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Die Agentur für Arbeit sitzt in der Nordanlage in Gießen. Hier geht es derzeit häufig ums Thema Kurzarbeit. 

Kurzarbeit

Was bedeutet Kurzarbeit - Viele Anträge in Gießen wegen Corona

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Das Thema Kurzarbeit gewinnt in der Corona-Krise auch im Kreis Gießen an Bedeutung. Ein Überblick. 

Gießen - Das Coronavirus und die dadurch verordneten Einschränkungen haben auch auf die wirtschaftliche Lage von Gießener Unternehmen große Auswirkungen. Nicht zuletzt für die Mitarbeiter bringt das gravierende Folgen mit sich - Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit drohen. Der DGB informiert deswegen die Arbeitnehmer darüber, was auf sie zukommen kann, was sie mitmachen sollten und was besser nicht.

Aufhebungsverträge sollten ohne Rücksprache mit der eigenen Gewerkschaft und dem Betriebsrat auf keinen Fall unterzeichnet werden, sagt der DGB-Regionsgeschäftsführer Mittelhessen, Matthias Körner. Bis jetzt sei ihnen aber auch noch kein Fall in Gießen berichtet worden.

Anders sieht es mit Kurzarbeitergeld (KUG) aus. Hessenweit wurden bis Samstag bereits 7300 Anträge gestellt. Johannes Paul, der Pressesprecher der Agentur für Arbeit Gießen, schätzt, dass rund ein Zehntel davon auf das Gebiet Stadt Gießen, Landkreis, Vogelsberg und Wetterau fällt. Um diese Anzahl an KUG-Anträgen zu bearbeiten, seien die Arbeitsvermittler jetzt umgeschult worden. "Die Arbeitslosenzahlen sind in der letzten Woche nicht nach oben geschnellt", sagt er. Das könne in nächster Zeit aber passieren.

Was bedeutet Kurzarbeit? Regierung lockert wegen Corona-Krise Regelungen

Die Bundesregierung hatte wegen der Corona-Krise die Regelungen zum KUG gelockert. Bereits wenn 10 Prozent der Arbeitnehmer von einem Arbeitsausfall bedroht sind, kann das Geld jetzt beantragt werden. Vorher musste es ein Drittel sein. "Wir begrüßen diese Lockerung ausdrücklich", sagt Körner. Natürlich gebe es gerade noch Fälle, die nicht erfasst würden. Man sei aber auch in einer speziellen Situation, da gebe es am Anfang nie die perfekte Lösung. Körner geht davon aus, dass noch nachgebessert werde.

Kurzarbeit bedeutet, dass Angestellte weniger arbeiten und deswegen auch weniger Lohn erhalten. Der Staat stockt den entgangenen Lohn dann auf, aber nur auf 67 Prozent, wenn der Arbeitnehmer Kinder hat, ansonsten sogar nur auf 60 Prozent.

Was bedeutet Kurzarbeit? Aushilfen oft ohne Anspruch auf Kurzarbeitergeld

Eine andere Regelung, die manche Arbeitnehmer gerade betrifft, ist die Lockerung des Sonntagverkaufsverbots. Körner erklärt, dass die Regierung damit wahrscheinlich dafür sorgen wolle, dass durch den weiteren Verkaufstag weniger Menschen gleichzeitig im Geschäft sind. Aber für die Arbeitnehmer, die bereits an der Grenze des Belastbaren seien, sei das katastrophal. "Das hat mich richtig erschreckt, als ich das erfahren hatte", erzählt er. "Wir sagen den Arbeitgebern gerade, nicht bereits in den ersten Wochen der Krise in Panik zu verfallen." Es bringe ihnen nichts, jetzt Angestellten zu kündigen, um liquide zu bleiben, wenn sie dann nach der Krise keine Arbeitnehmer mehr hätten, sagt Körner.

Je prekärer jemand angestellt sei, desto schwieriger sei die Situation gerade. Wer nur als Aushilfe beschäftigt war, habe meist keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Der müsse dann zum Jobcenter.

Dort gebe es laut Körner die Anweisung, Anträge schneller und großzügiger zu bearbeiten. Paul erklärt dazu, dass alle Termine mit Arbeitslosen abgesagt wurden und nur noch Online und per Telefon beraten wird. Der Regelbetrieb sei vom Arbeitnehmerfokus auf Kurzarbeitergeld-Beratung umgestellt worden.

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