Wenig überrascht von Mehrkosten

  • Kays Al-Khanak
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Gießen(khn). Dass der Umbau der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) weit teurer wird, als zunächst angenommen, hat im Schulausschuss zu keiner allzu kontroversen Debatte geführt. Nur Heiner Geißler von den Freien Wählern haute am Donnerstagabend in der Aula der GGO zwischenzeitlich auf den Putz. Der Tenor des Gremiums aber war unisono: Zufrieden mit einer solch weit auseinanderliegenden Kostenschätzungen kann niemand sein. Aber die Sanierung der GGO ist ein Jahrzehntprojekt und wird sie zu einer Schule der Zukunft machen.

Seit dem Beschluss des Stadtparlaments vom Februar 2019 sind die Kosten von den damals bewilligten 7,2 Millionen Euro auf 13,5 Millionen Euro gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von knapp 90 Prozent. Grund sind weitere Kosten für die zuvor nicht bedachte Sanierung der Tiefgarage, Arbeiten im Zuge der Statik sowie des Brandschutzes und der Außenanlagen.

An der GGO sollen alte Strukturen in den Gebäuden und Köpfen aufgebrochen werden: Die meisten Türen werden Vergangenheit, Klassenräume dank großer Scheiben einsehbar sein. Gelernt wird nicht nur in Klassenzimmern, sondern in Lernlandschaften. Auf einer Etage ist jeweils Platz für einen Jahrgang. Schulleiter Dr. Frank Reuber zeigte den Mitgliedern des Schulausschusses zu Beginn der Sitzung einen Muster-Klassenraum. Dort sollen Lehrer keine bloßen Wissensvermittler sein und Schüler selbstorganisiert und in Teams arbeiten können. Dass dieses Lernprinzip Zukunft hat, zeige sich in der Corona-Pandemie, sagte der Schulleiter der GGO.

Räume zum Leben

Hinzukommt: Die Kinder und Jugendlichen werden viel Zeit in der Schule verbringen. Deshalb wird Reuber nicht müde zu betonen, dass die Einrichtungen zu "Lebensräumen" werden müssen, in denen sich die Schüler wohlfühlen. Ein kleines Beispiel von vielen: Im Ankunftsbereich jeder Etage werden alle ihre Straßen- gegen Hausschuhe tauschen. Und im Klassenraum auf dem Boden liegend zu lernen, hat keine Rüge zur Folge. Im Gegenteil: "Bei dem Gedanken geht mir das Herz auf", sagte Reuber.

Dass die GGO nach dem Umbau eine Vorzeigeschule für Gießen wird, bezweifelte auch Geißler nicht. Im Gegenteil: "Das ist eine ordentliche Sache, das wird eine Schule der Zukunft", sagte er. Probleme habe er aber damit, dass die Kostenexplosion in der Vorlage des Magistrats als "unvorhersehbar" dargestellt werde. Wer immer die Einschätzung gemacht habe, habe seine Arbeit nicht gut gemacht.

Jörn Horn vom städtischen Hochbauamt bekräftigte, dass zu Beginn der Planungen einige zusätzlichen Punkte in der Tat nicht vorhersehbar gewesen wären. "Das ist auch für uns unbefriedigend", betonte er. Verlässlichere Zahlen könnten bei einem Neubau genannt werden. Doch auch dort gebe es eine Spanne, in der sich die Kosten bewegen könnten. Bei einer Sanierung müssten "Dinge bewertet und quantifiziert werden, von denen wir keine Kenntnis haben".

Überrascht von den Mehrkosten zeigte sich SPD-Politiker Gerhard Merz nicht. Als ehemaliger Schuldezernent und langjähriger Politiker erlebe er das seit 20 Jahren: "Manches stellt sich erst beim Fortschreiten des Planungs- und Bauprozesses heraus."

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