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Warum die Sparkasse ihre Überweisungsboxen abschafft

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Wer in der Gießener Sparkassen-Zentrale Überweisungen einwerfen will, der sucht nun vergeblich nach den entsprechenden Boxen. Die Verantwortlichen nennen Gründe.

Der Rentner aus Gießen suchte und suchte, aber er wurde seine Überweisung in der Sparkassen-Zentrale in der Johannesstraße am Montag einfach nicht los. Denn die Boxen, in die er die Überweisungen sonst immer eingeworfen hatte, waren verschwunden. "Am Schalter habe ich dann erfahren, was dahinter steckt und musste meine Scheckkarte vorzeigen, als ich die Überweisung abgegeben habe", erzählt der Sparkassen-Kunde.

"Das ist eine Sicherheitsgeschichte zugunsten unserer Kunden, die für uns einen Mehraufwand bedeutet", erklärt Sparkassen-Sprecherin Christina Brückel gegenüber der GAZ. Die Sparkasse reagiere damit auf eine aktuelle Betrugswelle mit handschriftlich ausgefüllten Überweisungsträgern. Damit Gauner nicht an Kundendaten gelangen können, habe man vorerst den "sicheren Weg" gewählt und die Boxen am vergangenen Freitag weggeräumt. Zudem würden Überweisungen von den Mitarbeitern verstärkt überprüft; direkt am Schalter oder durch telefonischen Rückruf.

Dreiste Gauner

Die Betrüger benötigen nämlich lediglich die IBAN-Nummer des Kontos und den dazugehörigen Namen einer Privatperson, eines Unternehmens oder eines Vereins, welche sie als Auftraggeber auf dem Überweisungsträger eintragen. Anschließend wird die Unterschrift ihrer Opfer gefälscht und der Überweisungsträger bei der Bank eingeworfen, um die Geldüberweisung auf zumeist ausländische Konten zu veranlassen. Die Täter erlangen ihre benötigten Daten auf Homepages, Briefbögen oder von weggeworfenen Kontoauszügen ihrer Opfer.

Wie Sparkassen-Sprecherin Brückel ergänzt, werde auch versucht, Überweisungen aus Briefkästen zu "angeln". Auch dies spreche für eine sicherere Nutzung des Online-Bankings bzw. gegen eine Anbringung von Briefkästen in einer "nicht mitarbeiterbesetzten Filiale".

Auch bei der Volksbank Mittelhessen ist die Betrugsmasche schon länger bekannt. "Wir haben die Überweisungskästen, die in unseren Filialen stehen, sukzessive gegen einen Zugriff von außen gesichert. Die Schlitze sind so dünn, dass da nur Überweisungen durchpassen", erklärt Voba-Sprecher Dennis Vollmer. Auch die Briefkästen an den Filialen seien entsprechend gesichert. Und natürlich werde von den Mitarbeitern der Auftraggeber einer Überweisung auch zurückgerufen, wenn die Überweisung Fehler oder Ungereimtheiten enthalte.

Zusatzinfo

Keine Briefkästen an SB-Filialen

Zum 1. Oktober vergangenen Jahres wurde die Sparkassen-Dependance in der Marburger Straße in eine SB-Filiale umgewandelt. Seither können dort auch keine Überweisungen mehr eingeworfen werden. Sparkassen-Sprecherin Christina Brückel erklärt, warum: "Die SB-Filialen sind rein mit Technik und nicht mit Briefkästen ausgestattet. Ein Einwurf von Überweisungen würde bedeuten, dass mindestens einmal am Tag ein Kurierservice alle SB-Sparkassen im Geschäftsgebiet anfahren müsste, um die Briefkästen zu leeren, damit die Überweisung innerhalb von zwei Tagen ausgeführt werden kann." In einem Großteil der SB-Filialen könnten die Kunden per SB-Terminal eine Überweisung tätigen. Für Kunden, deren Mobilität eingeschränkt ist, gebe es einen kostenlosen Bring- und Hol-Service. Zweimal im Monat sei es möglich, den gewünschten Betrag, Auszüge und Überweisungen nach Hause zu bringen bzw. sie abzuholen. Die Kunden sollten das mit ihrem Berater abstimmen.

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