Hautfarben

Warum es weiße und schwarze Menschen gibt

  • Jonas Wissner
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Weihnachtsvorlesung einmal anders: Der Gießener Veterinär-Anatom Martin Bergmann erklärt, weshalb es unterschiedliche Hautfarben gibt.

Dass Menschen je nach Herkunft unterschiedlich aussehen, ist eine Tatsache. Doch die Hautfarbe war und ist auch Anlass für gesellschaftliche Unterschiede und Diskriminierung. Bei der Weihnachtsvorlesung des Instituts für Veterinär-Anatomie spricht Prof. Martin Bergmann am Donnerstag (17.15 Uhr, Frankfurter Straße 98) über die Entstehung der Hautfarben. Im Interview erklärt er, wie die farblichen Unterschiede zustande kommen.

Professor Bergmann, wieso haben Menschen überhaupt unterschiedliche Hautfarben?

Martin Bergmann: Grund ist eine Anpassung an die UV-Strahlung. Das UV-Licht hat positive und negative Effekte: Positiv ist die Aufnahme von Vitamin D, negativ dagegen das Risiko von Sonnenbrand oder gar Hautkrebs. Je dunkler die Haut ist, desto höher der Schutz vor Sonnenbrand. Die Hautfarbe ist also immer ein Kompromiss zwischen der schädlichen Wirkung der UV-Strahlung und der positiven Wirkung – je nachdem, wo man lebt.

Durch die Globalisierung hat ein reger Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft eingesetzt, die Bindung an die Heimatregion hat nachgelassen. Halten Sie es für denkbar, dass es irgendwann nur noch eine Hautfarbe gibt?

Bergmann: Es gibt keine Hautfarbe, die für alle geografischen Bereiche gleich gut geeignet ist. Nehmen Sie das Beispiel Australien: Der Kontinent war einst eine Strafkolonie für Gefangene aus England, die helle Haut und oft rote Haare hatten. Bis heute gehört die Hautkrebsquote in Australien zu den höchsten weltweit. Die Schuluniformen sind dort oft langärmelig, um Kinder vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Hautfarben sind ein relativ junges Phänomen, das es seit etwa 10 000 bis 15 000 Jahren gibt. Bis sich die Hautfarbe angepasst hat, kann es aber Tausende Jahre dauern.

Es gibt rassistische Ideologien, die von der Hautfarbe mehr als äußere Unterschiede ableiten, Menschen mit unterschiedlicher Farbe für mehr oder weniger entwickelt halten. Woher kommt dieser Irrglaube?

Bergmann: Das ist natürlich völliger Unsinn. Eine solche Denkweise geht zum Teil auf Immanuel Kant und den schwedischen Naturforscher Carl von Linné zurück. Kant hat von der Hautfarbe Entwicklungsstufen abgeleitet, von Linné hat psychische Charakteristika darauf zurückgeführt. Zu dieser Zeit hatten Sklaven schwarze Haut und waren »weniger wert«, diesen sozialen Unterschied hat man auch mit der Hautfarbe begründet. Wenn man sich aber zum Beispiel »typische« Merkmale von Schwarzafrikanern ansieht – schwarze Haut, schwarze Haare, platte Nase – so sind diese genetisch völlig unabhängig voneinander. Die Hautfarbe ist eine Anpassung an die UV-Bedingungen in bestimmten Gebieten – nichts weiter.

Zusatzinfo

Zur Person

Martin Bergmann, Jahrgang 1951, hat in Münster Biologie und Sport studiert. Nach der Promotion 1981 folgte 1994 eine Professur in Halle/Saale. Seit 1998 ist Bergmann Professor für Veterinär-Anatomie an der Justus-Liebig-Universität. Die Weihnachtsvorlesung zum Thema »Evolution des Menschen« findet seit 2006 und nun in dieser Form zum letzten Mal statt – Bergmann geht 2018 in Pension. Allerdings soll das Thema in anderem Rahmen weiter verfolgt werden.

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