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Der Weltenerschaffer

  • vonLena Karber
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Jonas Zimmermann baut gerne Welten. Diese sind winzig klein, aber detailliert und fantasievoll. Tabletop nennt sich sein Hobby. Es ist eines von vielen Spielsystemen, die bei der Weltenwerker- Konvention an diesem Wochenende in Gießen im Fokus stehen werden.

Jonas Zimmermann steht in seinem Wohnzimmer und zeigt auf die Spielfiguren-Sammlung. Die hat er gemeinsam mit seiner Frau aufgebaut. In Vitrinen stehen kleine Soldaten, Drachen und Fabelwesen, von denen viele rattenähnlich aussehen. "Meine Frau hat ein Faible für Ratten", sagt der 31-Jährige und lacht.

Das Hobby, von dem Zimmermann spricht, nennt sich Tabletop. "In Preußen hat man im 19. Jahrhundert bei der strategischen Ausbildung von Offizieren darauf zurückgegriffen", sagt Zimmermann, der an diesem Wochenende beim ersten Weltenwerker Konvent in Gießen mitmacht. Dabei handelt es sich um eine Messe, die sich an "Weltenerschaffer" wendet. Zimmermann ist dort mit einem Magazine für Tabletop vertreten.

Gegründet wurde "Magabotato" im Jahr 2010 als Videoformat, 2014 erfolgte ein struktureller und personeller Umbruch und 2016 stieß Zimmermann dazu. Damals hatte der Landschaftsökologe nach seinem Umzug nach Gießen wenig Zeit, sich neue Mitspieler zu suchen, wollte sein Hobby aber nicht aufgeben. Als er hörte, dass dort Mitarbeiter gesucht werden, zögerte er nicht. Seitdem berichtet er mit seinen acht festen Mitstreitern über aktuelle Trends, Neuerscheinungen oder Crowdfunding-Projekte aus der Szene.

Im Hobbyzimmer zieht Zimmermann Kisten aus dem Regal. Eine ist bis oben hin mit kleinen Häuschen gefüllt, eine andere mit Bäumen. Es gibt künstliche Hügel und Ruinen. Damit lassen sich auf dem gut zwei Meter langen Spieltisch Kulissen aufbauen für historische oder fantastische Szenarien. Neben den Spielregeln braucht es ein Maßband und Würfel. Die Würfel sorgen für das zufällige Element im Spielverlauf, mit dem Maßband wird ermittelt, wie sich die Figuren auf dem Feld bewegen. "Es geht um Konflikte. Man spielt gegeneinander, nicht miteinander", sagt Zimmermann. "Spielen ist ein Teil des Hobbys, aber auch das Basteln, Bemalen und das Sammeln ist für viele Leute ein wichtiger Aspekt." Zimmermann macht das seit zehn Jahren: zuerst Fantasy- und Science-Fiction-Tabletop, mittlerweile mit historischen Spielen. Dabei recherchiert er, wie breit französische Feldwege in der Zeit des Ersten Weltkrieges gewesen seien. "Früher habe ich gesagt, wenn man historisch spielt, wird man alt", erzählt er. "Jetzt weiß ich, dass es interessant ist, sich historischen Fragen aus dieser Perspektive zu nähern."

In der thematischen Vielfalt der Spiele sieht er auch einen Grund dafür, dass Tabletop ganz verschiedene Altersklassen anspricht. "Während der Junge auf der Messe nach Helden schaut, interessiert sich der Vater vielleicht für die Befreiung der Bäcker aus Win- decken", sagt er. Zwar steht bei Tabletop-Spielen über die Schlacht von Waterloo oder Verdun oft die Rekonstruktion im Vordergrund. "Aber innerhalb der Regeln gibt es einen Gestaltungsspielraum", sagt Zimmermann. Insofern gehe es letztlich um das Schaffen und Gestalten von Welten.

Die Übergänge zu klassischen Rollenspielen wie "Pen&Paper" sind fließend. Dieses Genre spielt auf dem Weltenwerker Konvent ebenfalls eine große Rolle. Dort übernehmen die Mitspieler fiktive Rollen, während ein Erzähler sie durch eine abenteuerliche Geschichte führt. Benötigt werden Stift und Papier - um sich Notizen zu den Charakteren und dem Spielverlauf zu machen. Dabei treffen die Spieler im Sinne ihrer fiktiven Figur und im Rahmen des Regelwerks Entscheidungen. Durch Würfel wird das Zufallselement eingebracht. Grundlegend ist, dass die Spieler die Rollen nicht physisch übernehmen, sondern beim Spielen in der Regel an einem Tisch sitzen. Im Gegensatz dazu steht das "Live Action Role Play". Dabei verkleiden sich die Teilnehmer und spielen die Rolle in einem entsprechenden Umfeld - ähnlich wie Schauspieler - selbst. FOTOS: LKL

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