Übergabe der Antragsunterlagen auf dem Aussichtsgipfel der ehemaligen Kreisabfalldeponie mit (v. l.) Ortsvorsteher Thomas Euler, Regierungspräsident Christoph Ullrich und dem hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Hans-Peter Stock. FOTO: PM
+
Übergabe der Antragsunterlagen auf dem Aussichtsgipfel der ehemaligen Kreisabfalldeponie mit (v. l.) Ortsvorsteher Thomas Euler, Regierungspräsident Christoph Ullrich und dem hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Hans-Peter Stock. FOTO: PM

Wildblumen auf ehemaliger Mülldeponie

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen-Allendorf(pm). Wildbienen schweben summend von Blüte zu Blüte, wo vor Jahren noch Spezial-Planierraupen abgelagerten Müll verdichteten. Wenn es nach dem Willen von Thomas Euler geht, wird diese kleine biodiverse Vision auf der ehemaligen Kreisabfalldeponie in Allendorf/Lahn im nächsten Frühjahr bereits Realität. Der langjährige Ortsvorsteher treibt das Artenvielfalt-Projekt voran, den hohen Hügel in eine Wildblumenwiese zu verwandeln.

Nachdem der Kreistag sich per Beschluss dafür ausgesprochen hat, übergab nun Hans-Peter Stock als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter und beim Landkreis verantwortlich für Abfallwirtschaft den Antrag an Regierungspräsident Christoph Ullrich. Demnach soll die finale Rekultivierungsplanung für das Projekt geändert werden. Das Regierungspräsidium Gießen ist letztlich für die Genehmigung zuständig. Ullrich sprach von einem "vorbildlichen Projekt", das nun geprüft und, wenn möglich, genehmigt werden solle.

"Allendorf hat früher schon unter der Deponie gelitten", berichtet Thomas Euler auf dem Aussichtsgipfel mit herrlicher Weitsicht über Mittelhessen trotz trübem Herbstwetters. Oft hatte es während der Zeit des aktiven Betriebes von der offenen Halde herüber gestunken, Plastikmüll blies der Westwind bis in den Ort und die Straßen wurden durch die schweren Müllfahrzeuge beschädigt - bis zur Schließung vor 27 Jahren. Heute ist alles fachgerecht abgedichtet und begrünt. An die Deponie erinnern nur noch über den Hügel verteilte Gasbrunnen sowie ein Zaun. Die Kreisverwaltung als Deponiebetreiber und das RP Gießen als abfallrechtliche Überwachungsbehörde kontrollieren die stillgelegte Deponie. Vier Sitzbänke und vier Schautafeln vom "Rundwanderweg Allendorf/Lahn" weisen stattdessen auf dem Aussichtsgipfel in alle Himmelsrichtungen - ebenfalls ein früheres Projekt, das der langjährige Ortsvorsteher vorangetrieben hatte. "Wir wollten als Ortsgemeinschaft auch den Rekultivierungsplan mitgestalten."

Dass das Vorhaben "Wildblumenwiese" realistisch ist, zeigt eine kleine Anschauungswiese, die von Ortsbeirat, Vereinsgemeinschaft, Grundschule und NABU im Mai 2019 auf dem öffentlich zugänglichen Bereich der Deponie eingesät worden ist. Die Freiwillige Feuerwehr hatte die Bewässerung übernommen. Die Versuchsfläche inklusive Informationstafeln und einem Insektenhotel hatte der Landkreis und das RP Gießen zuvor genehmigt. Mit Erfolg, denn die wilden Insekten nahmen Speiseangebot wie Frühblüher, Sonnenblumen, Lavendel oder Löwenzahn dankbar an.

"Das Insektensterben und auch das Vogelsterben hat mittlerweile ein Maß erreicht, das uns alle aufrütteln muss", erklärt Thomas Euler. In diesem Fall gibt es aus seiner Sicht nur Gewinner: "Den Bienen wird geholfen, der Blick vom Aussichtsgipfel wird nicht beeinträchtigt und von unten sieht es sicher auch wunderschön aus."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare