Weniger Bewegung und weniger Vorsorge

Gießen (pm). »Gefahr erkannt, Gefahr gebannt« - lautet ein Spruch, der treffend beschreibt, dass Risikobewusstsein oft die Voraussetzung für vernünftiges Handeln ist. Das trifft auch auf das lebenswichtige Organ Leber zu: Nur wer die Risiken für seine Lebergesundheit kennt, kann diese vermeiden - oder, falls die Leber bereits erkrankt ist, behandeln lassen.

Anlässlich des 22. Deutschen Lebertages am heutigen Samstag, 20. November, der das Motto »Deine Leber. Dein Leben« trägt, weist Prof. Dr. Elke Roeb aus der Gastroenterologie am Universitätsklinikum auf negative Entwicklungen hin, die auch ein Risiko für die Lebergesundheit darstellen können.

Da auch Information und Beratung helfen, eine Gefahr für die Gesundheit zu bannen, bietet die Gastroenterologie am UKGM eine Telefonsprechstunde speziell zur Hepatitis B, einer viral bedingten Leberentzündung, die unbehandelt zu Leberzirrhose und zu Leberzellkrebs führen kann, an.

Eigentlich hat das lebenswichtige Organ Leber die besten Voraussetzungen für große Aufmerksamkeit: In jeder Minute werden 1,5 Liter Blut durch die Leber gepumpt, das ergibt fast 2000 Liter an einem Tag. Mit einem Gewicht von etwa 1,5 kg ist die Leber das schwerste und größte innere Organ - schwerer als Lunge, Gehirn oder Herz. Und sie erfüllt lebenswichtige Aufgaben. Auch wenn die Leber fast Fußballgröße hat und großartige Leistungen vollbringt, ist sie jedoch, was die Aufmerksamkeit betrifft, weit entfernt vom »echten« Fußball. Dabei ist bei Erwachsenen und auch bei Kindern beispielsweise die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL) ein stetig steigendes Gesundheitsproblem - obwohl die Risikofaktoren vermeidbar sind: »Ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel sind häufige Ursachen für die nicht-alkoholische Fettleber, die sich entzünden kann, sodass eine nicht-alkoholische Fettleberhepatitis entsteht. Aus der Fettleberhepatitis kann sich eine Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) und im weiteren Verlauf eine Leberzirrhose (Vernarbung) entwickeln. Auch Leberzellkrebs zählt zu Folgeerkrankungen einer entzündeten Leber«, erklärt Roeb, Leiterin der Gastroenterologie am UKGM und Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Leberstiftung.

Ginge es nach dem Motto »Gefahr erkannt, Gefahr gebannt«, wäre es einfach, die Leber mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung gesund zu halten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Daten aus einem aktuellen Report der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und der Sporthochschule Köln zeigen, dass ein problematischer Langzeittrend immer weiter zunimmt: Deutsche werden von Jahr zu Jahr bewegungsfauler. Das Sitzen hat in Deutschland mit durchschnittlich 8,5 Stunden pro Tag einen neuen Rekord erreicht. Die jungen Erwachsenen bilden mit 10,5 Stunden pro Werktag, zumeist während der Arbeit oder am Computer, den Spitzenwert der Trägheit. Die Menschen halten sich zwar für gesund und fit, doch sie sind so bewegungsfaul wie nie seit der ersten Datenerhebung im Jahr 2010.

Zwar kann die Entwicklung der letzten eineinhalb Jahre teilweise durch die pandemiebedingte Situation erklärt werden, doch die Tendenz zu einem ungesunden Lebensstil mit wenig Bewegung und ungesunder Ernährung war bereits vor der Corona-Pandemie bei Erwachsenen und Kindern erkennbar.

Auch ein weiterer Trend kann zum Risiko für die Lebergesundheit werden. Seit Jahren nehmen immer weniger Menschen die »Gesundheitsuntersuchung« für gesetzlich Versicherte, vormals als »Check-up 35« bezeichnet, in Anspruch.

Die Telefonsprechstunde zu Hepatitis B findet am Dienstag, 23. November, von 17 bis 19 Uhr unter 0641/985-42337 statt.

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