Therapiehund für Carla in Gießen
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Jana Berger freut sich: Dank der großen Hilfsbereitschaft wird es bald einen Assistenzhund für ihre Tocher Carla geben.

Hilfsbereitschaft überwältigend

Weihnachtsgeschenk für Carla in Gießen: „Weiß gar nicht, wie viele Freudentränen ich schon vergossen habe“

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Ein schöneres Weihnachtsgeschenk ist für Jana Berger nicht vorstellbar: Die Finanzierung des Therapiehundes für ihre Tochter Carla steht. Nach der Veröffentlichung ihrer Geschichte in dieser Zeitung war die Hilfsbereitschaft überwältigend. Sie sagt: »Ich weiß gar nicht, wie viele Freudentränen ich schon vergossen habe«.

Noch lebt sie rund 600 Kilometer von Gießen entfernt. Doch Nela ist bereits in der »Grundausbildung«. Im März wird die Labradorhündin mit ihrer Trainerin das erste Mal nach Gießen reisen. »Das wird das erste Kennenlernen sein«, sagt Thomas Groß, der Geschäftsführer von Patronus-Assistenzhunde in Rostock. Sein Verein bildet seit 13 Jahren Therapiehunde für Kinder mit einer Autismusstörung aus. Mit großem Erfolg, mittlerweile gibt es eine lange Warteliste. Doch während Therapiehunde für erblindete oder querschnittsgelähmte Menschen von den Krankenkassen finanziert werden, ist das bei Autismus-Assistenzhunden nicht der Fall. Bislang gibt es keine Studien, die den Nutzen untermauern. Ärzte und Therapeuten bedauern das. Auch Mechthild von Niebelschütz, die Leiterin des Montessori-Kinderhauses, das Carla besucht, ist überzeugt davon, dass ein Assistenzhund eine große Hilfe für die Familien sein kann. »Er ist Wächter, Botschafter und Freund«, sagt sie.

Autismushunde haben in der Reihe der Assistenzhunde eine Sonderstellung. Während ein Kind im Rollstuhl die Hauptbezugsperson für seinen Hund ist und Kommandos gibt wie »Bring Stift« oder »Licht«, arbeitet der Autismushund im Dreierteam. Er achtet auf die Signale des Kindes und folgt den Kommandos der Eltern. Zudem wird er anzeigen, wenn das Kind nachts aufsteht, und er kann mittels einer speziellen Leine, mit der Hund und Kind verbunden sind, die Weglauftendenzen verhindern.

»Er wird ein Familienmitglied, das ist auch eine große Verantwortung«, sagt Jana Berger. Auch Carlas große Schwester Darina (10), die im Alltag oft zu kurz kommt, wird von dem Vierbeiner profitieren. Seit die gute Nachricht kam, dass Nela im kommenden Jahr bei Bergers einziehen darf, freut sie sich unglaublich auf den Hund. »Wir planen schon, was wir alles brauchen werden, damit Nela es schön hat«, sagt Jana Berger und lacht.

Die 34-Jährige hätte die Resonanz auf den Zeitungsartikel in dieser Zeitung nie für möglich gehalten. Seit dem Tag des Erscheinens im November hat sich ihre Geschichte auch über die sozialen Medien wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß. Der Förderverein des Montessori-Kinderhauses hat ein Spendenkonto eingerichtet, auf das viele großzügige Spender eine Summe überwiesen haben. Der Lions-Club verkaufte Plätzchen und stockte den Erlös auf 4000 Euro auf, der Verein »Wir von hier« meldete sich, die Otto-Stiftung aus Bad Nauheim wird 3000 Euro geben. Dass die erforderliche Summe von 28000 Euro nun so schnell erreicht wurde, ist der Leberecht-Stiftung aus Frankfurt zu verdanken, die sich mit 10 000 Euro beteiligt. »Wir sind unendlich dankbar«, sagt Jana Berger. Sie freue sich über jeden Euro - und auch über den Zuspruch, den sie erfahren habe. In diesen dunklen Zeiten, in denen jeder Sorgen um sich und seine Familie habe, sei dies besonders berührend.

Die Grafikdesignerin hat viel durchlitten in den vergangenen Jahren. Carla war in den ersten zehn Monaten ihres Lebens ein fröhliches, gesundes Mädchen. »Ein Traumbaby«, erinnert sich die Mutter. Die Veränderungen stellten sich mit etwa einem Jahr ein, die Diagnose schließlich niederschmetternd: Carla hat eine frühkindliche Autismus-Spektrum-Störung. Das ist eine schwere Behinderung, Carla spricht nicht, sie spielt nicht mit anderen Kindern, sie interagiert nicht mit der Umwelt. Eine Heilung gibt es nicht, aber man kann den Verlauf durch Therapien beeinflussen.

Auf Hunde hat Carla in der Vergangenheit positiv reagiert, ein Assistenzhund könnte für sie ein Zugang zu dieser Welt sein. Auf jeden Fall wird Nela ihren Job ernst nehmen und auf ihren Schützling aufpassen. Doch bis es soweit ist, muss die Hündin im hohen Norden noch viel lernen - und Familie Berger kann sich in Ruhe auf ein Leben mit einem Vierbeiner vorbereiten.

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