Das Fest der Liebe ist vorbei, doch bis Montag kann man an Buden in der Innenstadt noch weihnachtliches Kunsthandwerk kaufen. FOTO: SCHEPP
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Das Fest der Liebe ist vorbei, doch bis Montag kann man an Buden in der Innenstadt noch weihnachtliches Kunsthandwerk kaufen. FOTO: SCHEPP

Kunsthandwerk

Am Gießener Weihnachtsmarkt klaffen kaum Lücken - viele Buden noch geöffnet

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Erneut dauert der Weihnachtsmarkt in der Gießener Innenstadt bis kurz vor Silvester. Anders als bei der Premiere halten diesmal fast alle Anbieter durch.

Entspannt an geschmückten Holzständen entlangbummeln, originellen Schmuck und Keramikhäuschen bewundern, aber erst am Ende das Portemonnaie zücken für Glühwein und Kartoffelpuffer. So sieht für viele der typische Weihnachtsmarktbesuch aus. Ist Kunsthandwerk nur noch Dekoration am Rande? Die Anbieter in der Gießener Innenstadt beantworten diese Frage im GAZ-Gespräch unterschiedlich. Etwa die Hälfte jedenfalls beteiligt sich in diesem Jahr über die gesamten viereinhalb Wochen, also bis zum 30. Dezember.

Viele Jahre endete der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt ein bis zwei Tage vor Heiligabend. Im vergangenen Jahr entschied sich die Gießen Marketing GmbH nach dem Vorbild anderer Städte recht kurzfristig für eine Verlängerung bis in die einkaufsstarke Zeit "zwischen den Jahren". Das freute etliche Fußgängerzonen-Besucher und offenbar auch Anbieter. Ergebnis: Bei der zweiten Auflage klaffen nur wenige Lücken. Sechs der rund 15 Kunsthandwerkstände bleiben bis Montag vor Ort, erläutert die städtische Gesellschaft auf Anfrage. Vor einem Jahr nahmen 50 von 70 Budenbetreibern das Angebot zur Verlängerung wahr. Damals entrichteten sie eine Extragebühr. Dieses Jahr mussten alle für den gesamten Zeitraum bezahlen. Sie konnten aber bereits am 23. Dezember abbauen. Genutzt haben diese Option vor allem die, deren Ware vornehmlich für die Feiertage gedacht ist, etwa die Weihnachtsbaumverkäuferin am Kirchenplatz.

Zwischen 24. und 26. Dezember allerdings blieben die Stände auch dieses Jahr geschlossen. "Das war nötig. Wir haben alle Familie", erklärt Ursula Kalbfleisch-Winter, Betreiberin eines Glühweinstands. "Eigentlich sollte ein Weihnachtsmarkt Weihnachten zu Ende sein, das ist meine persönliche Meinung", sagt die Gießenerin. Sie würde einen früheren Beginn gleich nach Totensonntag vorziehen. Ihre Bilanz diesmal fällt verhalten aus. "Die Wochenenden waren oft verregnet."

"Es ist leider so: Man möchte eine gewisse Gemütlichkeit, aber man kauft nur selten etwas Handwerkliches", bekennt Manuela Müller. "Mir tut das immer Leid" - aber sie brauche nun einmal keine Tontassen oder Kerzenhalter. Auf dem Gießener Weihnachtsmarkt fehlt ihr in diesem Jahr die Musik. "Und ein Meter Neuschnee", lacht ihr Mann Jörg Müller.

Zwei junge Mütter aus der Hungener Region finden dagegen durchaus auch Geschenke in den Holzbuden. Für gut gemachte Handarbeiten, etwa selbstgestrickte Strümpfe, "zahlt man gern auch zwei, drei Euro mehr".

"Ich bin überrascht. Mehr Leute, als ich dachte, kaufen auf dem Weihnachtsmarkt Geschenke", sagt eine Studentin, die das erste Mal als Verkäuferin jobbt. "Viele kommen gezielt her." "Ich bin zufrieden", bestätigt Axel Lührmann, "aber das liegt auch daran, dass ich ein Nischenprodukt anbiete." Der Staufenberger versieht Frühstücksbrettchen, Stempel oder farbenfrohe Türschilder mit Namen. Die Preise dafür muss er gelegentlich erklären. "Die Leute können nicht mehr einschätzen, was etwas wert ist, weil sie nichts mehr mit den Händen herstellen. Sie machen sich keine Gedanken darum, dass wir 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen und uns selbst versichern müssen."

Ganz pragmatisch begründet Helma Pfeiffer aus Wettenberg, warum sie auch "zwischen den Jahren" noch Töpferware aus Lauterbach feilbietet: "Zu viele Lücken würden nicht gut aussehen." Hugo Sosa-Salas bleibt ebenfalls bis zum Schluss. "Die Leute sind freundlich", sagt der Biebertaler und seufzt: "Aber die Geschäfte machen Amazon und Co."

Wie die Stadt für Vielfalt sorgt

Die Gießen Marketing GmbH betrachte Kunsthandwerkstände als Bereicherung für jeden Markt, erklärt Geschäftsführer Tilman Bucher. Die Gesellschaft achte seit jeher bei der Standplatzvergabe auf Vielfalt und verlange geringere Standgebühren als beispielsweise von Getränkeanbietern. In diesem Jahr habe man Buden mit Geschenkartikeln in "Spots" konzentriert. In den kommenden Jahren solle es zudem Bereiche geben, in denen Kunsthandwerker nur für kurze Zeit - etwa ein Wochenende lang - am Weihnachtsmarkt teilnehmen können. Über vier Wochen einen Stand zu besetzen, bedeute für Händler, dass sie auf kleine Veranstaltungen mit wechselndem Publikum verzichten müssen.

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