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Was wird aus bisheriger Flüchtlingsunterkunft am Bahnhof Gießen?

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Hessen schließt den HEAE-Standort für Flüchtlinge im Gießener Meisenbornweg. Doch was wird aus dem historischen Ort? Eine Option wurde zuletzt in der Stadt immer wieder diskutiert.

Die E-Mail aus dem Ministerium kam gegen 13 Uhr im Rathaus an. Zwei Stunden später wurde die Öffentlichkeit informiert. Dürre Worte kündigen das Ende einer Ära an: "Wir beobachten die Lage im Bereich Asyl seit Jahren sehr genau. Die Zugangssituation zeigt sich konstant, sodass wir unsere Unterbringungskapazitäten vor dem Hintergrund des Rückgangs der Flüchtlingszahlen reduzieren und damit Kapazitäten maßvoll anpassen", sagte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, am Montag in Wiesbaden. Das Ministerium werde die Zahl der aktiven Standorte von acht auf fünf verringern. Damit handele die Behörde mit Augenmaß und Verantwortung, bleibe aber weiterhin für alle Fälle gut vorbereitet.

Betroffen davon ist unter anderem der Gießener HEAE-Standort im Meisenbornweg. Ein Ort der Geschichte (siehe Kasten unten), in dem zuletzt für 460 Flüchtlinge Platz war. Die Aufnahmestelle unweit des Bahnhofs wird vom Land komplett aufgegeben. Ein Termin steht nicht fest. Der werde gerade zwischen Regierungspräsidium (RP) und betroffenen Dienstleistern besprochen, heißt es vom Ministerium. Der Standort an der Rödgener Straße bleibt erhalten.

Abkehr von bisheriger Linie

Dass dort seit der Flüchtlingswelle 2015 ein modernes Ankunftszentrum geschaffen wurde, machte die Schließung des Meisenbornwegs wohl erst möglich. Was die Aufgabe des Standorts konkret für Gießen bedeutet, konnte oder wollte am Montag niemand kommentieren. Das Ministerium legte sich nicht fest, das RP schwieg lieber und aus dem Rathaus gab es keine Stellungnahme.

Ende des vergangenen Jahres hatte die Stadt allerdings infrage gestellt, ob sie eine bis 2019 gültige Ausnahmegenehmigung zur Nutzung von zwei großen Wohnblocks für die Unterbringung von bis zu 2600 Asylbewerbern in der Rödgener Straße dauerhaft verlängert. Nach der Schließung der Außenstelle Meisenbornweg dürfte das Interesse des Landes an genau dieser Maßnahme allerdings betont werden.

Mindestens genauso spannend ist die Frage, was aus der Liegenschaft im Meisenbornweg wird. Gerüchte über die Schließung dieser Erstaufnahmeeinrichtung hatte es immer wieder gegeben. Zuletzt hatte das Sozialministerium im August 2017 erklärt, dass es "keine Überlegungen" gebe, den Standort aufzugeben. Dies ist nun Geschichte. Ob das Land die Liegenschaft einer Umnutzung zuführt oder gar an Verkauf denke, ließ das Ministerium offen. In der Stadt wird immer wieder diskutiert, aus der geschichtsträchtigen Anlaufstelle für Flüchtlinge einen Ort der Erinnerung zu machen. Geschichten dazu gebe es zur Genüge.

Zusatzinfo

Gießen als Sehnsuchts(w)ort

Hilfe, ein Notaufnahmelager, muss das ausgerechnet bei uns eingerichtet werden? Etliche Bürger demonstrierten, sprachen von steigender Kriminalität und hohen Kosten, als direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 ein "Regierungsdurchgangslager" für Staatenlose am Meisenbornweg entstand. Unter dem Namen "Zonenlager" und ab 1950 "Notaufnahmelager" nahm es dann jahrzehntelang DDR-Übersiedler auf. Für etliche Ostdeutsche wurde Gießen ein Sehnsuchts(w)ort, für 900 000 von ihnen war die Stadt die erste Station im Westen. Sie bestaunten das faszinierende "Lichtermeer" und Überfluss in den Schaufenstern. Große Übersiedlerwellen gab es nach dem gescheiterten Aufstand am 17. Juni 1953 und dann wieder 1989/90, als der "Eiserne Vorhang" löchrig wurde. Mehrmals wurde das Lager erweitert. Seit 1993 heißt es Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) und ist seitdem landesweit zuständig für ankommende Asylbewerber. Vom Meisenbornweg aus wurden unter anderem die großen Flüchtlingswellen Anfang der 90er Jahre während des Jugoslawienkriegs und die jüngste vor drei Jahren gesteuert, als in Hessen bis zu 19 000 Neuankömmlinge gleichzeitig unterzubringen waren. (kw)

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