Röntgen (vorne auf einem Felsen sitzend) im Kreis seiner Freunde im Urlaub in Pontresina (1891), darunter auch zwei Weggefährten aus seiner Gießener Zeit. REPRO: DKL
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Röntgen (vorne auf einem Felsen sitzend) im Kreis seiner Freunde im Urlaub in Pontresina (1891), darunter auch zwei Weggefährten aus seiner Gießener Zeit. REPRO: DKL

Wilhelm C. Röntgen als Fotograf

  • vonDagmar Klein
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Gießen(dkl). Am 27. März jährt sich der Geburtstag von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) zum 175. Mal. In diesem Jahr wird auch an seine Entdeckung der X-Strahlen vor 125 Jahren erinnert. Ein Bildband zeigt nun eine eher unbekannte Seite des mit Gießen eng verbundenen Physikers und Nobelpreisträgers: seine Begeisterung für die Fotografie.

Was in Fachkreisen zu Röntgens Leben und Werk längst bekannt war, ist mit diesem ansprechenden Bildband auch für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich: Fotografien aus dem Privatleben von Wilhelm Conrad Röntgen. Zu den Freizeitbeschäftigungen des Wissenschaftlers und ersten Nobelpreisträgers für Physik (1901) gehörte nämlich das Fotografieren - in einer Zeit als es noch kein Massenmedium und vor allem kostspielig war.

Wenig bewusst ist die Tatsache, dass er ohne diese Kenntnis seine Entdeckung der X-Strahlen nicht im Bild hätte festhalten können (1895). Es war die fotografische Aufnahme von der beringten Hand seiner Frau, die den "Blick ins Körperinnere" so rasend schnell bekannt machte. Er wurde zum ersten Medienstar der Wissenschaft. Ohne, dass er den Rummel allerdings selbst gewollt hätte.

Das Röntgen-Museum an seinem Geburtsort Lennep (heute Stadtteil von Remscheid) besitzt ein großes Konvolut der Vorlagen. Daraus wurde eine Auswahl von 175 Abbildungen getroffen, auf denen vor allem Urlaubsmotive aus der Schweiz und Italien zu sehen sind, aber auch Aufnahmen von Familie und Freunden. Die Einführung der Expertin Christin Müller, Kuratorin der Ausstellung "Cross Over: Fotografie der Wissenschaft + Wissenschaft der Fotografie" im Fotomuseum Winterthur, beschreibt die technische Entwicklung des Fotografierens und ihre Folgen in der Praxis.

Im ersten Teil des Buches werden die frühen Aufnahmen mit der Plattenkamera (1890-1906) gezeigt, im umfangreicheren zweiten Teil die Aufnahmen mit der Stereokamera (1900-1013). Schnell wird klar, worin die Unterschiede bestehen. Für die Belichtung der Glasplatten waren nicht nur eine schwere und unhandliche Ausrüstung nötig, die Fotografierten mussten lange in einer Position verharren. Entsprechend starr sieht es aus. Während die Stereokamera bereits leicht und handlich war, mehr Fotos ermöglichte und vor allem das spontane Fotografieren erlaubte.

Die Fotos vermitteln Röntgens Freude an der Technik und am Ausprobieren. Bei den späteren Aufnahmen wird er immer freier, fotografiert Straßenszenen und Kinderspiele. Den Schwerpunkt bilden allerdings die Landschaftsaufnahmen. Als Naturliebhaber und passionierter Wanderer hat er grandiose Panoramen eingefangen, behielt aber auch den Blick für Details und das einfache Leben. Es ist auch ein kulturhistorisches Dokument der Zeit um 1900.

Den Fotografien sind Zitate Röntgens, vorwiegend aus Briefen, zugeordnet. Leider sind die gezeigten Personen selten namentlich benannt; nur Ehefrau Berta und Ziehtochter Josephine erkennt man schnell wieder. Ein frühes Gruppenfoto (1891), mit Selbstauslöser gemacht, zeigt Röntgen im Urlaub im Kreis von Freunden, darunter der Gießener Augenarzt Arthur von Hippel mit Gattin Olga (linker Bildrand). Am rechten Bildrand erkennt man Röntgens Ehefrau Berta und Nichte Josephine. Röntgen sitzt auf einem Felsbrocken, seitlich hinter ihm sitzend sein Gießener Assistent Ludwig Zehnder (r.) und dessen Frau (l.). Die beiden stehenden Männer sind Ferienbekanntschaften: links der Leipziger Industrielle Hermann Beer und rechts der Nürnberger Architekt Carl Haller von Hallerstein, dessen Frau wiederum hinter Röntgen steht.

Wilhelm Conrad Röntgen: Photographien/Photographs, Hrsg. Deutsches Röntgen-Museum Remscheid, zweisprachig D/GB, 160 Seiten, 175 Abbildungen, 39,90 Euro, Hardcover, fadengeheftet, 30,0 x 23,0 cm, 978-3-943886-63-4.

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