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Noch ist wenig zu sehen. Aber gleich bringen Professor Liebermann (l.) und Herr Müller die Gurke (rechts) zum Leuchten.

Wenn die Gurke plötzlich leuchtet

  • VonChristian Schneebeck
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Gießen (csk). Wie gut, dass Gabeln eher selten unter Strom stehen. Sonst würde das Essen am Ende noch zu leuchten beginnen. Es sind unter anderem solche Erkenntnisse, die die Vortragsreihe »Physik im Blick« an der Justus-Liebig-Universität dieses Jahr für seine Zuschauer bereithält. Verantwortlich dafür zeichnen »Die Physikanten« mit einer Homeschooling-Stunde der ganz anderen Art.

Als »Professor Liebermann« und »Herr Müller« lassen es Engelbert Kobelun und Thomas Müller in ihrer am Dienstagnachmittag auf Youtube ausgestrahlten Wissenschaftsshow so richtig krachen. Und rauchen. Und stinken. Und eben auch leuchten. Man nehme eine Gurke, spanne sie zwischen zwei elektrifizierte Gabeln - fertig ist die biologisch abbaubare Partylampe!

Die Physik dahinter: Wegen ihres hohen Salz- und Wassergehaltes leitet die Gurke den Strom. Wärme lässt Salz verdampfen, bis in dem entstehenden Plasma die Natrium-Ionen gelbes Licht abstrahlen. Klingt noch relativ simpel, ist aber schon ziemlich lustig. Denn Kobelun und Müller experimentieren und erklären nicht nur. Sie machen dies und das mit allerlei Geräten quasi nebenbei, während sie eigentlich schwer damit beschäftigt sind, sich gegenseitig durch den nicht vorhandenen Kakao zu ziehen. So zückt der glatzköpfige Professor einen Kamm für das nächste Experiment und nennt ihn überraschend »meinen Freund«. Darauf Müller: »Ah, verstehe, ein sehr alter Freund.«

Mindestens zwei, drei derartige Sprüche provoziert jeder Versuch. Mal wird eine Gitarre zum »Laserbass«, dann wieder fliegt ein Schraubendreher beinahe wie von Geisterhand durch die Luft. Letzteres, sagt Professor Liebermann, sei natürlich auf den Coanda-Effekt zurückzuführen. Der Luftstrom folgt hier der gewölbten Oberfläche des Werkzeugs. Im richtigen Winkel angesetzt, pustet ein Luftstrahl den Schraubendreher so problemlos von Tisch zu Tisch. Praktischen Nutzen stiftet das Phänomen übrigens auch. Etwa beim Fliegen - wo es an Flugzeugtragflächen den Auftrieb erhöht.

Zersägter Besen

Denkbar bodenständig bleibt dagegen die Erklärung hinter einem zersägten Besen. Liebermann schneidet ihn am Schwerpunkt durch und erhält zwei verschieden lange Teile. Eingeblendete Quizfrage: Welches ist schwerer? Antwort: das kürzere, borstige. Schließlich muss es das Gleichgewicht halten - und braucht dafür jede Menge Gewicht. Man kenne das von einer Wippe, sagt Liebermann. Ein leichtes Kind sitze idealerweise weit außen, ein schwerer Erwachsener gegenüber indes deutlich mittiger, wollten beide die Balance wahren. »Kleine Schwestern sitzen oft am längeren Hebel«, folgert Müller.

Für die nötigen Knall- und Stinkeffekte sorgen zwei Wasserstoffexperimente, und den obligatorischen Rauch produziert ein »Feuertornado«. Am Boden eines drehbaren Zylinders brennt zunächst eine recht kleine Flamme. Nun dreht Müller beherzt an dem Gerät - und sofort schießt eine imposante Feuersäule in die Höhe. Ist ja klar: Aufsteigende Verbrennungsgase ziehen viel Luft von außen mit. Diese rotiert umso schneller, je näher sie der Drehachse kommt und die Strömungsgeschwindigkeit reißt alles meterweit nach oben. Einmal gestoppt, reicht deshalb ein sanfter Stoß aus dem Feuerlöscher, damit das nun wieder vergleichsweise kleine Feuer erlischt.

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