Harald Pfeiffer unter den Marktarkaden. FOTO: JOU
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Harald Pfeiffer unter den Marktarkaden. FOTO: JOU

Wenn der Partner untreu wird

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Humorvolle, nachdenkliche und makabre Kurzgeschichten und Gedichte hatten Schauspieler Harald Pfeiffer und Organisator Uwe Lischper für die jüngste Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Einer liest" zusammengestellt. Unter dem Motto "Um sechs in der City" präsentierte Pfeiffer am Sonntag unter den Marktarkaden eine ebenso kurzweilige wie abwechslungsreiche Textauswahl zum Thema Trennung und dem Weg dorthin, wenn die Harmonie in einer Beziehung schwindet.

Gleich zwei Schicksalsschläge auf einmal erleidet der Protagonist in Erich Kästners Großstadtroman "Fabian": Erst verliert er seine Arbeit, dann findet er zu Hause einen Abschiedsbrief seiner Geliebten Cornelia, die einen älteren Mann kennengelernt hat und ihm Enttäuschung ersparen will. Der tragische Romanausschnitt sorgte für einen eindringlichen Auftakt.

Aus einer anderen Perspektive beleuchtete die Episode um Anna Pollinger aus Ödön von Horváths Erstlingsroman "Der ewige Spießer" den Beziehungsaspekt. Anna lässt sich von Harry ins Restaurant einladen. Der Ausflug nimmt einen bitteren Verlauf: Später am Abend hält Harry mit dem Sportwagen an, betretene Stimmung herrscht zwischen den beiden, als er gegen ihren Willen Sex erwartet; es kommt zur Vergewaltigung. Seltsam mutete an, wie er, sich darüber aufregend, dass sie bloß regungslos daliegt, plötzlich wegfährt.

Ähnlich desillusionierend erschien Erich Kästners "Gebet keiner Jungfrau", das mit romantischen Liebesvorstellungen bricht. Die emotional von der Mutter abhängige Protagonistin Joy in Vicki Baums Roman "Vor Rehen wird gewarnt" bleibt ebenso wenig von Enttäuschungen verschont. Sie hätte sich an Larry binden können, durch ein offenes Gespräch merkt sie, dass dies ausgeschlossen ist.

Treuetester und Trennungsagentur

Besonders amüsierte Lischpers Text über eine Trennungsagentur. Darin geht es um die von Therese gegründete Agentur "Die Treuetester". Diese soll Klarheit schaffen, ob der Partner noch treu ist durch die Art und Weise, wie er auf Verführungen reagiert. Therese hat einen Katalog von zehn Punkten erstellt, die auf Untreue hinweisen - vom Bauchgefühl über Fantasien des Partners, sexuell neue Dinge auszuprobieren, bis hin zu Gewissensbissen. Ein nach Vorlieben des Partners ausgewählter Tester soll durch ein "Analysetreffen" dessen Treue überprüfen.

Voller Ironie zeigte der Text, dass sich heutzutage fast mit allem Geld verdienen lässt. Die Trennungsbotschaft kann am Telefon übermittelt, gegen Aufpreis auch persönlich überbracht werden. Viele Besucher lagen richtig mit ihrer Vermutung, dass es solche Agenturen tatsächlich gibt.

Der Bogen wurde weiter gespannt zu den "Liebeskümmerern", die Begleitung für in Trennung befindliche Menschen bieten oder - noch köstlicher - zur "Mach-Schluss-Agentur", bei der es etwa bei Fehlverhalten eine Gelbe Karte für den Partner gibt. Den Gipfel markierte der "Rückholungsservice" für persönliche Gegenstände, wenn man nicht mehr in die Wohnung des Ex möchte. Pfeiffers virtuoser Vortrag fesselte bis zum Schluss und riss die Besucher zu kräftigem Beifall hin.

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