Die Würste des Kultimbisses "Woscht Anna" gibt es mittlerweile auch in ausgewählten Supermärkten - dank Corona.	FOTO: SCHEPP
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Die Würste des Kultimbisses »Woscht Anna« gibt es mittlerweile auch in ausgewählten Supermärkten - dank Corona.

Gastronomie

Gießen: Produkte von „Woscht Anna“, „Pizza-Wolke“ & Co. gibt‘s jetzt im Supermarkt-Regal 

  • vonSebastian Schmidt
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Gießener Gastronomen haben für ihre Waren neue Absatzmärkte gesucht - und gefunden: Ihre Produkte können Kunden jetzt vermehrt in heimischen Supermärkten finden.

Gießen – Restaurants und Imbisse haben in der Krise vieles versucht, um trotz der Corona-Maßnahmen Geld zu verdienen: Sie haben Tische verrückt und Trennwände aufgebaut. Sie haben Lieferdienste eingeführt. Und sie verkaufen mittlerweile ihre Produkte in Supermärkten. Bei manchen Betrieben klingt das wie eine echte Erfolgsgeschichte in der ansonsten unternehmerisch schwierigen Corona-Zeit.

30 000 Würste pro Woche sind das Ziel von Carlos Zach-Zach, dem Betreiber von Gießens Kult-Wurstbude »Woscht Anna«. Seine grobe oder feine Bratwurst, die Currywurst und die Käsewurst im Krakauer-Stil, Rind und Schwein gemischt, sollen bald auch den Menschen im Rest von Hessen schmecken. »Wir wollen nächstes Jahr hessenweit in den Rewe-Filialen zu finden sein.«

Pizza-Wolke in Gießen: Mit Tiefkühlpizza groß rauskommen

Shademan Souri von Pizza-Wolke versucht ebenfalls den großen Sprung ins Supermarktsortiment. Seine Pizzeria stellt nun drei Tiefkühlpizzen her. Die »Salami« ist mit Bio-Mozarella und Salami aus Kalabrien belegt. Die »Häm & Bäm« mit Schinken. Und für Veganer gibt es die »Veggitalia« mit roten Zwiebeln, Brokkoli und Spinat. »Im Vergleich zu anderen Anbietern sind unsere Pizzen komplett vorgebacken und müssen nur noch fünf Minuten warmgemacht werden.« So wie die Pizza nach dem Backen auf dem Teller lande, komme sie direkt in einen Schockfroster und werde dann vakuumiert. Diese Innovation scheint auch die Rewe-Zentrale zu interessieren. Souri erzählt, dass sie darüber verhandeln, die Pizzen in sämtliche Filialen zu bringen.

Sowohl die »Woscht Anna«, als auch Pizza-Wolke beliefern bereits inhabergeführte Supermärkte in Gießen und der Region. Ein Dreijahresvertrag mit der Rewe-Gesamtzentrale, wie Souri es anstrebt, erfordere aber eine größere Produktionsstraße. Vorerst soll die Tiefkühlpizza in den Räumen der Pasta-Wolke entstehen, die mit Pizza-Wolke verbunden ist. »Die Pasta-Wolke wird erst einmal nicht zurückkehren«, sagt Souri.

Auch Carlos Zach-Zachs Bruder, Maurice Zach-Zach, will seine Waren über die Supermärkte verkaufen. Er betreibt das Restaurant Hawwerkasten und hat in der Corona-Zeit einen Lieferservice aufgebaut. »Besonders Gans verkauft sich im Moment gut.« Die möchte er vakuumiert auch in die Supermärkte bringen. Für den Hawwerkasten sei das aber nur ein vorübergehendes Angebot. »Im normalen Betrieb können wir das nicht zusätzlich machen«, sagt Maurice Zach-Zach.

»Kussmund« in Gießen: Poke Bowls aus der örtlichen Eisdiele

»Eis verkauft sich in Deutschland im Winter generell nicht so gut«, sagt Axel Umut, der Betreiber der Eisdiele Kussmund. Deswegen habe er schon länger darüber nachgedacht auch Poke Bowls anzubieten. Der Essenstrend aus Hawaii besteht aus viel Gemüse, Salat und Fisch. Die Grundlage ist meistens Reis. »Wir bieten aber auch Quinoa oder Couscous an«, sagt Umut. Darüber kommt dann kleingeschnittener Mangold, Spinat oder Karotten. Aber auch exotischere Zutaten, wie Algen oder Edamame, das sind gegarte Sojabohnen. Dazu gibt es zum Beispiel Hähnchenbrustfilet - zertifiziert, ohne Antibiotika oder Gentechnik.

Auch bei ihrem Blauflossen-Thunfisch achten sie auf die Herkunft. »Der wird auf den Malediven mit Angeln herausgenommen, damit keine Schildkröten in Netzen verenden.« Die Boxen gibt es jetzt genauso wie Umuts Eis in mehreren Supermärkten in der Region zu kaufen. Unter anderem im Edeka in der Frankfurter Straße. Geschäftsführer Dimitrij Nordgeimer berichtet, er unterstütze lokale Gastronomien gerne. »Ich mag selber regionale Produkte.« Bei den Kunden komme das im Moment auch gut an. Für ihn sei es zwar Mehrarbeit, weil kleine Produzenten aufwendiger in der Buchhaltung seien. »Aber solange es gekauft wird, bestellen wir nach.«

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