Wenn beim Wähler keiner klingelt

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Radler und Fußgänger sehen häufiger Grün als Autofahrer. Das gilt auch im anstehenden Kommunalwahlkampf, den der Stadtverband von Bündnis 90/Die Grünen am Montagabend bei seiner Online-Mitgliederversammlung diskutiert hat. Insgesamt 50 DIN-A1-Plakate werden in Kürze ausdrücklich nicht an Einfallstraßen, sondern nur entlang beliebter Rad- und Fußgängerwege aufgehängt, beschloss die Partei.

Für ausreichend Präsenz bei Pkw-Fahrern sorgen außerdem 30 "Wesselmänner" genannte Großflächenaufsteller. In der Debatte beschäftigten sich die Teilnehmer ansonsten vor allem mit ihrer Online-Strategie.

Indes könnten gerade die Werbemittel alter Schule vor der Wahl am 14. März noch besonders wichtig werden. Denn wegen Corona lasse sich momentan überhaupt nicht einschätzen, wann man zum Beispiel in der Fußgängerzone persönlich um Stimmen werben könne, sagte Alex Wright, der auf Listenplatz zwei kandidiert. "Vielleicht ab Ende Februar" sei wieder an Haustürwahlkampf zu denken - wenn die Pandemie bis dahin entsprechend eingedämmt ist. Helfen könnte den Grünen, die nach eigenen Aussagen stärkste Kraft in Gießen werden wollen, dass sie vor allem junge Menschen als ihre Zielgruppe identifiziert haben.

So erhalten 14 000 Erst- oder Zweitwähler und 19 000 Personen zwischen 22 und 30 Jahren demnächst ein personalisiertes Anschreiben.

"Damit erreichen wir schon mal die Hälfte aller Wahlberechtigten", betonte Vorstandsmitglied Wright. Eine ähnlich breite Wirkung sollen die eigens eingerichtete Website, diverse Social-Media-Aktivitäten und etwaige Online-Veranstaltungen erzielen, wie Michael Seibert und Sophie Müller erklärten. Eine kurze Diskussion entbrannte an diesem Punkt über die Frage, ob das auf der Internetseite praktizierte Wähler-Duzen angebracht sei. Man orientierte sich damit an den Gepflogenheiten des Bundesverbands und halte das Angebot zudem "möglichst niedrigschwellig", sagte Wright. Auf ihren Flyern setzen die Grünen derweil konsequent aufs Siezen. Das dürfte auch für den möglichen Haustürwahlkampf gelten. Und falls beim Wähler aus Gründen des Infektionsschutzes diesmal keiner klingelt, existiert mit der Wahlkampfzeitung, deren Konzept Klaus-Dieter Grothe präsentierte, eine weitere traditionsreiche und risikofreie Alternative. Sie soll alle Haushalte in Stadt und Kreis erreichen. FOTO: PM

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