Wort zum Sonntag

Die Welt nach dieser Zeit

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Ich vermisse Sie. Ich wäre lieber persönlich bei Ihnen. Doch ich halte mich dran: "Abstand ist unsere Fürsorge!" und höre nun die Menschen, denen ich nur noch per Telefon oder Sprachnachricht im Internet begegne. Corona. Das Virus hat unseren Alltag fest im Griff. Kontaktverbot, Homeoffice, Kurzarbeit, Hamsterkäufe.

Doch ich nehme auch sehr viel bedachte Gesten wahr. Ein kurzer Gruß, ein Lächeln wird über den Balkon herübergeschickt. Menschen die zugewandt sind und durch die sozialen Medien und den Telefonhörer warme und einfühlsame Worte sprechen.

Tolle Gespräche, die sich über die neu entdeckte Ruhe und das Verschwimmen von Zeiten bis hin zu Fragen des Glaubens drehen. Stimmen, die sagen, dass sie das alles noch gar nicht richtig begreifen können. Mir geht das auch so. Diese Zeit verlangt viel ab, von uns als Einzelnem und uns als Gemeinschaft.

Zwei Wochen, des kontrollierten, allmählich heruntergefahrenen Alltages haben wir nun schon hinter uns. Wissen aber, dass wir noch einen längeren Weg vor uns haben. Ein Weg, auf dem uns Sorgen um die eigene Existenz und um unsere Gesundheit umtreiben.

Sicherlich wird unsere Welt eine andere sein. Aber wir können den hoffnungsvollen Blick nach vorn wagen. Nach vorn mit der vielen positiven Energie, die die Menschen gerade freisetzen. Vielerorts werden die Glocken aus Solidarität im Miteinander geläutet, Kerzen entzündet, miteinander gebetet, oder Initiativen für Einkaufshilfen gestartet. So ein starker Zusammenhalt in dieser besonderen Situation, lässt dem Wort "Nächstenliebe" noch mal eine ganz besondere Bedeutung zukommen. Die Nächstenliebe, die Jesus von Nazareth gepredigt und bis ins Äußerste hin, gelebt hat.

Doch bevor Jesus nach seinen eigenen Worten handelte, verbrachte er 40 Tage der Abgeschiedenheit, mit innerlicher Auseinandersetzung, um dann die neue Welt, die uns Gott verheißen hat, in Wort und Tat zeigen zu können.

Das lässt mich durchhalten, denn er durchlebte wie wir die Einsamkeit, die Ängste, aber auch die Hoffnungen und Träume. So schaue ich mit Zuversicht in die kommenden Wochen und auch auf die Welt nach dieser Zeit! Ich hoffe, dass dieser Gemeinschaftsgeist weiter anhält, dass wir uns weiterhin mit Respekt und Zugewandtheit begegnen. Dass wir bestimmte Berufsgruppen auch weiterhin wertschätzen und nicht nur dann, wenn wir sie brauchen. Dass wir uns und unsere Welt nicht als selbstverständlich hinnehmen.

Dann wird Gott auch genauso an unserer Seite sein, wie er seinen Jüngern zugesagt hat, "denn siehe ich bin bei Euch alle Tage (…)!"

Pfarrerin Marisa Mann

Ev. Kirchengemeinde Watzenborn-Steinberg

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