Wohllaut der Lieder: Winterkonzert mit Klaus Mertens

Der international renommierte Bariton interpretiert gefühlvoll Lieder zur Lautenbegleitung von Joachim Held im Hermann-Levi-Saal des Rathauses.

Erfreulich gut besucht war das zweite Winterkonzert im Rathaus mit Bariton Klaus Mertens und Lautenist Joachim Held. Das Duo widmete sich inspiriert vornehmlich um 1600 entstandenen englischen und italienischen Liedern. Einen beschaulichen Auftakt bildete die Komposition "Let not Cloris think" von John Danyel (1564 bis 1626). Darin versprühte die intime Lautenbegleitung besonderen Charme. Mertens sang dieses und weitere Lieder Danyels, in denen eine geliebte Schülerin des Komponisten im Fokus steht, durchweg mit klarer Aussprache und feinem poetischem Empfinden. In "What delight can they enjoy" unterstrich er gemeinsam mit Held gekonnt den rhythmisch freien, lebendigen Stil.

In zarte, fragile Klangwelten führten das Präludium und weitere Lautenstücke von John Dowland. Darin, aber auch in "King of Denmark, his Galliard" bezauberte, welch nuancierte Tongebung Held seinem achtchörigen Instrument entlockte. Wunderbar transparent zeichnete er das Stimmengeflecht in der Fantasie.

Um die Liebe ging es erneut in vier Liedern von Dowland. Mertens ließ die Hörer hier mit seiner sensiblen Ader wieder ausgiebig in die emotionale Dimension eintauchen. Da schien jede Gefühlsregung, etwa durch Betonungen und artikulatorische Finessen, sorgsam ausgelotet. Über genügend dynamische Reserven verfügte der international renommierte Bariton in dem wohlbekannten Lied "Come again".

Nach der Pause rückten italienische Kompositionen in den Mittelpunkt. Schon in den eingangs dargebotenen vier Liedern von Girolamo Frescobaldi lieferte das gegenüber der Kurzhalslaute vollere, tiefer herabreichende Klangbild der größeren Theorbe ein gut unterstützendes Fundament, verlieh etwa dramatischen Passagen in "Donna, siam rei di morte" gehörig Gewicht.

Sehr ansprechend traf das Duo in "Se L’aura spira tutta vezzosa" den tänzerischen Charakter und meisterte nicht minder vital das Lied "Cosi mi disprezzate?" Wie vorzüglich die Theorbe unterschiedlichste Stimmungen zu transportieren vermag, offenbarte sich auch in zwei Instrumentalstücken von Alessandro Piccinini.

Ein pikanterer Abschluss ließ sich kaum vorstellen: Im letzten Lied – "Che legge é questo o Dio" von Giacomo Carissimi – klagt ein Liebhaber, wie Mertens anmerkte, über seine weggelaufene Frau. Voller Nachdruck sang der Bariton das eröffnende, von innerer Wut geprägte Rezitativ, dem eine kurze Arie folgte. Für den begeisterten Applaus dankte das Duo mit einer Zugabe von Antonio Cesti. Sascha Jouini

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