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Aleksandar Miladinovic desinfiziert die Dokumente seiner Kunden. FOTO: SCHEPP

Wenn Übersetzer ihre Dokumente desinfizieren

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Gießen(khn). Krisenzeiten sind auch kreative Zeiten: Schnell unbürokratische Lösungen für Probleme zu finden, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat. Vor dieser Aufgabe stand auch Aleksandar Miladinovic. Der Gießener ist Inhaber eines Übersetzungsbüros in der Stadt - und hat sich zur Desinfektion der dort zu bearbeitenden Dokumente einen UV-Strahler angeschafft.

Damit reagiert der gebürtige Serbe auf die Wünsche seiner Kunden. Mehrmals in der Woche erhielte er Anfragen, ob und wie das Büro in Zeiten der Corona-Pandemie Hygieneregeln befolgt. Und das, obwohl das Robert-Koch-Institut für den Postversand Entwarnung gegeben hat; ein äußerliches Desinfizieren von Briefen oder Paketen sei nicht erforderlich. Um den Anfragen seiner Kunden dennoch gerecht zu werden und ihnen ein gutes Gefühl zu geben, machte sich Miladinovic schlau - und stieß auf das Thema UV-Licht. Denn eine "nasse" Desinfektion" ist für Briefe mit offiziellen Dokumenten, die das Büro übersetzt, keine schlaue Idee.

Neu ist die Erkenntnis nicht, dass die Bestrahlung mit UV-Licht desinfizierend wirkt. Angewandt wird dies beispielsweise in Laboren oder bei Operationsbesteck. In China hat der städtische Busbetrieb eine UV-Desinfektionskammer für die Fahrzeuge in Betrieb genommen. Verwendet werden dabei UVC-Strahlen; die sind Teil des natürlichen Sonnenlichts und verhindern die Vermehrung von Mikroorganismen. Miladinovic hat nun ein solches Gerät angeschafft und nutzt es im Büro.

In der Branche habe es sich herumgesprochen, das der Mittvierziger eine Dokumentendesinfektion nutze, erzählt er. Seitdem würden Kollegen aus ganz Deutschland bei ihm anrufen. Miladinovic hat sein Übersetzungsbüro 1999 gegründet. Neben Sprachen wie Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch oder Arabisch, konzentriert sich das Büro auf ost- und südosteuropäische Sprachen. Die meisten seiner Kunden sind Privatpersonen, die beispielsweise ausländische Schul- oder Universitätszeugnisse übersetzen lassen wollen. Hinzukommen Behörden sowie Betriebe.

Als Dienstleister darf Miladinovic sein Büro weiterhin geöffnet haben; auch wenn er die Öffnungszeiten reduzieren will. Aber, dass seine Arbeit auch in Pandemie-Zeiten gefragt ist, zeigt sich an seiner aktuellen Tätigkeit für Behörden: Für sie muss er Hinweisschilder oder Info-Blätter zum Thema Coronavirus in unterschiedliche Sprachen übersetzen. Für diese Arbeit braucht er auch kein UVC-Licht.

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