"Wir-Gefühl" gepaart mit Integrationsbereitschaft

Gießen-Allendorf (urs). "Unser Dorf hat Zukunft". Im Rahmen dieses Hessischen Landeswettbewerbes 2008 wurde gestern Vormittag eine fünfköpfige Kommission durch Allendorf geführt.

Gießen-Allendorf (urs). "Unser Dorf hat Zukunft". Im Rahmen dieses Hessischen Landeswettbewerbes 2008 wurde gestern Vormittag eine fünfköpfige Kommission durch Allendorf geführt. Ortsvorsteher Thomas Euler beschrieb ausführlich den Stadtteil. Neben der Geschichte Allendorfs und der Vielfältigkeit der Natur wurde unter anderem die Arbeit des Ortsbeirates und der Vereine vorgestellt. Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich, Pfarrerin Johanna Häfner und die Vertreter verschiedener Vereine begleiteten die Kommissionsmitglieder auf dem Rundweg. Anschließend gab es einen Imbiss und eine Ausstellung über die Dorfaktivitäten in der Mehrzweckhalle. "Ich bin sehr beeindruckt", sagte am Schluss der Führung die Leiterin der Kommission, Margot Schneider aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf.

"In Allendorf ist es besonders gut gelungen, die Dorfgemeinschaft zu erhalten", betonte Weigel-Greilich, die selbst in Allendorf wohnt, in ihrer Begrüßungsansprache. Eine ähnliche Meinung vertrat auch der Ortsvorsteher: Die Allendorfer hätten ein ausgeprägtes "Wir-Gefühl". Trotzdem sei die Integrationsbereitschaft gegenüber Neubürgern sehr groß. Die typisch dörflichen Einrichtungen, wie zum Beispiel Backhaus und Streuobstwiesen, würden intensiv genutzt. Die Allendorfer Vereine seien sehr aktiv und arbeiteten gut mit dem Ortsbeirat zusammen.

Desweiteren berichtete Euler über die Geschichte des Stadtteils. In einer Schenkungsurkunde wurde 790 das Dorf "Aldentorph im Logenehe (Allendorf im Lahngau) das erste Mal erwähnt. Geschichtsforscher gehen allerdings von einem Gründungsdatum zwischen 400 und 700 aus. Allendorf gehörte sehr lange zu Hüttenberg und wurde 1703 der Landgrafschaft Hessen zugeordnet. Seit dieser Zeit bezeichnet man diesen Ort als "Allendorf an der Lahn". Von 1821 an gehörte es zum Landkreis Gießen. 1971 wurde Allendorf auf Wunsch der Gemeindevertretung nach vorheriger Bürgerversammlung ein Stadtteil von Gießen.

Neben vielen Vorteilen, wie zum Beispiel dem Anschluss an das Stadtbusnetz und die Finanzierung der Mehrzweckhalle und des Sportplatzes, habe es auch einen Nachteil gegben: Es wurde eine Abfalldeponie in Allendorf eingerichtet, die derzeit rekultiviert wird.

Bauliche Veränderungen gab es in Allendorf außerdem durch den Bau eines Hochwasserdammes im Jahr 2000, dem sich ein Landschaftsschutzgebiet mit zahlreichen Tieren (Schwäne, Wildgänse, Rehe) anschließt. Zwischen der Deponie und dem Damm befindet sich die größte zusammenhängende Streuobstwiesenfläche Oberhessens.

Alle im Ortsbeirat vertretenen Parteien seien offen für die Sorgen und Nöte der Allendorfer. Meistens würden die Beschlüsse einstimmig gefasst. Der Ortsbeirat übernimmt bewusst die Mittlerfunktion zwischen Bürgerschaft und Verwaltung, äußerte sich der Ortsvorsteher über dieses Gremium

In Allendorf gibt es 18 Vereine, die sich zu einer Vereinsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Zu den örtlichen Festen gehören das Backhausfest der Chorgemeinschaft, Wald- und Weinfest des Männergesangvereines, Glühweinfest und Parkplatzfest des Musikvereins, Fassenachtsveranstaltungen der Karnevalsvereine, Grillfeste und Oktoberfeste diverser Vereine. Die traditionelle Kirmes und auch zahlreiche Straßenfeste runden das Programm ab. Neben der Jugendarbeit widmen sich die Vereine auch der Arbeit mit älteren Mitbürgern. Bei der freiwilligen Feuerwehr gibt es eine Alters- und Ehrenabteilung, im Sportverein eine Turngruppe 50 plus und Tanzen für Senioren und die Seniorengymnastik.

Über kann man Auskunft über den Ort, seine Vereine und alle Veranstaltungen bekommen.

Als Ausdruck für das "Wir-Gefühl" der Allendorfer erwähnte Euler auch das Ortswappen. Auf diesem Wappen wird mit den Farben rot und weiß die lange Zugehörigkeit zu Hessen beschrieben, mit dem Schweizer Kreuz auf die Bezeichnung "Schweizer" für die Allendorfer und mit dem Löwen auf den Zusammenschluss mit Gießen hingewiesen. Die blauen Linien stehen für Lahn und Kleebach.

Örtliche Vereine pflegen und gestalten die Grünflächen, die Vogel- und Naturschutzgruppe räumt die Landschaft auf, die Landschaftspflegevereinigung kümmert sich um die Streuobstwiesen, der Angelverein säubert die Bachbetten von Kleebach und Lückebach und der SPD-Ortsverein sorgt für den Bouléplatz.

Abschließend kam Euler auf Projekte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sprechen. Unter anderem sei eine weitere Sanierung der Ortsstraßen vorgesehen, und es wurde ein Pflegekonzept für die Streuobstwiesen erstellt. Dieses Jahr komme außerdem eine mobile Kelterei nach Allendorf; ferner hat sich die Jugendwerkstatt bereit erklärt, die Äpfel zu pflücken. Geplant ist ein Rundwegekonzept, auf dem man trockenen Fußes um Allendorf gehen kann. Zwischen Allendorf und Kleinlinden ist ein Erinnerungswäldchen angedacht, wo Bäume in Gedenken an wichtige Ereignisse gepflanzt werden können. Außerdem soll eine Informationsbroschüre für Neubürger herausgegeben werden. Im November ist eine Veranstaltung mit dem Jugendring beabsichtigt, in der Jugendliche über die Gefahren im Internet aufgeklärt werden.

Trotz seiner dreißigjährigen Zugehörigkeit zu Gießen habe Allendorf seine Identität als Dorf behalten, so Euler.

In einem gemeinsamen Spaziergang ging es von der Kirche über die Untergasse, den Hochwasserdamm, den Kräutergarten, die Schule und die Obergasse zurück zur Mehrzweckhalle.

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