Dirigent Michael Reif freut sich über die Gelegenheit zum ersten Chorauftritt nach halbjähriger Pause. FOTO: JOU
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Dirigent Michael Reif freut sich über die Gelegenheit zum ersten Chorauftritt nach halbjähriger Pause. FOTO: JOU

Welturaufführung zum Feiertag

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Gleich zwei Konzerte bot der Europäische Kammerchor Köln, den Vorabendgottesdienst umrahmend, zum Tag der Deutschen Einheit in der Bonifatiuskirche. In beiden Konzerten war die Sitzplatzkapazität ausgeschöpft. Der Pandemie geschuldet war auch die auf 18 Sänger reduzierte Besetzung des normalerweise gut doppelt so großen Ensembles.

Unter dem Motto "Ich hebe meine Augen auf - Wege zu Gott" gliederte sich das Programm in drei Teile. Den ersten Teil, "Zwischen Tag und Traum", eröffnete Eric Whitacres ruhiges Abendlied "Sleep". Der Chor interpretierte dieses nuanciert und verlieh ihm mit sanftem melodischem Fluss eine bezaubernde Atmosphäre. Ganz allmählich erlosch der Gesang, bis andächtige Stille herrschte.

Die beschauliche Stimmung spannte Kantor Michael Gilles an der Eule-Orgel bei Arvo Pärts Komposition "Trivium" fort. Über einem Orgelpunkt entfaltete sich darin schlichte, dabei geheimnisvoll anmutende Motivik. Die Musik verströmte meditativen Charakter und erfuhr intensive Steigerungen, um dann wieder zur anfänglichen Ruhe zurückzukehren.

Zur geistigen Einkehr animierte auch das "Kyrie eleison" aus Ralph Vaughan Williams "Messe in G". Der Chor bot die ehrfürchtige Anrufung mit innigster Empfindung.

Den zweiten Programmteil bildeten drei für die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern bestimmte Motetten op. 42 von Franz Wüllner (1832-1902). Der Chor bemüht sich, wie Dirigent Michael Reif anmerkte, um Komponisten seiner Heimatstadt. Wüllner wirkte jahrzehntelang in Köln, unter anderem als Konservatoriumsleiter. Dank feinfühliger Gestaltung gerieten die Motetten zum spirituellen Erlebnis. Da sang ein Chor mit harmonischer Klangverschmelzung und Sinn für lebhaften Ausdruck. Insgesamt fiel die natürliche, in sich runde Gestik des Dirigenten ins Auge, so auch bei Johann Kuhnaus Motette "Tristis est anima mea", die den letzten Teil "Zwischen Gott und mir" einleitete.

Als Welturaufführung zu erleben war die Fassung für Chor und Orgel von Emil Rabergs Komposition "Dubito" (2010). Das Werk faszinierte durch raumfüllende Dynamik sowie eine effektvoll-schnelle syllabische Struktur. Vom Bewegungscharakter knüpfte Philip Glass’ Minimal Music "Satyagraha" für Orgel daran an. Nahtlos fügte sich das "Magnificat" des lettischen Komponisten Eriks Esenvalds in den besinnlichen Rahmen.

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