Drei Autos nebeneinander: Da wird es selbst für einen Radfahrer auf dem Wißmarer Weg zu eng.
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Drei Autos nebeneinander: Da wird es selbst für einen Radfahrer auf dem Wißmarer Weg zu eng.

Viele Beinahe-Unfälle

Gießen: Massive Verkehrsbehinderungen - Für Anwohner »chaotisch«

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Anwohner äußern massive Beschwerden über die Verkehrssituation in der Wißmarer Straße auf Höhe des Marinevereins in Gießen. Sie schildern gefährliche Begegnungen.

Zwei Limousinen kurven an den parkenden Autos vorbei, stadteinwärts versucht sich noch ein Sportwagen am Gegenverkehr vorbeizuquetschen. Da bleibt dem bedrängten Radfahrer, der auch stadteinwärts unterwegs ist, nichts anderes übrig, als anzuhalten. Das Bild, das GAZ-Fotograf Oliver Schepp vergangenen Freitag zufällig nach Feierabend von dieser Situation machte, ist offenbar keine Momentaufnahme. Die Schilderung von Anwohnern und Verkehrsteilnehmern über gefährliche Begegnungen und Beinahe-Unfälle auf dem vorderen Wißmarer Weg häufen sich.

»Die Verkehrssituation hat sich in den letzten Jahren drastisch verschärft und ist im letzten Jahr noch deutlich schlechter geworden, da sich der Marineverein zu einer ›In-Location‹ entwickelt hat, im Hof aber nicht genügend Parkplätze zur Verfügung stehen«, heißt es in einem Schreiben von Anwohnern. Sie sprechen von »Chaos«, weil an den lauen Sommerabenden Besucher des Marinevereins auf dem Bürgersteig vor der Gaststätte stadteinwärts geparkt hätten. Da stadtauswärts auf der Fahrbahn geparkt werden dürfe, komme es in dem Engpass immer wieder zu gefährlichen Fahrmanövern im Begegnungsverkehr. Fotos, die die Anwohner gemacht haben, zeigen, dass abends aufgrund dieser Enge beidseitig und verbotswidrig auf den Bürgersteigen geparkt wurde. Die von Anwohnern herbeigerufene Polizei habe die Gäste an einem Samstagabend Anfang August aufgefordert, die Autos vom Bürgersteig wegzufahren und »das Chaos aufgelöst«.

Direkt vor dem Marineverein gibt zwar kein Parkverbot, das Abstellen auf dem Bürgersteig ist aber nicht erlaubt. Würde dort freilich ebenfalls auf der Fahrbahn geparkt, »wäre dort gar kein Durchkommen mehr«, sagt ein aus Wißmar stammender Autofahrer, der jeden Tag nach Gießen zur Arbeit pendelt.

Parkverbote wechselweise

Nach Beobachtung der Anwohner ist vor allem der stadteinwärts fahrende Radverkehr »stark gefährdet«, und das nicht nur auf Höhe des Marinevereins. Die Kurve an der Einmündung Sandfeld sei unübersichtlich. Trotzdem würden dort Radfahrer oft noch schnell von Autos überholt, obwohl diese keine Sicht auf den entgegenkommenden Verkehr hätten.

Die Stadt erklärte auf GAZ-Anfrage, dass auf die Situation im Wißmarer Weg durchaus bereits reagiert worden sei. In beiden Fahrtrichtungen in Höhe des Marinevereins seien Bereiche wechselweise mit einem absoluten bzw. eingeschränkten Haltverbot beschildert worden, um die Sicherheit zu erhöhen und den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Ebenso sei der Bereich gegenüber dem »Alten Eishaus« - auch als Reaktion auf entsprechende Beschwerden - um ein weiteres absolutes Haltverbot ergänzt worden. In der Kurve Ecke Sandfeld bestehe ebenfalls ein absolutes Haltverbot stadteinwärts, damit gerade dort keine gefährlichen Situationen durch geparkte Fahrzeuge entstehen.

Ordnungspolizei und Straßenverkehrsbehörde wollen die Situation im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten weiter beobachten sowie Kontrollen durchführen, gegebenenfalls würden »weitere erforderliche Maßnahmen« ergriffen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Tempo 50 vor und hinter Ortseingang

Gleichzeitig bittet die Stadt um Verständnis, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamts seit Monaten hochbelastet seien. »Derzeit gibt es neben den Kontrollen im Straßenverkehr auch die Notwendigkeit, die Bestimmungen der Corona Verordnungen auf die entsprechende Einhaltung zu kontrollieren«, heißt es in der Stellungnahme.

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan hatte es zuletzt auch wieder Forderungen gegeben, die Fußgängerfurt am Rübsamen-Steg besser zu sichern. Im Gespräch ist seit Jahren, Tempo 30 zwischen den Abzweigen Rodtbergstraße und Sandfeld anzuordnen, aber bislang haben das laut Stadt die Obere Verkehrsbehörde des Regierungspräsidiums und die Polizei mit der Begründung abgelehnt, die Stelle sei kein Unfallschwerpunkt. Das RP wies diese Darstellung im November 2018 zurück und verwies auf die alleinige Zuständigkeit der Stadt.

Gefruchtet haben dagegen die schon länger zurückliegenden Bemühungen der Gießener Koalition aus SPD, CDU und Grünen, der Raserei am Ortseingang auf Höhe des Hedwig-Burgheim-Rings Einhalt zu gebieten. Zur Versetzung des Ortseingangsschilds Richtung Wißmar, die die Fraktionen vor rund zweieinhalb Jahren in einem Antrag angeregt hatten, kam es zwar nicht, aber es gilt mittlerweile Tempo 50 stadtauswärts auch hinter und stadteinwärts weit vor dem schwarz-gelben Ortsschild.

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