Wenn der Bürger in der "Filterblase" steckt

  • vonChristian Schneebeck
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Alle paar Wochen feiern Zahlengläubige das Hochamt der Demoskopie-Demokratie. Dann haben Meinungsforscher das Wort, Statistiken ersetzen Themen, und Diagramme zählen mehr als politische Inhalte. Man nennt das auch: die Sonntagsfrage. Wie mit den Antworten darauf umzugehen ist, war ein Schwerpunkt der Podiumsdiskussion "Fake oder Fakt?" anlässlich der kommenden Bundestagswahl, zu der Studierende des Instituts für Politikwissenschaft und das Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität am Dienstagabend in die Alte UB geladen hatten.

Alle paar Wochen feiern Zahlengläubige das Hochamt der Demoskopie-Demokratie. Dann haben Meinungsforscher das Wort, Statistiken ersetzen Themen, und Diagramme zählen mehr als politische Inhalte. Man nennt das auch: die Sonntagsfrage. Wie mit den Antworten darauf umzugehen ist, war ein Schwerpunkt der Podiumsdiskussion "Fake oder Fakt?" anlässlich der kommenden Bundestagswahl, zu der Studierende des Instituts für Politikwissenschaft und das Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität am Dienstagabend in die Alte UB geladen hatten.

Grundsätzlich dürften Umfragen nie getrennt von den Methoden betrachtet werden, mit denen sie zustande kämen, betonte die Politikwissenschaftlerin Prof. Simone Abendschön. Sei es an sich schon problematisch, von relativ wenigen Teilnehmern auf 60 Millionen Wahlberechtigte zu schließen, so werde die "systematische Verzerrung" durch Faktoren wie die telefonische Erreichbarkeit zusätzlich verstärkt. Kurzum: Wer die Sonntagsfrage stelle, erhalte als Antwort die "Wahlneigung", ein "Zwischenergebnis" – und keine Prognose für den Wahlausgang.

Indes wollte die Diskussion eigentlich ergründen, wie sich Menschen vor jeder Entscheidung über Politik und Parteien informieren können. Hier spiele die Demoskopie eine wichtige Rolle, meinte Abendschön, weil sie Stimmungen nicht nur abbilden, sondern ebenso erzeugen könne. Zwar liege darin noch keine Manipulation, wohl aber "eine gewisse Beeinflussung". Umso wichtiger sei die Interpretation der Daten, namentlich durch die Medien, die laut Abendschön Umfrageergebnisse allzu oft "zelebrieren", ohne sie kritisch zu hinterfragen.

Überhaupt, die Medien: Auch was Debatten in sozialen Netzwerken betreffe, leisteten sie nicht immer gute Arbeit, bemängelte Alexander Sander, Geschäftsführer des Vereins "Digitale Gesellschaft". Als Beispiel nannte er Artikel zu den TV-Duellen zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. Selbst manches Qualitätsmedium habe allein aus der Zahl der Tweets zu den Kandidaten eine Nachricht gemacht – frei von jeder Differenzierung nach Substanz oder Absendern.

Während Sander unreflektierten Journalismus kritisierte, bezeichnete er "Social Bots" und die sprichwörtlichen "Fake News" als "kein wahnsinnig großes Problem". Bots, also Computerprogramme, die online als reale Personen auftreten und – je nach politischer Vorliebe der Programmierer – Inhalte teilen und kommentieren, um sie künstlich aufzubauschen, seien meist leicht zu enttarnen, etwa anhand der Häufigkeit ihrer Aktivitäten. Im Erkennen ausgedachter Nachrichten würden viele Nutzer derweil immer versierter.

Ungleich problematischer werde es, wenn User in "Filterblasen" feststeckten und durch Algorithmen nur noch zu lesen bekämen, was ihrer Meinung entspreche, so Sander. Andererseits: "Früher gab es auch schon Stammtische und Leute, die ihre Informationen ausschließlich daher bezogen." Nicht zuletzt für sie wäre vielleicht der "Wahlomat" eine Alternative. Mit dem interaktiven Programm der Bundeszentrale für politische Bildung können Nutzer anhand ausgewählter Thesen prüfen, welcher Partei sie am nächsten stehen. Auf diese Weise lasse sich "spielerisch" jene politische Bildung vermitteln, die bei manchem Wähler kaum vorhanden sei, unterstrich Tanja Binder, selbst mitverantwortlich für den "Wahlomat".

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