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Ein schöner Anblick. Allerdings können Wildgänse auch große Schäden anrichten. FOTO: DPA

Wildgänse machen Ärger

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Schießen, vertreiben oder sich mit ihnen arrangieren? Über den Umgang mit Wildgänsen gibt es in Hessen unterschiedliche Ansichten. Forschungen, an denen auch Gießener Biologen beteiligt sind, könnten die Debatte voranbringen.

Verkotete Badeseen und abgefressene Felder - wenn Wildgänse in Hessen auftreten, machen sie sich oft unbeliebt. Besonders Grau- und die eingewanderten Nilgänse gelten als Problem. Mit Abschuss und Zäunen wird gegen sie vorgegangen. Ob das dauerhaft hilft, ist unklar. Bernd Petri, Ornithologe beim Naturschutzbund NABU, sieht keine Veränderung der Situation: "Wir müssen einfach mit diesem Neubürger leben", sagt er mit Blick auf die Nilgans.

Dass Mensch und Wildgans aneinandergeraten, liegt auch an mangelndem Wissen. Nach welchen Kriterien die Tiere genau Fressplätze wählen, wie sich Fressschäden auswirken und welchen Folgen Abschüsse haben, ist nicht erforscht. Biologen der Justus-Liebig-Universität Gießen versuchen seit April 2018, diese Lücken zu füllen. "Wildgänse im Werratal" heißt ihr Projekt in Nordhessen. Dabei versuchen Forscher, Naturschützer, Jäger, Landwirte und Behörden gemeinsam, die Konflikte mit den Gänsen zu entschärfen.

Soeben zogen die Beteiligten in Eschwege Bilanz. "Ich denke, dass wir auf einem ganz guten Weg sind", sagt Wildbiologe Johann David Lanz. Er bremst aber die Erwartungen: Antworten auf alle Fragen seien auch am Ende des Projekts nicht zu erwarten. "Wir können aber den Weg zeigen, den wir beschritten haben, und dass er funktioniert."

Das sogenannte Wildgansmanagement setzt auf die Kombination verschiedener Methoden. Dabei werden Gänse auf Flächen gejagt, auf denen sie Schäden anrichten. Weil die Vögel an Reviergrenzen nicht haltmachen, mussten sich Jäger gegenseitig revierübegreifende Jagden erlauben. "Dass Revierpächter bereit sind, andere Jäger in ihrem Revier jagen zu lassen, ist keine Selbstverständlichkeit", erklärt Lanz: "Doch das läuft hervorragend."

Mit dem Vertreiben der Tiere ist das Problem nicht gelöst. Deshalb wurden Areale geschaffen, auf denen Gänse fressen dürfen. "In erster Linie sind hierfür landwirtschaftliche Flächen mit einer Zwischenfrucht vorgesehen." Auf ihnen entstehe kein Schaden. Nicht jede Pflanze ist geeignet, da ein zu hoher Wuchs dem Sicherheitsbedürfnis der Wildgänse widerspreche. Und nicht jede Zwischenfrucht passe zu den Plänen des Landwirts. "Das ist immer das Aushandeln eines Kompromisses", sagt Lanz.

Interessant sind für die Tiere besonders Flächen in Wassernähe. Dort haben Landwirte reagiert und statt Wintergetreide Mais angebaut, der von den Wildgänsen nicht gefressen wird. Eine Variation der Bepflanzung erlaubt künftig weitere Erkenntnisse. Dabei geht es laut Lanz um Fragen wie: "Was ist entscheidend für die Tiere: die Lage am Wasser, die Feldfrucht, oder ist es die Kombination aus beidem?" Künftig sollen weitere Daten erhoben werden, zum, Beispiel indem Wildgänse mit Sendern versehen werden.

Abgeschlossen werden soll das Projekt im März 2021. Finanziert wird es mit 100 000 Euro vom hessischen Umweltministerium.

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