Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (2. v. r.) nimmt den symbolischen Eiffelturm der Mitglieder von Parents For Future aus Leipzig entgegen. FOTO: KHN
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Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (2. v. r.) nimmt den symbolischen Eiffelturm der Mitglieder von Parents For Future aus Leipzig entgegen. FOTO: KHN

"Wir müssen mehr machen"

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Gießen(khn). Man merkt Gerda Weigel-Greilich an, dass sie professionell mit Kritik umgehen kann. Bei der gestrigen Kundgebung vor dem Rathaus von Klimaschützern wird ihre Partei von Lutz Hiestermann von der Initiative "Lebenswertes Gießen" scharf angegriffen. Und was macht die Grünen-Stadträtin? Sie nimmt diese Kritik auf und das Mikrofon in die Hand. Dann ruft sie die Zuhörer dazu auf, bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr so zu wählen, dass es andere Mehrheiten gibt, um eine weitreichendere Klimapolitik umzusetzen.

Am Donnerstagmittag waren etwa 100 Menschen auf den Berliner Platz vors Rathaus gekommen. Die Gruppe Parents For Future aus Leipzig ist aktuell mit Fahrrädern unterwegs, um einen symbolischen Eiffelturm nach Brüssel zu bringen. Damit verbinden die Aktivisten die Forderung, die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 umzusetzen. Die gestrige Tagesetappe startete am Dannenröder Forst und endete in Wetzlar. Unterwegs machten die Radfahrer in Gießen Halt. Dort wurden sie am Berliner Platz von fast 100 Menschen empfangen. Einige der Teilnehmer hielten Plakate und Banner mit Aufschriften wie "Klimaschutz ist die beste Medizin" oder "Das Klima ändert sich. Warum wir nicht?" hoch.

In seinem Redebeitrag äußerte Hiestermann Kritik an den Grünen, unter anderem wegen der Rodungen im Dannenröder Forst. Die Grünen hätten den Weiterbau der Autobahn durch dieses Gebiet verhindern müssen, betonte er. "Wozu brauchen wir dann die Grünen noch?" CDU-Vorstandsmitglied Randy Uelman ging er an, weil dieser bei der Abseilaktion am Freitag auf der A 485 die Aktivisten mit einem Megafon "Ökoterroristen" beschimpft und bei ihrem Abtransport "Olé, Olé, Olé" gerufen habe. Die Teilnehmer der Kundgebung reagierten mit "Buh"- und "Peinlich"-Rufen.

Kritik an Magistrat wegen Klimapolitik

Die Art des Ausbaus der Rathenaustraße nannte Hiestermann verfehlt. Dies zeige, dass CDU-Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel keine Verkehrswende betreibe, sondern nur für eine "Effizienzsteigerung des Autoverkehrs" sorge. Kritik äußerte er außerdem am Magistrat der Stadt und dessen Vorsitzenden, SPD-Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, für deren Umgang mit dem Bürgerantrag "Gießen 2035Null". Dem hatte das Stadtparlament mehrheitlich zugestimmt.

Er griff Weigel-Greilichs Äußerung auf, man müsse bei der Frage, wie und wann Klimaneutralität in Gießen erreicht werden könne, "realistisch und seriös" bleiben. "Wirtschaftliche Aspekte sind für sie wichtiger als das Wohl der Menschheit", sagte Hiestermann. Er bekräftigte noch einmal den Plan, bei der Kommunalwahl mit einer eigenen Liste anzutreten.

Weigel-Greilich stimmte Hiestermann zu, dass "wir zu wenig machen, dass wir mehr machen müssen". Ein "radikaler Wechsel" in der Klimapolitik sei nötig, um das Ziel, 2035 klimaneutral zu sein, zu erreichen. Nur: Dazu brauche es die Mehrheiten im Parlament. "Ohne die können wir es nicht schaffen und umsetzen."

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