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Wieder der Forschung widmen

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Eines der schönsten Dinge an 2020 war, dass wir noch anfangen konnten zu impfen. Das hatte ich nicht erwartet. Aber ich bin froh darüber, denn die Zahl der Covid-Patienten ist bei uns zuletzt so hochgegangen, dass wir uns im Klinikum gefragt haben, wie das weitergehen soll. Für 2021 wünsche ich mir, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, sobald sie an der Reihe sind, denn das ist das einzige Mittel, die Pandemie langfristig einzudämmen. Doch auch wenn viele geimpft sind, müssen wir durchhalten und die Hygieneregeln noch einhalten. Dass das gelingt, ist auch ein Wunsch. So nach und nach sollte über das Jahr dann alles Richtung Normalität laufen. Als Wissenschaftlerin wünsche ich mir, dass ich mich irgendwann von Zeit zu Zeit auch wieder der Forschung widmen kann. Wir haben viel Geld bekommen für die Covid-Forschung und müssen da weiterkommen, denn wir brauchen trotz Impfstoff auch gute Wirkstoffe und Medikamente. Das Virus wird uns begleiten, und es wird Menschen geben, die wir nicht impfen können. Auch für die müssen wir Optionen bereithalten. Etwas mehr Zeit, um unsere Studien voranzubringen das wäre schön. Und dann würde auch ich gerne mal wieder Urlaub machen, gerne in Deutschland, aber gerne auch woanders, wenn es geht.

Beruflich wünsche ich mir im neuen Jahr mehr Anerkennung für das, was alle Kolleginnen und Kollegen in der Pflege leisten. Etwas mehr Wertschätzung aber auch etwas mehr Gehalt wären schön. 2020 ist für mich ein sehr besonderes Jahr. In dem was wir hier leisten und geleistet haben, haben wir auch unserer Grenzen neu erfahren und weiter gesteckt. Es gab viel Positives, großartige Teamarbeit, breite Unterstützung durch viele Abteilungen und viel gegenseitigen Respekt unter den Kollegen. Mein großer Wunsch ist, dass sich die Leute impfen lassen, dass die Impfung wirkt und genügend Impfstoff da sein wird. Denn privat möchte ich unheimlich gerne wieder einmal ganz unbeschwert Freunde treffen und eine richtige Feier machen.

Christine Hofmann

Stationsleitung Covid- Normalstation am UKGM

Prof. Susanne Herold

Leiterin der Infektiologie am Uniklinikum

Ich wünsche mir natürlich Gesundheit, dass wir die Corona-Krise in den Griff bekommen und die oft so beschworene Solidarität Früchte trägt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Politik diese Krise bislang mit Ruhe und Bedacht meistert. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen, die so schnell sind mit Kritik, etwas mehr nachdenken und sich in die Politiker hineinversetzen. Es geht nicht alles von heute auf morgen. Ich verstehe auch nicht, dass sich Menschen auf den OP-Tisch legen und dem Mediziner blind vertrauen, aber jetzt auf einmal alles besser wissen wollen. Im Lockdown haben wir außerdem in Gießen gesehen, wie eine tote Innenstadt aussieht. Das müssen wir unbedingt gemeinsam verhindern. Alle Interessensgruppen sollten sich vom Radikalismus verabschieden und gemeinsam daran arbeiten. Mit guten Kompromissen. Als ehemaliger Inhaber eines Kleinbetriebs mache ich mir auch große Sorgen darüber, wie die vielen Betriebe die Krise überstehen sollen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meisten kaum Rücklagen haben.

Ich wünsche mir für das Jahr 2021 natürlich an vorderster Stelle, dass ich und alle um mich herum - sowohl im privaten als auch im dienstlichen Bereich - gesund bleiben, denn wir haben in dem abgelaufenen Jahr mehr denn je erlebt, wie kostbar dieses Gut ist und wie zerbrechlich es auch sein kann. Und wir haben gesehen, wie viele Zahnräder in unserem täglichen Leben ineinander greifen müssen, damit alles seinen "normalen" Gang gehen kann. Vielleicht gewinnen wir daraus die Erkenntnis, dass jeder Mensch und jeder Job auf seine Weise "systemrelevant" ist, um uns ein solch angenehmes und freies Leben zu ermöglichen. Ganz oben auf meiner Wunschliste stehen außerdem: weniger Egoismus, mehr Respekt und Wertschätzung.

Nicole Naumann

Standesbeamtin in der Villa Leutert

Axel Pfeffer

Kunstschlosser in Rente, Opa und Ex-Schlammbeiser

Mariechen

Eine der "Drei Schwätzer" im Seltersweg

Ach, ich habe gar kei große Wünsch für 2021. Nur dass alles widder normal läuft. Die Leut aach widder gern in de Selterswech komme - und dass mich mal widder jemand richtig feste drückt.

Für 2021 wünsche ich mir, dass die Stadt nach dem traurigen Jahresende 2020 und wohl auch nach einem traurigen Start in das neue Jahr 2021 wieder "leben" soll. Es ist bedrückend, durch leere Straßen zu fahren, in denen sonst das Leben pulsiert hat. Ich wünsche mir, dass durch die Corona-Pandemie und deren Folgen die Menschen lernen, wieder etwas respektvoller und wertschätzender miteinander umgehen. Das war in der unbesorgten Vergangenheit in meiner Wahrnehmung rückläufig, obwohl es für unser Zusammenleben so wichtig ist. Mein größter Wunsch für 2021 ist, dass meine Familie gesund bleibt. Das ist wichtig, denn sie gibt mir Kraft.

Andrea Mattern

Ordnungsamt der Stadt Gießen

Ich wünsche mir, dass wir mehr Geduld haben. Auch bei meinem Lieblingsthema Wein werden wir immer ungeduldiger. Auch Wein gibt man keine Zeit mehr, Geschmack zu entfalten. So ist es mit allem. 2020 war ein schwieriges Jahr, aus dem wir aber viel lernen können. Wer immer nur am Gipfel steht, nimmt den Ausblick bald nicht mehr war. 2021 können wir uns aus dem Tal herauskämpfen. Ich freue mich darauf. Ich vermute, die Menschen werden eine Weile brauchen, bis sie wieder gerne in Restaurants gehen. Auch da brauchen wir Geduld. Ach, und mehr geradeaus denken wäre schön, weniger quer.

Giancarlo BiscardiGastronom aus der Plockstraße

Ich wünsche mir, dass 2021 keine Corona-Risiken, keine Existenzängste mehr herrschen, die Menschen wieder ihrer Arbeit nachgehen können und die Unternehmen, Gastro-Betriebe und (Solo-)Selbstständige die Krise überleben und Gießen dadurch wieder und weiter gedeihen kann. Ich wünsche mir, dass sich unser buntes, vielfältiges, blühendes städtisches Leben mit politischen, mit Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen, dem Stadtfest u.a. wieder entfalten und Menschen sich ausgelassen und sorglos treffen und begegnen könnten. Hoffnung besteht, dass dies durch das Impfen wieder möglich wird. Ich wünsche mir auch, dass ich endlich wieder nicht nur meine Familie, sondern auch mir nahe stehende Menschen umarmen oder in den Arm nehmen kann und dass ich samstags auf den Wochenmarkt gehen, danach unbeschwert in das bunte Geschehen eintauchen, mit diesen und jenen "über Gott und die Welt" plaudern, anschließend ins Café, abends ins Theater, Kino, dann ins Restaurant oder die Kneipe gehen kann. Bei allem wünsche ich mir, dass Achtsamkeit, Rücksichtnahme, Verantwortung und Solidarität für ein gutes Miteinander erhalten bleiben und wir auch das schätzen, was wir gerade jetzt haben: Entschleunigung und den Halt in unseren Familien, Freundschaften und Nachbarschaften.

Dietlind Grabe-Bolz

Oberbürgermeisterin der Stadt Gießen

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