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Es gibt zwar keine lange Schlange mehr, aber das Corona-Testzentrum des DRK bei Sommerlad wird weiterhin stark frequentiert.

Corona-Pandemie

Dank 3G und 2G: Immer noch tausende Corona-Schnelltests pro Woche in Gießen

  • VonSebastian Schmidt
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Die Politik diskutiert über das Ende der kostenlosen Corona-Tests, während die Testzentren in Gießen bisweilen leer aussehen, doch der Schein trügt.

Gießen – Wer unter der Woche den Seltersweg heruntergeht, kann den Eindruck bekommen, dass das Corona-Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf Höhe des Karstadts den Betrieb eingestellt hat. Denn es gibt Zeiten am Vormittag und am Nachmittag, da stehen keine Menschen vor der Tür und auch drinnen sehen die Räume leer aus. Die Gitter, mit denen die Warteschlange zum Eingang geleitet wurde, sind verschwunden. Und in der Tat: Die Hochphase, zu der alleine das DRK 20 000 Schnelltests pro Woche in Gießen durchgeführt hat, ist vorbei. In den Testzentren werden aber weiterhin noch Tausende Abstriche pro Woche genommen.

Corona-Schnelltests in Gießen: Nachfrage steigt und fällt

»Die Nachfrage an Testungen steigt und sinkt immer mit den aktuellen Allgemeinverfügungen«, erklärt DRK-Sprecher Heiko Krause. Im Moment gilt in Gießen in vielen Bereichen die 3G-Regel: Zutritt gibt es nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Und weil im Landkreis Gießen der Inzidenzwert über 50 liegt, greift das hessische Eskalationskonzept. Dadurch braucht man in der Stadt den 3G-Nachweis nicht nur für das Kino, sondern auch für die Innengastronomie oder das Fitnessstudio.

Und da die Impfquote in Hessen bei den Zweitimpfungen laut Robert-Koch-Institut bei 60 Prozent liegt, verwundert es nicht, dass es weiterhin einen Bedarf an Corona-Schnelltests gibt. Das bestätigt auch Thorsten Junk, der Inhaber der Lahn-Apotheke im Martinshof in der Liebigstraße: »Solange es 3G gibt, wird es auch weiterhin Tests geben.« Und diese Tests werden auch weiterhin in den Testzentren gemacht werden, denn selbst durchgeführte Schnelltests werden von der Corona-Verordnung nicht akzeptiert.

DRK macht 10 000 Corona-Schnelltests in Gießen

Für das DRK bedeutet das laut Krause konkret, dass zurzeit zwischen 8000 und 10 000 Tests pro Woche in Gießen durchgeführt werden. Vor allem Freitagabend sieht man Menschen vor dem Testzentrum im Seltersweg warten, und diesen Eindruck bestätigt auch der DRK-Sprecher: »Grundsätzlich werden am Wochenende im Schnitt die meisten Tests durchgeführt.« Und auch in der Apotheke im Martinshof ist dann am meisten los. Junk sagt: »Wenn am Wochenende Veranstaltungen wie zum Beispiel Hochzeiten anstehen, haben wir hier auf einen Schlag viele Menschen.«

Was Junk aber auch sagt: Seine Apotheke habe bereits auf die sinkende Nachfrage reagiert und die Öffnungszeiten verringert. Das DRK hingegen habe sich noch nicht eingeschränkt, aber beobachte die Lage und spreche sich »engmaschig« mit dem Landkreis Gießen ab. Krause sagt: »Derzeit ist - in Anbetracht der Inzidenz - vorerst keine größere Veränderung geplant.« Was aber klar ist: Manche Teststellen des DRK werden stark frequentiert, andere eher weniger. Die beiden Corona-Testzentren mit dem größten Kundenaufkommen seien am Seltersweg und bei Sommerlad. »Zwischen 2500 und 4000 Tests werden dort jeweils pro Woche durchgeführt.«

Gießen: Corona-Tests zumindest für bestimmte Gruppen weiter kostenlos

Die Diskussion um das Ende der kostenlosen Schnelltests kann Apothekeninhaber Junk indes nachvollziehen. »Wir können nicht kontinuierlich weiterhin jedem die Schnelltests zahlen, wenn sich jeder auch einfach impfen lassen kann.« Und wenn sich jemand nicht impfen lassen möchte, sei das seine eigene Entscheidung. Junk macht aber auf eine Gruppe aufmerksam, die in der Diskussion oft zu kurz kommt: Das sind die Menschen, die sich nicht impfen lassen können. »Dazu gehören im Moment zum Beispiel Schwangere oder immungeschwächte Patienten.« Für die sollten laut Junk weiter die Abstriche bezahlt werden.

Die Schnelltests werden die Menschen in Gießen noch eine Weile begleiten. Manche Städte wie Hamburg versuchen sich derweil aber an 2G, also Eintritt nur noch für Geimpfte und Genesene. Das scheint hierzulande jedoch nicht beliebt zu sein. Laut der Hessenschau, die sich auf Zahlen des Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes Hessen stützt, sollen 76 Prozent der Gastronomen in Hessen 2G nicht einführen wollen.

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