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Rund 3000 Menschen ziehen am Samstag bei der Nachttanzdemo vom Messeplatz bis ins Schiffenberger Tal.

Musik-Demonstation

Nachttanzdemo in Gießen: Polizei und Veranstalter ziehen erste Bilanz

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Fast 3000 Feiernde verwandelten am Samstagabend Gießen in eine laute Partymeile - die Nachttanzdemo konnte dieses Jahr wieder als Parade durch die Stadt ziehen. So wie es sich die Veranstalter vorgestellt hatten. Auch die Polizei war zufrieden mit dem »problemlosen« Ablauf.

Gießen - Das war wieder eine klassische Gießener Nachttanzdemo. Was 2020 coronabedingt nur in kleinen, abgetrennten Gruppen an einem Ort stattfinden durfte, war dieses Jahr wieder als Demo durch die Stadt möglich. So zog die inzwischen 13. Musik-Demonstration laut Polizei rund 3000 Feiernde an, die am Samstagabend vom Messeplatz an der Ringallee bis ins Schiffenberger Tal drei Lkw folgten, auf denen Techno und Rock gespielt wurde. Das waren »deutlich mehr« als zunächst erwartet, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Zum Vergleich: 2019 waren es ca. 4500.

Ab 18 Uhr versammelten sich bei bestem Sommerwetter die ersten Gruppen auf dem Messeplatz. Bis der Trubel losging, säuberten rund 30 junge Ehrenamtliche von der Initiative »Cleanup-Walk« (Aufräum-Spaziergang) den Platz von Zigarettenstummeln und Müll. Auch während der gesamten Demo waren Müllsammler aktiv.

Nachttanzdemo in Gießen: Masken unterm Kinn, oft ohne Abstand an Wagen

Gegen 19 Uhr, etwas später als geplant, trafen Veranstalter, DJs, Bands und die politischen Gruppen auf dem Platz ein. Ein in der linken Szene bekanntes Gießener Urgestein, Wolf Dietrich Schreiber, machte sich in seiner Rede für mehr freie und selbstverwaltete Kulturräume stark. Daneben übte eine Vertreterin des »Arbeitskreises Kultur« scharfe Kritik am Umgang der Politik mit Kulturschaffenden in der Corona-Krise. Im zweiten Lockdown habe sich gezeigt: »Kultur ist verzichtbar - Hauptsache, die Frisur stimmt«, spitzte sie mit Anspielung auf die Lockerungen für Friseure zu. Insbesondere »Kultur jenseits des Mainstreams« werde von der Politik oft übergangen.

Seit dem ersten Jahr ist der Grundgedanke der Nachttanzdemo auch, Feier-Kultur auf die Straße zu bringen und »den Leuten zu zeigen, was man auch in einer Pandemie auf die Beine stellen kann, wenn man sich organisiert«, sagte Veranstalter Alexander Vasil. Was manche zuweilen nur als Straßenparty kritisierten, halte er für »hochpolitisch«. Gleichwohl fielen die politischen Reden diesmal spärlicher aus, weil nicht wie üblich auch während des Zugs Botschaften transportiert wurden.

Nach der Auftaktkundgebung setzten sodann die Beats ein, und die überwiegend jungen Menschen begannen ausgelassen zu tanzen. Zweimal musste Alexander Vasil auf die Maskenpflicht auf der Strecke hinweisen, damit die Polizei die Wagen starten ließ. Da man sie zum Rauchen und Trinken abnehmen durfte, sah man den Mund-Nasen-Schutz bei vielen unterm Kinn - um die Wagen oft ohne den gebotenen Abstand. Um die Menschenmenge zwecks Infektionsschutz zu strecken, starteten die drei Lkw zeitversetzt.

Nachttanzdemo in Gießen: Junge Ehrenamtlich säubern Straße

Insgesamt sei die Demo »problemlos und ohne Vorkommnisse« verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizei und scherzte: »Im Rahmen des normalen Wahnsinns ruhig und friedlich«. Über die Ostanlage auf die Licher Straße, anschließend über den Alten Steinbacher Weg gen Schiffenberger Weg lenkten die pulsierenden Bässe und tanzenden Menschen wie jedes Jahr jede Menge Blicke von Anwohnern und Passanten auf sich. »Das ist auf jeden Fall wieder eine echte Nachttanzdemo - viel besser als letztes Jahr«, betonte eine Teilnehmerin.

Gegen 23 Uhr erreichte der Zug sein Ziel in der Karl-Glöckner-Straße. Aufgrund der Verzögerung wurden zum Abschluss keine politischen Reden mehr gehalten, so zum Beispiel nicht von der Gruppe »Stadt für alle«, die für mehr bezahlbaren Wohnraum streitet. Viele Feiernde gingen auf die After-Partys in die »Kreidekreis«-Arena oder ins MuK. Die frei gewordene Fläche säuberte schließlich noch das Team vom »Cleanup-Walk«. »Das war eine runde Sache. Mir tun nur die Füße weh nach dieser Nacht«, sagte Veranstalter Vasil und lachte.

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