Das Cover des neuen Literaturmagazins. FOTO: PM
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Das Cover des neuen Literaturmagazins. FOTO: PM

KULTURTERMINE

Werkstattkirche stellt sich vor

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Obwohl sich das laut Georg Büchner "abscheuliche" Gießen durch vielfältige belletristische Stimmen auszeichnet, besaß es seit 2003 kein eigenes Literaturmagazin mehr. Das hat sich nun geändert. "Georg*ette" heißt das neue Literaturmagazin für Gießen und das Lahngebiet, das in diesen Tagen erstmals erscheint.

Gießen(pm). Mit der Ausstellung "Frauen und Nachhaltigkeit" im Rathaus wurden die Aktionstage zu Nachhaltigkeit in der Stadt Gießen eröffnet. Als weiterer Höhepunkt stellen sich wechselnde Initiativen jeweils an den Markt-Samstagen auf dem Kirchenplatz mit ihren Projekten vor.

Die Werkstattkirche eröffnet am Samstag, 26. September, den Reigen mit vielfältigen Aktionen zum Thema Wasser und zu dem sparsamen Umgang mit dieser Ressource. Neben Informationen gibt es "Seedbombs" (Samenbömbchen) und eigene Ideen können gepostet werden. Die Werkstattkirche rettet kaputte Elektrogeräte, indem sie diese gemeinsam mit Ehrenamtlichen fachgerecht repariert und auch weitere Helfer qualifiziert.

Gemeinsam zu kochen und zu essen und dabei die Wertschätzung und den Genuss abgeschriebener Lebensmittel zu erleben, ist Ziel eines wöchentlichen Mittagstisches, zu dem auch interessante Menschen des öffentlichen Lebens als Gesprächspartner eingeladen werden. Kräuter und Gemüse sollen dafür in Kürze in einem aus recycelten Treppenstufen gebauten Hochbeet angebaut und geerntet werden. Aber auch viele andere mitgebrachte Dinge von Möbeln bis Kleidung werden hier repariert und neu verteilt, sodass weniger weggeworfen wird und Ressourcen geschont werden können.

Ende vergangenen Jahres haben sich Literaturinteressierte und Kulturschaffende aus Gießen getroffen, um eine Lücke zu schließen. Denn das ansonsten doch so literatur- affine Gießen hat seit mehr als 15 Jahren kein eigenes Literaturmagazin mehr. Auch der Wetzlarer und Marburger Autorenszene fehlte eine solche Plattform. Die Gruppe, darunter auch Herausgeber ehemaliger Literaturzeitschriften wie "Syntax Acut", mehrere Autoren und eine Lektorin, hat daher die "Georg*ette" ins Leben gerufen.

Das neue Literaturmagazin soll es den Schreibenden der drei Lahnstädte ermöglichen, eine Art gemeinsame Identität auszuloten, zugleich aber auch dem "regionalen Käfig zu entfliehen". Die Redaktion der Zeitschrift besteht aus der freischaffenden Fotografin Anika Brummer, dem versierten Literaturvermittler Pedro Hafermann, Lektorin Jasmin Höhl, Autor Wolf D. Schreiber und den schon als Organisatoren der Gießener Lesebühne "Die hohle Mittelmäßigkeit" bekannten Maximilian Lipski und Jan Seibert.

Bei der Vorstellung der Erstausgabe (siehe Zusatzkasten) am 29. September im Ulenspiegel unter dem Titel "Soll man das Sommer nennen" werden auch fünf Autoren ihre Texte performen, die in der ersten Magazinausgabe vertreten sind: Markus Henschler, Hess Paul, Marco Rasch, Annika Carmen Schmidt und Wolf D. Schreiber.

Neben den bereits genannten sind an "Georg*ette" #1 außerdem Natalie Harapat, Andreas Hutt, Maximilian Lipski, Florian Michnacs und Daniel Schneider mit ihren Texten beteiligt. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Literatur auf einer weiteren Kick-Off-Lesung zu präsentieren. Über den genauen Termin und Ort dieser zweiten Lesung will die Redaktion zeitnah gesondert informieren.

50 Texte eingesandt

Die Texte in der ersten Ausgabe des neuen mittelhessischen Literaturmagazins wurden vom Redaktionsteam aus 50 Arbeiten herausgesucht, die im Frühjahr nach einem öffentlichen Aufruf eingesandt worden waren. Sie gehören unterschiedlichen Genres und Gattungen an: Gefragt waren Prosa- und Lyriktexte, aber auch Essays oder Dramolette.

Die erste Ausgabe von "Georg*ette" - der Titel spielt mit einem Gender-Augenzwinkern auf Georg Büchner an - umfasst 64 Seiten mit Texten, Illustrationen und Fotos. Das Magazin ist während der Lesung im Ulenspiegel und danach regulär an weiteren ausgewählten Orten in Gießen in gedruckter Form auf Spendenbasis erhältlich und soll in digitaler Form online zugänglich gemacht werden.

Eine zweite Ausgabe von "Georg*ette" wird unter dem Titel "Dahinter endet der Weg im Moor" voraussichtlich im Dezember dieses Jahres erscheinen. Für den Beginn des Jahres 2021 ist zudem ein neuer Open Call für Texte einer dritten Ausgabe geplant.

Die Arbeit an den ersten beiden Ausgaben wird durch das Kulturamt gefördert und durch die ehrenamtliche Tätigkeit einer Reihe von Redaktionsmitgliedern und Helfern überhaupt erst mögklich gemacht.

Weitere Informationen unter:www.georgette-giessen.de.

Gießen(jri). Jörg Cezanne, Bundestagsabgeordneter der Linken, hat einen Scheck in Höhe von 750 Euro an die Gießener Tafel übergeben. Der Tafel waren vor einigen Wochen zwei ihrer vier Kühltransporter nahezu zeitgleich ausgefallen - wegen Motorschaden und Achsbruch. Cezanne konnte vom "Verein der Bundestagsfraktion ›Die Linke‹" nun das Geld zur Unterstützung des Behebens der Schäden einwerben. Der Verein finanziert sich über Diätenerhöhungen, die dort seit geraumer Zeit von den Abgeordneten eingezahlt und für die Unterstützung sozialer und kultureller Projekte ausgeschüttet werden.

Gießen(pm). Das Vitanas Senioren Centrum An der Lahn bietet immer wieder unterhaltsame Veranstaltungen für Bewohner, Angehörige und Freunde des Hauses an. Bereits mehrmals trat Ingi Fett bei einem Innenhof-Konzert auf und sang Lieder, die bei vielen die Vergangenheit für einen Moment zur Gegenwart werden ließen. Viele Bewohner lauschten von den Terrassen, den Zimmerfenstern oder aus dem Innenhof heraus der Musik. Dazu gab es Eis und alkoholfreie Cocktails.

Family Day im Museum- Das Oberhessische Museum lädt am Sonntag, 27. September, ein zum Family Day. Die Schnipseljagd für Spürnasen läuft von 13 bis 16 Uhr, Treffpunkt ist am Wallenfelsschen Haus. Familien zahlen 15 Euro (bis drei eigene Kinder, jedes weitere Kind 5 Euro), inklusive aller Materialien. Anmeldungen bis Freitag unter Tel. 0641/9609730 oder per E-Mail an museum@giessen.de. Im Anschluss an eine kindgerechte Führung fertigen alle mit verschiedenen Techniken und Materialien Kunstwerke an, die mit nach Hause genommen werden können. Es gelten die Corona-Schutzregeln: Abstand, Maske, Desinfektion.

Konzert zum 3. Oktober- Der Tag der Deutschen Einheit erinnert an die deutsche Wiedervereinigung. Anlass genug, diesen Tag mit einem Konzert des Europäischen Kammerchores zu feiern und dies ungeachtet der Einschränkungen, die die Corona-Zeiten mit sich bringen. Zwölf Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Nationen in der Vierländerregion Frankreich, Belgien, Niederlande und Deutschland treten am Sonntag, 3. Oktober, zweimal in der Bonifatiuskirche auf: um 17 und 20 Uhr. Regionalkantor Michael Gilles war selber einmal Mitglied in diesem Chor und seine Verbindung zum Gründer und Chorleiter Michael Reif macht den Auftritt in Gießen erst möglich. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die Eule-Orgel wird gebeten. Eine Anmeldung zu den Konzerten ist empfehlenswert und erfolgt über die Homepage www.bonifatius-giessen.de. Mit der Registrierung auf der Website ist eine Teilnahme am Konzert gesichert. Nur wenn dann noch Plätze frei sein sollten, können an Konzertbesucher ohne Anmeldung weitere Plätze vergeben werden. Ebenso sind die aktuellen Hygienevorschriften zu befolgen: Abstand halten, zum Einlass eine Maske tragen (nicht während des Konzerts), Desinfektion der Hände und Festhalten der Kontaktdaten.

Frauenbewegter Rundgang- Ein Stadtrundgang zur Frauenbewegung in Gießen wird vom Oberhessischen Museum am Sonntag, 27. September, von 11 bis 12.30 Uhr im Rahmenprogramm der aktuell noch nicht zu besichtigenden Sonderausstellung "Feuer und Flamme für diese Stadt. Das bewegte Gießen in den 80er-Jahren" angeboten. Referentin ist Jutta Failing, Treffpunkt ist vor dem Alten Schloss. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich bis Freitag, Tel. 0641/9609730 oder per E-Mail an museum@giessen.de. Der Rundgang erinnert an "Frauennester" der 80er-Jahre, Hilfs- und Beratungsangebote und -einrichtungen.

Sommerkulturkirche- Der Vorstand der Freunde und Förderer der Pfarrei St. Thomas Morus hat ein positives Fazit seiner bisherigen Arbeit gezogen. Die Sommerkulturkirche im August sei gut von Künstlern und Besuchern angenommen worden. Nebenbei konnten 900 Euro für das Projekt "Musik statt Straße" und 500 Euro für "Ärzte ohne Grenzen" gesammelt werden. Insgesamt wurden bei vier Veranstaltungen unter freien Himmel 300 Besucher gezählt. In Absprache mit dem Gesundheitsamt war ein Hygienekonzept erstellt worden und maximal 80 Personen zugelassen. Eine erneute Auflage der Sommerkulturkirche 2021 ist geplant.

Gießen(jou). Humorvolle, nachdenkliche und makabre Kurzgeschichten und Gedichte hatten Schauspieler Harald Pfeiffer und Organisator Uwe Lischper für die jüngste Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Einer liest" zusammengestellt. Unter dem Motto "Um sechs in der City" präsentierte Pfeiffer am Sonntag unter den Marktarkaden eine ebenso kurzweilige wie abwechslungsreiche Textauswahl zum Thema Trennung und dem Weg dorthin, wenn die Harmonie in einer Beziehung schwindet.

Gleich zwei Schicksalsschläge auf einmal erleidet der Protagonist in Erich Kästners Großstadtroman "Fabian": Erst verliert er seine Arbeit, dann findet er zu Hause einen Abschiedsbrief seiner Geliebten Cornelia, die einen älteren Mann kennengelernt hat und ihm Enttäuschung ersparen will. Der tragische Romanausschnitt sorgte für einen eindringlichen Auftakt.

Aus einer anderen Perspektive beleuchtete die Episode um Anna Pollinger aus Ödön von Horváths Erstlingsroman "Der ewige Spießer" den Beziehungsaspekt. Anna lässt sich von Harry ins Restaurant einladen. Der Ausflug nimmt einen bitteren Verlauf: Später am Abend hält Harry mit dem Sportwagen an, betretene Stimmung herrscht zwischen den beiden, als er gegen ihren Willen Sex erwartet; es kommt zur Vergewaltigung. Seltsam mutete an, wie er, sich darüber aufregend, dass sie bloß regungslos daliegt, plötzlich wegfährt.

Ähnlich desillusionierend erschien Erich Kästners "Gebet keiner Jungfrau", das mit romantischen Liebesvorstellungen bricht. Die emotional von der Mutter abhängige Protagonistin Joy in Vicki Baums Roman "Vor Rehen wird gewarnt" bleibt ebenso wenig von Enttäuschungen verschont. Sie hätte sich an Larry binden können, durch ein offenes Gespräch merkt sie, dass dies ausgeschlossen ist.

Treuetester und Trennungsagentur

Besonders amüsierte Lischpers Text über eine Trennungsagentur. Darin geht es um die von Therese gegründete Agentur "Die Treuetester". Diese soll Klarheit schaffen, ob der Partner noch treu ist durch die Art und Weise, wie er auf Verführungen reagiert. Therese hat einen Katalog von zehn Punkten erstellt, die auf Untreue hinweisen - vom Bauchgefühl über Fantasien des Partners, sexuell neue Dinge auszuprobieren, bis hin zu Gewissensbissen. Ein nach Vorlieben des Partners ausgewählter Tester soll durch ein "Analysetreffen" dessen Treue überprüfen.

Voller Ironie zeigte der Text, dass sich heutzutage fast mit allem Geld verdienen lässt. Die Trennungsbotschaft kann am Telefon übermittelt, gegen Aufpreis auch persönlich überbracht werden. Viele Besucher lagen richtig mit ihrer Vermutung, dass es solche Agenturen tatsächlich gibt.

Der Bogen wurde weiter gespannt zu den "Liebeskümmerern", die Begleitung für in Trennung befindliche Menschen bieten oder - noch köstlicher - zur "Mach-Schluss-Agentur", bei der es etwa bei Fehlverhalten eine Gelbe Karte für den Partner gibt. Den Gipfel markierte der "Rückholungsservice" für persönliche Gegenstände, wenn man nicht mehr in die Wohnung des Ex möchte. Pfeiffers virtuoser Vortrag fesselte bis zum Schluss und riss die Besucher zu kräftigem Beifall hin.

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