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Solche Hinweisschilder auf den Bahnhof werden wohl unverändert bleiben. Eine Beförderung zum Hauptbahnhof käme die Stadt teuer zu stehen.

Warum Gießen keinen Hauptbahnhof bekommt

Gießen (ta). "Der Magistrat wird gebeten, zu initiieren, dass der Gießener Bahnhof künftig die Bezeichnung ›Hauptbahnhof Gießen" erhält". So stand es in einem Antrag der rot-grünen Koalition, den die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Oktober einmütig verabschiedet hatte. Doch aus dieser Umbenennung wird wohl nichts. Hier gibt’s die Gründe.

Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich will dem Parlament vorschlagen, dass es auf die Umsetzung seines Beschlusses verzichtet. Die Grünen-Politikerin begründet dies damit, dass Aufwand und Nutzen nicht in vertretbarer Relation stehen würden.

Zu dieser Überzeugung ist Weigel-Greilich gelangt, nachdem sie von der Deutschen Bahn AG erfahren hat, dass die Stadt Gießen die Kosten für die Umbenennung komplett übernehmen müsste. Nach grober Schätzung wären rund 70 000 Euro fällig. Das liegt daran, dass es nicht mit einer EDV-Umstellung und einer Änderung der Kursbücher allein getan wäre. Vielmehr müssten auch die Beschilderung im Bahnhofsgelände ausgetauscht und alle Hinweisschilder an den Hauptverkehrsadern verändert werden. "Letztlich geht es nur um eine Imagefrage, und dafür finde ich die Kosten einfach zu hoch", lautet das Fazit der Bürgermeisterin.

In Deutschland gibt es derzeit 122 Hauptbahnhöfe, also in allen großen Städten. Der Gießener Bahnhof ist der Kategorie 2 zugeordnet. Mit 20 000 Reisenden täglich ist er der wichtigste ÖPNV-Knoten Mittelhessens und damit Hessens wichtigster Zughalt ohne ICE-Anschluss. Immerhin laufen in Gießen fünf Bahnlinien zusammen: Neben der Main-Weser-Bahn sind die Vogelsbergbahn, die Lahn-Kinzig-Bahn, die Lahntalbahn und die Dillstrecke. Vor diesem Hintergrund hatten Rot-Grün im September 2015 für eine sprachliche Aufwertung des Bahnhofs plädiert. Die Begründung erhielt auch den Hinweis auf die drei Bahnhaltepunkte im Stadtgebiet (Oswaldsgarten, Licher Straße, Erdkauter Weg). Zudem trügen "weit unbedeutendere Bahnhöfe, teils auch in weit kleineren Städten, die Bezeichnung Hauptbahnhof".

Einen ersten Vorstoß in dieser Richtung hatte es bereits im Jahr 2007 gegeben, als gerade der Oswaldsgarten als Stadtplatz verschwand und Großbaustelle wurde. Der Magistrat hatte deshalb überlegt, ob der benachbarte Bahnhaltepunkt nicht besser in "Neustädter Tor" umbenannt werden sollte. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, "in einem Aufwasch" auch den Bahnhof zum "Hauptbahnhof" aufzuwerten.

Aber als dann die Deutsche Bahn, die die Umbeschilderung erst selbst tragen wollte, plötzlich die Gesamtkosten auf 50 000 Euro kalkulierte und diesen Betrag von der Stadt verlangte, beschwerten sich Stadtrat Thomas Rausch und Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann über die "unverschämte Preistreiberei" und bliesen die Umbenennungen ab.

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