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Hier soll der Kulturgewerbehof entstehen.

»Wir können froh sein, wenn er sich trägt«

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Gießen (khn). Gießen ist nicht nur Hochschulstandort. Auch die Kreativ- und Kulturszene in der Stadt hat einen hohen Stellenwert. Ausdruck dafür sind die Pläne für einen Kulturgewerbehof im Gebäude der Berufsfeuerwehr an der Steinstraße. Das Ob ist im Schul- und Kulturausschuss am Donnerstagabend bei den anwesenden Mitgliedern keine Frage. Jedoch zum Wie fehlen der CDU und der FDP einige Antworten.

Bereits Anfang vergangener Woche hatte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in der Magistratspressekonferenz die Pläne für den Kulturgewerbehof der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort wurde deutlich: Noch sind viele Dinge zu klären, und noch ist die Umnutzung der Feuerwache an der Steinstraße zu einem Kulturgewerbehof nur eine »Option«. Grabe-Bolz wiederholte im Schul- und Kulturausschuss im Rathaus die möglichen Rahmenbedingungen: Trägerin der Einrichtung würde die Genossenschaft raumstation3539, die den Komplex in einem von der Stadt hergestellten »rohsanierten« Zustand übernehmen soll. 2024 könnten dort um die 30 Mieter einziehen.

»Nach zwei bis drei Jahren Diskussion und zwei Machbarkeitsstudien sind wir jetzt an einem Punkt, an dem eine politische Willenserklärung nötig ist«, sagte die OB. Für die »raue Sanierung« sind 1,4 Millionen Euro vorgesehen. Gleichzeitig müsste die Genossenschaft als Trägerin klären, wie sie die Kosten für Miete und Instandhaltung erwirtschaften will. Oder wie Grabe-Bolz sagte: »Jetzt heißt es Butter bei die Fische und eine Verbindlichkeit bei den Nutzern und beim Wirtschaftsplan.« Klar müsse außerdem sein, dass der Standort für die Freiwillige Feuerwehr Gießen-Mitte gesichert werden soll.

Dieser Aspekt ist auch der FDP wichtig, sagte deren Mitglied Dominik Erb. Er forderte aber in einem Antrag, dass der Kulturgewerbehof in städtischer Hand bleiben soll. Ein Teil der Einnahmen der Einrichtung, sagte er, sollten in die Refinanzierung des Gefahrenabwehrzentrums fließen, in das unter anderem die Berufsfeuerwehr einziehen wird. Grabe-Bolz erwiderte, eine Einrichtung wie der Kulturgewerbehof werde keinen großen Gewinn erwirtschaften. »Wir können froh sein, wenn er sich trägt.« Die Stadt werde aber nicht die Zügel aus der Hand geben, sondern über einen Beirat und den Kooperationsvertrag involviert sein.

Christine Wagener von der CDU nannte die kalkulierten Kosten »dubios«, das Gebäude an der Steinstraße »baufällig«. »Euphorie und Enthusiasmus zahlen keine Rechnungen«, betonte sie. Ob es »eine Exit-Strategie für dieses Abenteuer« geben würde, wollte die Christdemokratin von der OB wissen.

Grabe-Bolz erwiderte, Wagener habe die Immobilie »schlechtgeredet«. Es sei nur die Rede davon gewesen, dass das Gebäude für die Berufsfeuerwehr nicht mehr geeignet sei. Fragen nach einer Exit-Strategie würden in einem nächsten Schritt erörtert. »Jetzt wollen wir nur beschließen, dass wir uns zum Kulturgewerbehof bekennen.«

Den FDP-Antrag lehnten mit Ausnahme der CDU die Grünen, SPD, Linke und Gigg/Volt ab. Stattdessen sprach sich diese Mehrheit für den Magistratsantrag aus.

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