Dunkle Bereiche auf den Gehwegen. FOTO: BU
+
Dunkle Bereiche auf den Gehwegen. FOTO: BU

Wieder Beschwerden über LED-Leuchten

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Gießen(mö). Seit fast zehn Jahren läuft im Rahmen eines Modellprojekts des Landes der Prozess zur Umstellung der Gießener Straßenbeleuchtung auf die energieeffizientere LED-Technik. Im Sommer 2015 schraubte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir in Allendorf sogar persönlich eine neue Lampe an einen Mast.

Aber nicht überall stößt der Abschied von der bisherigen Straßenbeleuchtung auf Begeisterung der Anwohner, weil Lampen flackern oder die Ausleuchtung als schlechter oder zu grell empfunden wird. Auch jetzt gab es aus der Gnauth- und Stephanstraße Klagen, dass es in den Straßen dunkler geworden sei.

Bei der Stadt kennt man diese Kritik. "Das wird von Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Manche empfinden die weiße Beleuchtung als heller, andere als dunkler, weil zum Beispiel nicht mehr Fassaden und Hauseingänge durch Streulicht mitbeleuchtet werden", erklärt Stadtsprecherin Claudia Boje .

Die aktuelle Umrüstungstranche in der Gnauthstraße startete laut Boje Mitte Juli, in der Stephanstraße habe der Austausch bereits im April stattgefunden. Damals hatte die Stadt die Auswechslung von weiteren 3500 alten "verbrauchsintensiven" Straßenleuchten durch LED-Leuchten angekündigt. Der Austausch werde mehrere Monaten beanspruchen, hieß es. "Wenn die Arbeiten im Sommer abgeschlossen sein werden, wird nahezu der gesamte Leuchtenbestand der Straßenbeleuchtungsanlage modernisiert sein", erklärte Bürgermeister Peter Neidel. Laut ihm bringt die Investition aber nicht nur Energie- und Kosteneinsparungen, sondern auch eine "sichtbare Ausleuchtungsqualität". LED-Leuchten ließen sich zielgerichtet ausrichten. Sie erhellten die Verkehrsflächen gleichmäßig mit ausschließlich nach unten gerichtetem Licht und streuten somit nur minimal auf die umliegenden Häuser, die Natur und in den Himmel. Neidel damals: "Damit tragen sie auch dazu bei, die Lichtverschmutzung der Umwelt zu reduzieren."

Die postiven Aussagen der Stadt können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Technik nicht unumstritten ist. Die Deutsche Umwelthilfe rügte 2015 die Umweltbilanz der Leuchten, und vor zwei Jahren warnten französische Wissenschaftler, dass das im LED-Licht enthaltene Blaulicht bei älteren Menschen die sogenannte Makuladegeneration fördern könnte. Das betrifft natürlich auch und vor allem Lampen im Haushalt oder die Beleuchtung von Displays von Computern und Smartphones.

In Gießen war die Umrüstung der Straßenbeleuchtung in der Anfangsphase mit einer Haushaltsbefragung flankiert worden. Anwohner in bereits umgestellten Straßenzügen hatten laut Stadt ein überwiegend positives Fazit gezogen. Ein häufig geäußerter Kritikpunkt sei aber die Blendwirkung des Flutlichts gewesen.

Damals mussten zudem einige hundert Exemplare auf Kosten des Lieferanten ausgetauscht werden, weil sie flackerten. Grund war ein produktionsbedingter Fehler in den Mikroprozessoren der Lampen. Ihre Wirtschaftlichkeit ist unumstritten; in Gießen sparen sie laut Stadt jährlich 370 000 Euro Stromkosten. Grund für die Umstellung war auch das "Lampenverbot" der EU, von dem in Gießen 6000 der insgesamt 9000 Straßenleuchten betroffen waren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare