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Wiederentdeckung am Stadttheater

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Von: Redaktion

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Gießen (pm). Das Stadttheater wagt sich erneut an das Experiment einer Wiederbelebung und bringt Engelbert Humperdincks Märchenmelodram »Königskinder« in seiner Urfassung von 1897 konzertant auf die Bühne. Das Philharmonische Orchester, Chor und Extrachor sowie der Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters musizieren unter der Gesamtleitung von Generalmusikdirektor Michael Hofstetter. Zu erleben am Sonntag, 10. Februar, und Freitag, 15. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Gießen (pm). Das Stadttheater wagt sich erneut an das Experiment einer Wiederbelebung und bringt Engelbert Humperdincks Märchenmelodram »Königskinder« in seiner Urfassung von 1897 konzertant auf die Bühne. Das Philharmonische Orchester, Chor und Extrachor sowie der Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters musizieren unter der Gesamtleitung von Generalmusikdirektor Michael Hofstetter. Zu erleben am Sonntag, 10. Februar, und Freitag, 15. Februar, jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Es waren einmal: Eine junge, wunderschöne Gänsemagd im tiefen Wald, gefangen gehalten von einer garstigen Hexe. Des Weiteren ein furchtloser Königssohn auf der Jagd nach Krone und Abenteuer. Und schließlich ein gewitzter Spielmann mit seiner Fidel, der den Königskindern zu Thron und Würde verhelfen will. Doch niemand hat mit der Verstocktheit einer Bevölkerung gerechnet, die Herrscherweisheit mit Blut vergilt; das Märchen endet tragisch...

Engelbert Humperdinck schuf nach seinem Welterfolg »Hänsel und Gretel« ein melancholisches Geschwisterwerk über die Nachtseite des Märchenwaldes, basierend auf einem Kunstmärchen von Elsa Bernstein, die auch das Libretto verfasste. Als Märchenoper erfreut sich »Königskinder« zunehmender Beliebtheit; vergessen ist dagegen die Frühfassung von 1897, die mit der Gießener Aufführung vermutlich seit über einhundert Jahren zum ersten Mal wieder zu hören sein wird. Die Partitur wurde dafür eigens aus handschriftlichen Originalnoten und Archivfunden rekonstruiert. So lässt sich ein wegweisendes Werk an der Schwelle zwischen Romantik und Moderne entdecken, und gleichzeitig ein sanfter Zugang zur Avantgarde: Der Wagner-Schüler Humperdinck hatte dafür eine neue Form des Sprechgesangs erfunden, die erst durch Arnold Schönberg salonfähig wurde. Der Schwierigkeitsgrad des Melodrams ist berüchtigt.

Mit Sopranistin Anja Silja konnte ein Weltstar für die Partie der Hexe gewonnen werden. Ihr Engagement bei den Bayreuther Festspielen durch Wagner-Enkel Wieland Wagner war 1960 der Beginn einer beispiellosen Karriere. Zuletzt feierte die Grande Dame der Opernwelt Erfolge mit den Frauenrollen von Leos Janacek. Weitere Solisten: Marie Seidler (Gänsemagd), Daniel Johannsen (Königssohn), Gregor Dalal (Spielmann/Tod). Der Chor singt unter Leitung des stellvertretenden GMD Jan Hoffmann. (Foto: pm)

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