Wenn "Rauch" aus dem Schornstein der Schule schießt ...

Gießen (kw). Eine dicke weiße Wolke schießt aus dem Schornstein der Georg-Büchner-Schule an der Ecke Reichenberger/Egerländer Straße. Und das auch mitten in der Nacht und die ganzen Weihnachtsferien hindurch. Wird die Grundschule etwa ständig beheizt?

Das fragte eine Bewohnerin der Nordstadt die Redaktion. Des Rätsels Lösung: Im Keller des Gebäudes befindet sich ein Blockheizkraftwerk der Stadtwerke, das einen Teil der Nordstadt mit Strom und Fernwärme versorgt.

Bei dem "Rauch" handle es sich um Wasserdampf, erklärte auf AZ-Anfrage Matthias Funk, Leiter der Wärmeversorgung bei den Stadtwerken Gießen (SWG), die die Anlage nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung betreiben. An mehreren Stellen in der Stadt sei dieses Phänomen zu beobachten. Immer wieder komme es vor, dass sich Bürger mehr oder weniger besorgt erkundigen, "was denn da qualmt".

Aber keinesfalls werde Schmutz in die Luft geblasen. Die Abgase würden gereinigt. Was mit einer Temperatur von etwa 50 Grad aus dem Schornstein kommt, sei im Wesentlichen der Rest-Wasserdampf. Die weiße Wolke ist vor allem bei Kälte zu sehen, wenn der Unterschied zur Lufttemperatur groß ist.

Das Heizkraftwerk in der Georg-Büchner-Schule wird mit Erdgas betrieben. Woher stammt da die Feuchtigkeit, aus der am Ende Dampf entsteht? Vor allem aus der Luft, die zum Verbrennungsvorgang angesaugt wird, erläutert Funk. Wo Holzhackschnitzel verheizt werden, kommt die Feuchtigkeit direkt aus dem Holz. Solche Anlagen betreiben die SWG auf dem Gelände des früheren US-Depots, in der Marshall-Siedlung und an der Schlachthofstraße.

Fast das ganze Jahr über läuft die Anlage in der Egerländer Straße. Im Winter, wenn der Heizbedarf groß ist, versorgt sie vor allem die Georg-Büchner-Schule und das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium sowie einen Teil des Gebiets um die Troppauer Straße. Im Sommer geht der Strom von dort in die ganze Siedlung am Rodtberg und das Flussstraßenviertel. Welches Gebiet von wo aus versorgt wird, lässt sich je nach Bedarf steuern: Das Blockheizkraftwerk ist Teil eines ganzen Netzes. Insgesamt betreiben die Stadtwerke rund 150 Anlagen - davon rund 60 im Stadtgebiet -, die meisten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.

Energieversorgung durch viele kleine, aber effiziente Kraftwerke vor Ort zahle sich aus, so die Überzeugung der SWG-Experten. Bei guter Ausnutzung werde weniger Primärenergie verbraucht, die Umweltbelastung sei geringer und die Transportwege zu den Kunden kürzer als bei Großkraftwerken an Stadträndern oder gar "auf der grünen Wiese". Die SWG hätten gerade bei der Verbrennung von Holz immer wieder neue Techniken entwickelt, ""die man üblicherweise nicht "von der Stange" bekommt", so Funk.

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