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Der Weihnachtsmarkt an der Lahn. FOTO: SCHEPP

"Winterzauber" ein Schnäppchen

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Gießen(mö). Mit der Stadtparlamentssitzung am Donnerstagabend war es ein bisschen wie mit einem Fußballspiel, bei dem in der zweiten Minute ein Tor fällt und danach nicht mehr viel passiert. Das Tor des Tages, das in der Halbzeit für viel Gesprächsstoff in den Fraktionszimmern und auf den Fluren sorgte, waren die Antworten von Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) auf eine Anfrage des Stadtverordneten Michael Janitzki (Gießener Linke) zum Weihnachtsmarkt am Lahnufer, der unter dem Titel "Winterzauber" firmiert. So sorgte die Aussage der Stadträtin für Verblüffung, dass Veranstalter Christian Trageser für seinen Winterzauber nur eine Bearbeitungs- und Marktgebühr von zusammen 396 Euro an die Stadt zahlen muss.

Das ist etwa nur ein Zehntel der Gebühren, die ein einzelner Betreiber zum Beispiel einer Glühweinbude auf dem städtischen Weihnachtsmarkt am Kreuz- oder Kirchenplatz zahlen muss. Nach der jüngsten - und allgemein als angemessen empfundenen - Erhöhung der Standgelder durch die Stadtmarketing Gießen GmbH bezahlt ein Glühweinverkäufer, je nach Lage und Größe des Stands, jetzt inklusive Reinigungs-, Strom und Werbekosten schätzungsweise zwischen gut 2000 und knapp 4000 Euro ans Stadtmarketing als Veranstalterin.

Weigel-Greilich begründete den gravierenden Unterschied mit dem unterschiedlichen Status der beiden Veranstaltungen. Der Winterzauber sei ein "Event", bei dem Nutzungs- und Bearbeitungsgebühren fällig würden, das andere der Weihnachtsmarkt der Stadt Gießen, für den eine Standgeldliste gelte. Zuvor hatte Heiner Geißler (Freie Wähler) nachgehakt, ob es über die Durchführung eines zweiten Weihnachtsmarkts im hauptamtlichen Magistrat bzw. mit dem Stadtmarketing eine Abstimmung gegeben habe. Die GiMa und der zuständige Dezernent Peter Neidel (CDU) wollen vom Winterzauber nämlich erst aus der Zeitung erfahren haben. Weigel-Greilich bestätigte, dass das für die öffentlichen Grünflächen zuständige Gartenamt, das zu ihrem Dezernat gehört, die Genehmigung für den Winterzauber erteilt hat. Es sei die Sache des Veranstalters gewesen, dann weitere Details mit dem Ordnungsamt, das in die Zuständigkeit von CDU-Bürgermeister Neidel fällt, zu klären.

Für die Opposition sind die Abläufe jedenfalls ein gefundenes Fressen und Beleg für das Kompetenzgerangel im hauptamtlichen Magistrat. FDP-Fraktionschef Klaus Dieter Greilich sorgte in seiner Haushaltsrede für Gelächter, als er sagte: "Die grüne Dezernentin hat als Retourkutsche an den schwarzen Bürgermeister den Torpedo Winterzauber in Richtung des traditionellen Gießener Weihnachtsmarktes gezündet."

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