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Geometrie im virtuellen Klassenzimmer. FOTO: PV

Wenn der Lehrer virtuell unterrichtet

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Gießen(chh). Keine Schule auf unbestimmte Zeit. Trotzdem soll den Schülern Unterricht vermittelt werden. Viele Eltern stoßen derzeit an ihre Grenzen, wenn sie ihren Kindern bei den von den Lehrern zugeschickten Aufgaben helfen sollen. Nicht selten müssen Mama und Papa ja selbst ihre Arbeit im Homeoffice verrichten.

Die drei heimischen Firmen Wemakefuture GmbH, WeAreGroup GmbH und efec AG haben daher eine Lösung auf der Basis von Open-Source-Komponenten erarbeitet. In nur 24 Stunden hat das Team ein virtuelles Klassenzimmer ent- wickelt, in dem Lehrer und Schüler zusammenkommen können. Der Name: Whatsschool.de.

"Ich habe selber Kinder. Ich kenne also die Probleme", sagt Sven Herchenhein. Er ist so etwas wie der Pressesprecher des Joint Ventures. Vergangene Woche hätten sich die befreundeten Unternehmen daher zusammengesetzt und eine Lösung gesucht. Das sei notwendig, betont Herchenhein.

"Das Schulsystem ist nicht auf Homeschooling ausgelegt. Warum auch? In Deutschland gibt es die Präsenzpflicht." Beziehungsweise gab es. Die Corona-Pandemie hat auch in diesem Bereich die bestehende Ordnung über den Haufen geworfen. "Durch den Wegfall des Präsenzunterrichts muss schnell eine Alternative her", sagt Herchenhein. "Zumindest, wenn die Schulen nach Ostern geschlossen bleiben sollten."

Gespräche mit Schulen laufen

Whatsschool.de soll dabei helfen, Schüler und Lehrer zusammenzubringen und gleichzeitig die Eltern zu Hause zu entlasten. Das virtuelle Klassenzimmer legt besonders Wert auf die pädagogische und persönliche Unterstützung durch die Lehrer, sagt Herchenhein. Die Lehrer könnten mit den Schülern interagieren, sowohl schriftlich als auch über Kamera und Mikrofon. Online-Sprechstunden seien ebenfalls möglich, zudem könnten die Unterrichtsinhalte aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt angeschaut werden. "Im Moment ist es so, dass die Kinder nach Hause geschickt und die Eltern mit der Vermittlung des Lernstoffs mitunter überfordert sind. Dabei haben sie oft gar keine Zeit. Und wenn Mutter oder Vater in der Schule kein Latein hatten, können sie den Kindern in diesem Fach schon mal nicht helfen", sagt Herchenhein. Er betont: Präsensunterricht könne nicht eins zu eins ersetzt werden. Die neue Plattform könne aber zumindest die vordringlichsten Probleme lösen.

Whatsschool.de ist nicht die erste Lösung für virtuelle Zusammenarbeit. Laut der Entwickler bietet er aber Vorteile, die andere Systeme nicht haben. Ein Punkt sei zum Beispiel der Datenschutz. "Unsere Daten liegen nicht etwa auf irgendwelchen Clouds in den USA. Jede Schule bekommt einen eigenen Server", sagt Sebastian Heye von Wemakefuture. Zudem sei der Aufwand gering, das Angebot laufe auf dem Browser, eine Installation sei nicht notwendig. "Die anderen Angebote werden zwar vereinzelt genutzt, sie sind aber nicht speziell auf den Schulunterricht zugeschnitten. Bei Whatsschool ist das anders."

Offenbar sehen das auch die Schulen so. Laut Herchenhein kommt das virtuelle Klassenzimmer gut an. "Die ersten Gespräche laufen bereits, Zusagen gibt es aber noch nicht." Das liege vor allem daran, dass der Service für die Schulträger mit Kosten verbunden sei, die vor allem aus der Bereitstellung der Server und des Datentransports resultierten. "Wir arbeiten daran, die Lösung so kostengünstig wie möglich anbieten zu können. Es entstehen bei vielen Nutzern aber leider hohe externe Kosten", sagt Toni Barthel von WeAreGroup.

Er betont, durch das Angebot wolle niemand reich werden. Die Lösung eines Problems stehe im Vordergrund. "Wir sind drei kleine IT-Firmen aus Mittelhessen und wollen mit unserem Know-how gerne unterstützen. Am liebsten wäre uns, wenn wir das System gar nicht anbieten müssten", sagt Herchenhein. Denn das würde bedeuten, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren könnten."

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