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Die Orchestermitglieder Adam Lord (Violine) und Henrike Seitz (Cembalo) spielen in der Johanneskirche.

Wer war denn wohl der Komponist?

  • VonSascha Jouini
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Gießen (jou). In einem gut besuchten Konzert am Freitag in der Johanneskirche beleuchtete das Main-Barockorchester Frankfurt das Thema Autorschaft. So wurden die sechs »Concerti Armonici«, von denen das Ensemble unter Leitung von Martin Jopp eingangs das fünfte in f-Moll vortrug, zunächst Carlo Ricciotti oder Giovanni Battista Pergolesi zugeschrieben und konnten erst nach 1979 durch den Fund der Originalmanuskripte sicher Unico Wilhelm van Wassenaer (1692 bis 1766) zugeordnet werden.

Klanglich intensiv unterstrich das Ensemble im eröffnenden Adagio den leidenschaftlichen Ausdruck. Beim anschließenden fugierten Satz schien die Klangfülle dann zu groß - man wünschte sich eine klarere Linienführung. Im weiteren Verlauf fand das Orchester deutlich besser ins Spiel. In sanft fließender Bewegung gestaltete es den dritten Satz und verlieh der Musik hier betörende Innigkeit.

Bei Johann Gottlieb Goldbergs Sonata C-Dur - ehemals Johann Sebastian Bach zugeschrieben - bezauberte die Reinheit im Ausdruck, mit der Martin Jopp und Adam Lord im Adagio-Kopfsatz den Zwiegesang der Violinen darboten. Die reduzierte, durch Cello und Cembalo zum Quartett komplettierte Besetzung begünstigte die klangliche Durchsichtigkeit.

War es der Vater oder der Sohn?

Beim Concerto F-Dur kann die Autorenschaft kaum eindeutig geklärt werden, da im Manuskript der Komponistenname abgekürzt ist. Es könnte von den Brüdern Carl Heinrich oder Johann Gottlieb Graun stammen, wahrscheinlicher aber von Christoph Graupner. Reizvoll brachte das Concerto mit der Gambe als seltenes Soloinstrument in Begegnung. Besonders faszinierte der Dialog zwischen Gambist Christian Zincke und Cellistin Katie Stephens im Adagio, ebenso der spannende Wechsel von Soli und Tutti im Finale.

Aus der Ouvertüre g-Moll von Wilhelm Friedemann Bach sei hier der Torneo-Satz hervorgehoben. Das Ensemble schöpfte in diesem virtuosen Schwerttanz die Spontaneität aus. Im Ganzen zeigte der galante Charakter recht deutlich, dass das Werk kaum, wie früher angenommen, vom Vater Johann Sebastian Bach stammen kann. Zum Schluss, beim »Concerto Armonico« Nr. 1 G-Dur von Unico Wilhelm van Wassenaer, schloss sich der Kreis.

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