Wartezelt neben der Praxis von Larisa Bieber und Martin Schaper in der Goethestraße. FOTO: SEG
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Wartezelt neben der Praxis von Larisa Bieber und Martin Schaper in der Goethestraße. FOTO: SEG

Es wird kalt im Wartezimmer

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Den Reißverschluss der Winterjacke bis nach oben gezogen, ein dicker Schal um den Hals und eine Mütze auf dem Kopf. Klingt das nach dem Wartezimmer einer Arztpraxis? Eigentlich nicht. Aber Corona sorgt für viele Veränderungen. Das Abstands-Gebot hat dazu geführt, dass manche Hausärzte ihren Wartebereich ins Freie verlegt haben. Die Praxis von Larisa Bieber und Martin Schaper in der Goethestraße ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Sie haben ein Wartezelt neben ihre Praxis gestellt.

Bei strahlendem Sonnenschein warten die Besucher lieber neben statt in dem Zelt. Um 10.30 Uhr zeigt das Thermometer zwar nur 3 Grad an, aber vielleicht erhoffen sich die Patienten von den Sonnenstrahlen ein bisschen Wärme. Dass ihnen kalt ist, sieht man ihnen nicht nur an ihrer Winterkleidung an.

Eine junge Frau in grauer Jacke setzt abwechselnd einen Fuß neben den anderen. Ihr Begleiter lässt sich auf einer Mauer nieder, nur um sich kurz darauf wieder hinzustellen. Es ist zu kalt, um dort zu sitzen.

In der Zwischenzeit kommt eine Sprechstundenhilfe vor die Tür und ruft einen der wartenden Patienten auf. Ein kurzer Wortwechsel, und die Angestellte verschwindet wieder im Haus. Sie schließt die Tür hinter sich. Für die Patienten heißt es: weiter warten.

Warten, rauchen, Sonne tanken

Ein älterer Mann in schwarzer Daunenjacke erscheint vor der Praxis. Er bleibt kurz stehen und sondiert die Situation. Dann geht er an den Wartenden vorbei in die Praxis, wahrscheinlich um sich anzumelden. Nach kurzer Zeit erscheint er wieder im Freiluft-Wartezimmer. Jetzt wirft er einen Blick in das Zelt, aber entscheidet sich lieber, in einem Fleck Sonnenschein neben der Wieseck Vitamin D zu tanken. Er zeigt dabei einen weiteren Vorteil des neuen Wartebereiches. Der Mann mit der schwarzen Daunenjacke zieht eine Zigarette aus der Tasche und zündet sie an. Das weitläufige Freiluft-Wartezimmer, hat somit einen Raucherbereich. Den findet man in der Praxis sicher nicht.

Neben dem Rauchen gibt es aber nur den üblichen Zeitvertreib: Alle hängen vornübergebeugt an ihrem Smartphone; teilweise auch mit Kopfhörern in den Ohren. Wenn sich wieder die Tür öffnet und die Sprechstundenhilfe einen Namen sagt, richten sich alle Köpfe wie in einem Schwarm auf, nur um ihn wieder synchron nach unten zu senken, wenn jemand anderes als sie selbst aufgerufen wird.

Besser als im Regen stehen

Die Wartenden werden sicher das Zelt benutzen, wenn das Wetter schlechter werden wird. Das ist besser, als im Regen zu stehen. Aber wird die Lösung mit den Freiluft-Wartezimmern den ganzen Winter über funktionieren - auch bei Hagel, Schnee und Minusgraden?

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