Wenn Hunde Drogen fressen

  • schließen

Nevio ist es schon zweimal passiert: Der Deutschkurzhaar hat beim Gassigehen Marihuana-Reste gefressen und landete als Notfall in der Tierklinik. Kein Einzelfall, wie Tierarzt Hendrik Lehmann berichtet. "Wir sehen das immer wieder", sagte Lehmann, der seit vier Jahren in der Klinik für Kleintiere der Universität Gießen tätig ist.

Nevio ist es schon zweimal passiert: Der Deutschkurzhaar hat beim Gassigehen Marihuana-Reste gefressen und landete als Notfall in der Tierklinik. Kein Einzelfall, wie Tierarzt Hendrik Lehmann berichtet. "Wir sehen das immer wieder", sagte Lehmann, der seit vier Jahren in der Klinik für Kleintiere der Universität Gießen tätig ist.

Cannabis in Keksen

"Die Symptome bei Hunden sind vielseitig", erklärt der Tierarzt: Gleichgewichtsstörungen, geweitete Pupillen, Inkontinenz, Zittern und Zucken, Erbrechen. "Je nach Schweregrad der Symptome und aufgenommener Dosis" könne das auch zum Tod führen, weiß der Experte. Besonders gefährlich sei es, wenn Cannabis in Keksen oder Kuchen stecke. Denn Schokolade sei für Hunde schon alleine gefährlich und die Verbindung von Süßem und THC berge besondere Risiken. Sollte ein Hund sich auffällig verhalten, sei der schnelle Besuch bei einem Tierarzt unbedingt erforderlich. "Vergiftungsfälle kommen häufig vor", sagt Lehmann. Nicht immer handele es sich dabei um THC. Da der Nachweis nur durch ein teures toxikologisches Verfahren erfolgen könne, bliebe es jedoch oft bei einem Verdacht.

Ein wachsendes Problem sei die THC-Vergiftung bei Tieren in den USA, wo Cannabis zum Teil legalisiert ist. Auch aus der Schweiz habe man eine Zunahme festgestellt. "Aus Deutschland gibt es keine Daten zu der Häufigkeit", heißt es an der Uni Gießen.

Bei Nevio dachten die Besitzer an einen Schlaganfall. Sie brachten den Jagdhund, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, in eine Tierklinik. Bei einem Urintest wurde der THC festgestellt. Der Hund könnte auf der Straße den Rest eines Joints gefressen haben, das kommt bei Allesfressern vor.

Anders liegt der Fall übrigens bei Drogenspürhunden. Sie erschnüffeln nicht die Drogen selbst, wie Gerold Günther erklärt, der Leiter des Fachbereichs Diensthundewesen der Polizeiakademie Hessen: "Drogen sind für den Hund genauso unattraktiv wie Sprengmittel." Die Konditionierung funktioniert über das Beutefangverhalten der Tiere. Die Drogen werden dafür in einem Spielzeug verpackt. "Über das Spiel gewöhnt sich der Hund an den Geruch des Inhalts."

Im Extremfall Maulkorb

Auch wenn der Hund nicht an den Drogen selbst interessiert ist, kann es passieren, dass er versehentlich mit dem Stoff in Kontakt kommt. Deswegen habe jeder Diensthundeführer ein medizinisches Notfallset dabei, erklärt der Polizist. Damit kann der Hund sofort behandelt werden. Er erbricht den Stoff, bevor die Droge über den Magen aufgenommen werden kann.

Nevio bekam eine Infusion, mit der die Drogenrückstände ausgespült wurden. Lustig war das nicht – auch wenn ein nach dem Verzehr von Haschkeksen debil grinsender Chihuahua kürzlich zum Internetstar wurde. Lehmann rät, Hunde zu schützen, indem man ihnen "die Aufnahme von Fremdstoffen" abtrainiert, "im Extremfall" helfe das Tragen eines Maulkorbs.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare