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Luna Al-Mousli im ZiBB.

Wenn die Oma nach Mekka pilgert

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Gießen (jou). Mit ihrer offenen und humorvollen Art nahm Autorin Luna Al-Mousli (geb. 1990) die Besucher bei einer Lesung im Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung für sich ein. Veranstaltet vom Literarischen Zentrum und der Fachschaft Germanistik, stellte Al-Mousli ihre beiden bisherigen Bücher vor.

Aufgewachsen in Damaskus und Wien, reflektiert sie darin über ihr Leben zwischen den Kulturen. "Eine Träne. Ein Lächeln", 2016 im Verlag Weissbooks erschienen, ist als Diplomarbeit im Rahmen ihres Grafikdesignstudiums entstanden. Wie sie gegenüber dem Publikum anmerkte, wollte sie erst nur die Illustrationen sowie das Layout gestalten und eine Frau mit ähnlichem Erfahrungshintergrund den Text schreiben lassen, fand indes niemanden und übernahm so selbst die Autorenrolle. In knappen Gedanken liefert sie darin eine Vorstellung vom strengen politischen Klima, dem sie etwa an der Schule in Damaskus ausgesetzt war: Sie musste eine Uniform mit Tuch der Baath-Partei tragen und bewegte sich in einer unsicheren, von Soldaten bewachten Umgebung.

Die kleinen, auf Notizen basierenden Geschichten lassen ihre Kindheitserinnerungen wach werden. Das Buch verfasste sie in Deutsch und Arabisch - Al-Mousli las auch zweisprachig, sei dies doch Teil ihrer Identität.

Noch deutlich interessanter als "Eine Träne. Ein Lächeln" mit dem aufs Wesentliche reduzierten Stil schien ihr zweites Buch "Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich". Darin beleuchtet sie in längeren Texten etwa den Koranunterricht, der für sie wie eine Märchenstunde war: Die Geschichten handelten von heldenhaften, über bewundernswerte Fähigkeiten verfügenden Figuren. So zog sie denn auch die Koranstunde dem Fernsehen vor.

Während die ältere Verwandtschaft eine Pilgerreise nach Mekka unternahm, war sie mit ihrer Schwester und Cousine allein zu Hause. Voller Fantasie, frei von elterlichen Zwängen spielten die Mädchen Friseur - und stießen danach auf entsetzte Reaktionen.

In einer weiteren Geschichte ging es darum, wie die Tanten der Protagonistin verkuppelt wurden. Dabei erwiesen sich die Großeltern als sehr wählerisch bei den Heiratsbewerbern. Schmunzeln ließ einen hier die Situationskomik. Nicht minder amüsant, entdeckten die Kinder in einem anderen Kapitel zum Unmut der Erwachsenen westliche Popmusiker wie Britney Spears.

Im Ganzen vermittelte die Autorin gut nachvollziehbar, wie stark Religion in Damaskus ihren Alltag prägte. Dabei räumte sie überzeugend mit Vorurteilen auf. Wie sie im Gespräch mit Moderatorin Janna Thonius betonte, wolle sie sich als Muslimin nicht in Schubladen stecken lassen. Religion sei "etwas sehr Individuelles". Einzigartig sind auch ihre Bücher mit der märchenhaften Note und der spannenden Konfrontation verschiedener kultureller Einflüsse.

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