Wort zum Sonntag

Ein Wechsel der Perspektiven

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Auch wenn heute der erste Ferientag ist: In diesem Sommer werden viele nicht verreisen. Corona hat manchem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es fehlt das Geld oder die Lust, die Verunsicherung kommt dazu. Will ich unter diesen Umständen die vertraute Umgebung verlassen?

Auf einer Entdeckungsreise der besonderen Art bin ich nun schon seit Monaten unterwegs. Ich begleite meine kleine Enkeltochter auf ihrem Weg, die Welt zu erkunden. Ich staune über ihre unerschöpfliche Neugier. Ihre Ausdauer, etwas auszuprobieren. Wie funktioniert dieses oder jenes? Was geschieht, wenn ich einen Gegenstand werfe, trete, fallen lasse? Wie fühlt sich die Oberfläche an? Passt das in meinen Mund rein? Und seitdem sie laufen kann, wird der Radius größer - was da nicht alles zu entdecken ist!

Es sind kleine Schritte, die ein Kind auf dem Weg ins Leben macht. Immer wieder das scheinbar Gleiche, doch jeden Tag ist es ein bisschen anders, ein bisschen mehr. Ich wünschte, ich hätte diese Ausdauer. Wäre genauso neugierig und auch geduldig. Vor allem das Staunen möchte ich gerne wieder lernen. Es gibt so viele tolle Sachen in unserer Welt!

Jesus hat einmal gesagt: "Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." (Markus 10, 14f)

Jesus hat die Kinder nicht weggeschickt. Sie waren für ihn keine Störenfriede, im Gegenteil: Er hat ihre unbefangene und offene Art, die Welt wahrzunehmen, als Beispiel dafür genommen, wie man alleine Gott begegnen kann. Mit Neugier und Offenheit, ohne Argwohn, Vorurteile oder Konkurrenz - einfach Staunen über diese Welt.

Es hilft vielleicht in diesen besonderen Zeiten, das Vertrauen eines Kindes zu haben. Zu wissen, dass das Leben weitergeht.

Auch morgen wird gelacht und geweint, wird gestritten und sich wieder vertragen. Es wird geboren und gestorben. Gott hat das Leben so gemacht, und wir verfügen nicht darüber. Aber wir dürfen glauben, dass wir getragen sind in allem. Bleiben Sie behütet!

Pfarrer Klaus Weißgerber

(Vertretungs-)Pfarrer ev. Kirchengemeinde Gießen Nord

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