komposition an. Wie ich welche Möbel miteinander in Beziehung bringe. Man sollte auf Flexibilität achten. Ein Couchtisch zum Beispiel mit Rollen oder ein Hocker, der auch mal als Ablage durchgeht. Eine Couch mit Schlaffunktion, um auch mal Freunde zu beherbergen. Vor allem sollte man eigene Vorlieben einfließen lassen. Wer gerne kocht, braucht einen größeren Tisch. Dafür kann die Couch kleiner ausfallen. Wer aber lieber Zeit auf der Couch verbringt, und auch dort isst, macht er anders herum. 

Was sind die Dos und Don'ts in kleinen Räumen? 

Klemke: Man neigt dazu, bei kleinen Räume auch klein zu denken. Dann kauft man zum Beispiel auch kleine Lampen und kleine Bilder. Das kann dann schnell etwas ramschig wirken. Dabei darf man ruhig großzügig sein. Sich auch mal trauen, ein großes Bild oder einen großen Spiegel aufzuhängen. Mit einem Design-Klassiker oder extravaganten Möbeln vom Flohmarkt kann man gut Eyecatcher setzen. Auch eine gemusterte Tapete kann toll wirken - wenn sie ins Gesamtbild passt. Was man vermeiden sollte, ist zu viele Materialien und Farben zu mixen. Das heißt nicht, dass man auf Farbe verzichten sollte. Aber wenn, dann empfiehlt sich ein Grundton, dem man gezielt ein bis zwei Akzente entgegenbringt. Der Raum sollte eine ruhige Grundstimmung ausstrahlen. 

Was wertet jeden kleinen Raum auf? 

Klemke: Licht. Es ist für die Stimmung eines Raumes essenziell. Gerade in kleinen Räumen sollte man daher darauf achten, die natürlichen Lichtquellen nicht zu verbauen. Beleuchtung sollte nicht nur von oben kommen. Wir arbeite hier gerne auch mit Tisch- oder Stehleuchten. Indirektes Licht ist ein beliebtes Thema - einfach eine Lichtquelle hinter dem Sofa oder dem Sideboard verstecken - dies sorgt auf einfache Art und Weise für eine atmosphärische Beleuchtung. Helle Farben und Spiegel reflektieren das Licht - Glasflächen lassen das Licht fließen. 

Muss man in kleinen Räumen zum Minimalist werden? 

Klemke: Achtlos abgelegte Klamotten, ein voller Tisch oder nicht weggeräumtes Geschirr fallen in kleinen Wohnungen schneller ins Gewicht. Sie lassen einen Raum unordentlich und unruhig wirken. Da hilft es, sich zu minimieren. Auch ein schönes Ablage- und Ordnungssystem kann helfen. Zum Beispiel dekorative Knöpfe als Garderobe. Boxen und Schubladen, in denen auch mal temporär etwas verstaut werden kann, sollten in keinem Haushalt fehlen.

Welche Tipps haben Sie für Räume, in denen sich quasi das ganze Leben abspielt? 

Klemke: Vor allem wenn Arbeiten und Wohnen in einem Raum stattfinden, kann es unter Umständen schwer sein, abzuschalten. Wer kann in Ruhe einschlafen, wenn sich der Bücherberg der letzten Klausur vor der Nase türmt? Ein Hochbett mit darunter liegendem Schreibtisch wäre hier optimal. Oder ein Vorhang, der die Schlafecke abtrennt und eine kleine Wohlfühlecke kreiert. 

Was ist Ihr persönlicher Tipp? 

Klemke: Auch ich habe als Studentin lange in einigen WG’s gewohnt. Allerdings hat sich an meinen Gewohnheiten bis heute nicht viel verändert. Schreibtische waren mir schon immer suspekt. Diese nutze ich in der Regel nur, um meinen Kram abzustellen oder Stifte und Papier aufzubewahren. Gelernt, gezeichnet, gegrübelt habe ich überall. Auf dem Bett oder auch gerne im Sitzen auf dem Boden. In Cafés oder auch mal in der WG-Küche. Das hat bis heute den großen Vorteil, dass ich fast überall fokussiert und konzentriert arbeiten kann - egal wie viel Trubel um mich herum herrscht. Gerade in Zeiten der modernen Arbeitswelt, wo die Büroräume wieder offener und größer werden, und sich der Arbeitsalltag durch viel Reisen auszeichnet, ist dies eine riesige Hilfe. 

Wo kann man passende Möbel finden? Muss es immer teuer sein? 

Klemke: Ich denke, die Mischung macht es. Nur Möbel vom Möbelhaus wäre mir zu steril und nur Flohmarkt zu verstaubt. Aber ein schöner alter Holztisch beispielsweise in der WG-Küche mit bunt gemixten Stühlen passt immer. Ich liebe Erbstücke. Das muss nichts Teures oder Außergewöhnliches sein - aber wenn man einmal mit offenen Augen durch das Elternhaus stöbert, findet sich so einiges was sich ganz sensationell in die moderne Wohnung integrieren lässt. Upcycling ist der dahinterstehende Gedanke - meist sind die Möbel der 60er oder 70er Jahre von guter Qualität und können uns noch ein Leben lang begleiten. 

Was fällt Ihnen zu multifunktionalen Möbeln ein? 

Klemke: Multifunktional klingt mir fast schon wieder zu angestrengt. Ein Möbel ist das, was ich daraus mache. Ein Stuhl bleibt ein Stuhl, solange ich ihn nur als solchen sehe. Er kann aber auch eine Leiter, ein Regal, ein Nachttisch oder eine Garderobe sein. Das Thema multifunktionale Möbel beschäftigt gerade viele Designer. Allround-Möbel sind ein toller Gedanke und teils sicher eine Bereicherung. Zugunsten einer weiteren Funktion muss man aber meist auf mehr Komfort, Stauraum oder Größe verzichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare