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Ordnungspolizist Dirk Blum hat auch den ruhenden Verkehr im Blick. FOTO: PM

"Wir müssen da jetzt zusammen durch…"

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Gießen(cg). Wenn Dirk Blum mit einem seiner Kollegen in der Stadt nach dem Rechten sieht, weiß er ziemlich genau, wie er wen anzusprechen hat. "Mir hilft es total, dass ich in Gießen aufgewachsen bin, ich kenne die Wohnviertel, ich weiß, wie die Leute ticken." Der 51-Jährige ist Ordnungspolizeibeamter. Das bringt es mit sich, dass er nicht überall willkommen geheißen wird. Dennoch sagt er: "Das ist mein Traumberuf." Der Vater von drei Kindern hat gerne mit unterschiedlichen Menschen zu tun, er mag Teamarbeit, er liebt die Vielfalt des Jobs. Dabei kommt er aus einer ganz anderen Branche. Der Gießener hat Maler und Lackierer gelernt und in diesem Beruf lange gearbeitet. 2001 sattelte er um und war zunächst für eine US-Security-Firma tätig. Nach dem Abzug der Amerikaner ging er zurück in den alten Job, doch als sich eine Chance bot, erneut im Sicherheitsdienst zu arbeiten, zögerte er nicht lange und absolvierte die Ausbildung - erst war er für einen privaten Dienstleister im Auftrag der Stadt tätig, seit 2019 ist er direkt bei der Stadt angestellt.

Niemals hätte er sich jedoch träumen lassen, dass er einmal Mütter mit Kindern bitten müsste, Spielplätze zu verlassen. Oder dass er Jugendcliquen auflösen und Jogger im Park an Abstandsregeln erinnern müsste. Aber wer hätte sich all das schon vorstellen können vor der Pandemie? "Wir müssen da jetzt zusammen durch, und es klappt ja auch ganz gut", sagt Blum. Er sei stolz darauf, in der Krise zu einem großen Mitarbeiterstab zu gehören, in dem alle an einem Strang zögen.

Am Anfang des Lockdowns habe es krasse Szenen gegeben, doch die Leute hätten sich schnell arrangiert. "Die meisten haben kooperiert, wenn man sie ruhig und sachlich aufgefordert hat", schildert Blum. "Der Ton macht die Musik." Das gelte nicht nur in Zeiten von Corona. Früher seien die sogenannten "Hilfspolizisten" zuweilen nicht ernst genommen und ihre Kompetenz infrage gestellt worden. Mittlerweile sei das nicht mehr der Fall, mit der Bezeichnung habe sich auch das Erscheinungssbild geändert. Die Ordnungspolizisten tragen keine Schusswaffen und sind nicht zur Strafverfolgung befugt, aber sie sorgen wie die Kollegen der Landespolizei für Sicherheit und Ordnung in der Stadt.

"Gießen ist kein heißes Pflaster, das hält sich im Rahmen", sagt Blum. Er und seine Kollegen seien an neuralgischen Punkten, wo sich die Trinker-, Drogen-, oder Punkerszene treffe, regelmäßig vor Ort. Probleme gebe es selten, und Anwohner seien dankbar für die Präsenz. Sorgen machen Blum eher die Jugendlichen und ihr Alkohol- und Drogenkonsum. Ob er zugenommen habe oder aufgrund der Schließung von Kneipen und Clubs nur mehr auffalle, sei schwer zu sagen in diesen verrückten Zeiten - wie so vieles wird man es erst später wissen.

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