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Monika Schuhmacher. FOTO: LKL

"Wir werden unsere Zukunft lieben"

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Gießen(lkl). Zum ersten Innovationsforum Mittelhessen begrüßte Manfred Wagner, Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar und stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH, die Teilnehmer im Kinopolis Gießen. "Innovativ und mutig war die Region schon immer", betonte er und erinnerte an die Entwicklung der Kleinbildkamera durch einen Mitarbeiter der Firma Leica 1913. Gerade in den heutigen "dynamischen Zeiten der Digitalisierung" sei Innovation unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Monika Schuhmacher, Professorin für Technologie-, Innovations- und Gründungsmanagement an der Justus-Liebig-Universität, gab einen Einblick in die theoretischen Grundlagen des Themas. Innovativ bedeute, dass etwas wertschöpfend, nicht nur neu sei, betonte sie dabei und unterschied drei Bereiche, in denen Innovationen in Unternehmen zum Tragen kommen könnten: Produktentwicklung, Geschäftsmodell und Marketing. Am wichtigsten sei es, dass eine Innovationsstrategie vorliege. "Je nachdem, wo man steht, steht man vor unterschiedlichen Herausforderungen", erklärte sie. Ausdrücklich wies Schuhmacher darauf hin, dass die größten Herausforderungen für lokale Unternehmen neben dem für Hessen spezifischen Punkt "Unternehmensnachfolge" die Aspekte "Innovation und Unternehmenswachstum" sowie "Digitalisierung nutzen" seien.

Auf Begrüßung und Kick-off folgten am Vormittag drei Vorträge aus der Praxis. Dabei stand zunächst das Thema "Digitalisierung als Chance für Europa" im Fokus. Hans-Christian Boos, CEO Arago GmbH und Digitalrat der Bundesregierung, prognostizierte angesichts von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI) das "Ende eines Industriezeitalters und damit der Ära der Skaleneffekte und der Spezialisierung". Während 150 Jahre Industrialisierung einen Automatisierungsgrad von 29 Prozent hervorgebracht hätten, erwarte das Weltwirtschaftsforum einen Anstieg auf 52 Prozent bis 2025.

Die Industrialisierung sei jedoch die beste Voraussetzung für die Entwicklung, und gut funktionierende Unternehmen seien am besten für Maschinen lesbar - und zwar heute und nicht in 150 oder in 30 Jahren. Aufgrund ihrer umfassenden Kenntnisse über die Wertschöpfungskette hätten europäische Unternehmen einen Vorteil und seien noch nicht abgeschlagen - man müsse jedoch jetzt handeln.

Maschinen werden Prozesse ausführen

Mit eindrucksvollen Zahlen legte er dar, wie sich durch autonomes Fahren die Effizienz eines Autos steigern oder durch den Einsatz von KI der "Ausschuss" in der industriellen Tierzucht senken ließe. "Jeder Prozess kann und wird von einer Maschine ausgeführt werden", sagte er und stellte abschließend eine optimistische These auf: "Wir werden unsere Zukunft lieben."

Im Anschluss sprach Matthias Gohl, Head of Digital Innovation Partners Carl Zeiss AG, über den erfolgreichen Umgang eines Mittelständlers mit der Digitalisierung, bevor Wolf Lüdge, Geschäftsführer IoTOS GmbH, im dritten Vortrag dafür plädierte, dass sich marktführende Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe zusammentun, um innovative Lösungen zu schaffen, die die Digitalisierung der Fabriken vorantreiben.

Nach einer Podiumsdiskussion mit den drei Rednern und der Mittagspause wurden fünf parallele Workshops zur Auswahl gestellt. Diese beschäftigten sich mit den Facetten einer Arbeitswelt von morgen, der nachhaltigen Finanzierung von Technologien, der hessischen Forschungsförderung, dem Vorbild des Silicon Valley und der Rolle von KI in Betrieben. Die Ergebnisse der Workshops wurden abschließend im Plenum präsentiert.

Moderiert wurde das Innovationsforum Mittelhessen von Bianca von der Au, die für hr-info, den Medienpartner der Veranstaltung, tätig ist.

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