Das Weihnachtsbaum-Geschäft läuft schon seit Ende November gut. Thomas Schmidt freut sich über viele Stammkunden. FOTO: CG
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Das Weihnachtsbaum-Geschäft läuft schon seit Ende November gut. Thomas Schmidt freut sich über viele Stammkunden. FOTO: CG

Wenigstens der Weihnachtsbaum ist so wie immer

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Ob heute überhaupt jemand kommt? Am Tag eins des Lockdowns haben sich Thomas Schmidt und seine Kollegen auf miese Geschäfte eingestellt. Aber es läuft gar nicht schlecht. "Weihnachten ohne Baum geht nicht", sagt eine Kundin und freut sich, dass der Verkäufer ihr hilft, das sperrige Ding auf dem Dachgepäckträger zu verstauen. Jetzt erst recht, schwingt dabei mit. Und das ist auch der Eindruck, den Schmidt hat: "Die Leute haben in diesem Jahr schon recht früh gekauft, ich glaube, das hat etwas mit dem Wunsch nach Geborgenheit zu tun". Eine stattliche Nordmanntanne, da könnte der Mann recht haben, ist etwas Verlässliches in diesen Zeiten. Wenigstens die Weihnachtsbäume sollen so sein wie immer.

Der Sommerlad-Parkplatz ist leer. Das Möbelhaus ist geschlossen, der Imbiss dicht. Gegenüber bei Obi sieht es ebenso trostlos aus. Ein Wagen fährt vor, ein mittelaltes Ehepaar steigt aus und inspiziert das Angebot. Die Familie Schmidt aus Niederbiel verkauft schon seit 43 Jahren Weihnachtsbäume, verrät der Juniorchef. Er weiß das so genau, weil in seinem Geburtsjahr damit begonnen wurde. Schmidts kommen schon seit vielen Jahren nach Gießen, früher hatten sie ihren Stand vor Obi, noch früher auf der anderen Seite bei Intersport Begro. Deshalb gibt es viele treue Stammkunden. Die Weihnachtsbäume kommen aus Schonungen im Sauerland. Die meisten Kunden möchten Nordmanntannen. Die sind kräftig, schön und haltbar. "Aber sie duften nicht, im Gegensatz zu den Nobilis-Tannen", sagt Schmidt. Die Preise sind seit Jahren gleich geblieben, pro Meter kostet ein Nordmann 21 Euro. Wenn man nicht vergisst, das Wasser im Ständer nachzufüllen, halten sie lange und nadeln nicht, rät der Profi. Das ist so wie bei einem Blumenstrauß.

Schatz, wie gefällt dir der hier?, fragt die Frau und zeigt auf das Exemplar ihrer Wahl. "Schön. Ein Baum halt", lautet die Männerantwort. "Dann nehmen wir den", entscheidet die Frau. Beim Baumkauf, wissen die Experten, zeigt sich oft, wer in der Beziehung den Ton angibt, wer bestimmt und lieber bestimmen lässt. Jedenfalls sei die Kommunikation mit den Kunden immer spannend. Der Baum wird mit einem Netz versehen und aufs Auto geladen.

Die nächsten Kunden wollen einen kleinen Baum. Er soll auf dem Tisch stehen, eine kinder- und hundesichere Variante sozusagen. Sie: "Guck mal hier, der Kugelige würde passen, der ist schön gewachsen". Er: "Gut". Damit ist alles entschieden und gesagt. Weihnachten kann kommen.

(cg)

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