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Erwin Bellof

Nachruf

Wiesecker Original Erwin Bellof ist gestorben

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Gießen(khn). Zahllose Ehrungsnadeln hat Erwin Bellof für sein außergewöhnliches Engagement zeitlebens erhalten. So viele, dass seine Ehefrau für ihn einen Pilz strickte, an die er sie anheften konnte. Diese Episode zeigt zum einen, dass Erwin Bellof ein "Vereinsmeier" im positiven Sinne war, der gerne anpackte, und zum anderen, dass der Wiesecker die Ehrungen gerne, aber durchaus auch mit einem Augenzwinkern zu würdigen wusste. Nun wird er es nicht mehr tun können: Bereits am 17. Dezember ist Erwin Bellof im Alter von 93 Jahren gestorben.

Erwin Bellof gehörte zu den immer weniger werdenden Zeitzeugen, die den alliierten Bomberangriff auf Gießen am 6. Dezember 1944 erlebt hatten. Der damals 18 Jahre alte Wiesecker half im Inferno mehreren Menschen in Not, obwohl ihm selbst im Krieg die linke Hand zerfetzt worden war; der Arm musste amputiert werden. Deshalb nannte man ihn im Dorf "Ärmchen". Für den selbstbewussten Wiesecker kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil.

Der Wiesecker arbeitete bei der Spedition Lyncker und beim Gummiwarenhersteller Poppe. Nach Kriegsende übersetzte er für die US Army. 1959 wechselte er zur Deutschen Bundespost und war in mehreren Gießener Dienststellen tätig, ehe er freigestelltes Personalratsmitglied wurde. 1980 konnte der Beamte vorzeitig in den Ruhestand gehen. Ein Segen für das Vereinsleben in Wieseck: Denn Erwin Bellof verstärkte nun seine ehrenamtlichen Aktivitäten.

Alle Posten aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Zwei Ernennungen zum Ehrenvorsitzenden - durch den VdK-Ortsverband und die Vereinsgemeinschaft - sprechen aber für sich. Jahrzehntelang war Bellof auch in den Vorständen der Sängervereinigung und des Obst- und Gartenbauvereins aktiv.

Auch parteipolitisch war das Wiesecker Original engagiert. Von 1985 bis 1993 gehörte der damalige Sozialdemokrat dem Ortsbeirat an, in den letzten drei Jahren als Ortsvorsteher. Bis 1997 legte er aber nach und nach alle seine Ehrenämter in jüngere Hände, aus Alters- und auch aus Gesundheitsgründen.

Ein Leben für die Gemeinschaft ist zuende gegangen. Erwin Bellofs Familie hat in aller Stille im kleinen Kreis Abschied von ihm genommen. FOTO: SCHEPP

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