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Wem hörst du gerne zu?

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Sie sind zum Greifen nah und mancher zählt sehnsüchtig die Tage bis zum Beginn: Ferien! Alles hinter sich lassen: Corona-Zeiten, schlimme Nachrichten, Abschlussfeiern, Stress. Dafür Neues sehen und entdecken, Zeit für die Kinder, den Partner, sich selbst. Und wenn dann jemand unangemeldet bei mir vorbeikommt und mir etwas erzählen möchte, habe ich da Zeit für ihn?

Oder bin ich »verplant«, freizeitmäßig? Schwimmen, Surfen, Ausflug buchen, Wandern, Besichtigung.

Was ist, wenn mein Kind beim Angeln ein ernstes Gespräch anfängt, über etwas, was es schon lange vor sich herschiebt. Merke ich das und bin »ganz Ohr«?

Vom Zuhören und sich Zeit nehmen erzählt Jesus in der bekannten Geschichte von Maria und Marta. Zwei Schwestern, die Jesus zu sich nach Hause einladen. Marta bewirtet Jesus und seine Jünger in ihrem Haus, Maria aber setzt sich Jesus zu Füßen und hört ihm zu. Sie hilft ihrer Schwester nicht bei der Bewirtung, die sich deshalb beschwert.

Mich macht das sehr nachdenklich. Ich kenne das auch, wenn Gäste da sind, soll alles ansprechend sein, da ist jede Menge zu tun. Muss das eigentlich sein, frage ich mich, wenn ich dieses Evangelium höre. Weniger ist manchmal mehr… ist es das, was wirklich wichtig ist? Jesus sagt aber: Maria hat den guten Teil gewählt. Ihm kommt es hier auf das sich Öffnen an, auf das Zuhören ganz und gar. Das ist Gastfreundschaft, den anderen wahrnehmen als Mensch mit seiner Botschaft, ganz und gar. Nicht abgelenkt sein mit anderen, eigentlich nur äußeren Dingen. Vielleicht ist es das, was ich in den Ferien üben kann. Andere Menschen wahrnehmen, in ihrem, mir fremden Heimatland, sehen wie sie leben, was sie bewegt, was sie erzählen. Menschen zuhören; Fremden und mir Nahestehenden. Das geht, wenn ich mich ganz auf etwas einlasse, so wie Maria. Schöne und erholsame Ferien!

Andrea Schwade

Gemeindereferentin in St. Paulus und St. Andreas in Lich

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