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Die hohe Studentendichte, die Stadt der kurzen Wege: Es gibt einige Gründe, warum Gießen die Stadt mit der niedrigsten Dichte angemeldeter Autos ist. (Archivfoto: Schepp)

Verkehr

Warum Gießen die autoärmste Stadt Hessens ist

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Gießen ist die autoärmste Stadt Hessens? Das kann doch gar nicht sein. Doch! Warum das so ist, erklärt die Stadt mit Studis und dem Umland.

Gießen (khn). Hessenweit ist die Zahl der zugelassenen Autos auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes hervor. Die Dichte der Autos liegt sogar über dem Bundesdurchschnitt. Gießen jedoch liegt weit darunter und zählt zu Hessens autoärmsten Städten - auch wenn man das im alltäglichen Berufsverkehr nicht glauben mag. Dementsprechend sieht die Stadt auch eine Herausforderung im Verkehr, der aus dem Umland nach Gießen kommt.

Laut Stand 1. Januar 2019 sind in Hessen 3,7 Millionen Fahrzeuge gemeldet. Wie die "Hessenschau" zuerst berichtet hat, kamen im vergangenen Jahr 5,9 Autos in Hessen auf zehn Einwohner. Auf Bundesebene liegt der Durchschnitt bei 5,7. Die niedrigste Autodichte in Hessen gibt es in Gießen mit 4,2, gefolgt von Marburg mit 4,4. Die höchste Fahrzeugdichte hat Eschborn mit 24,2 Autos. Ein Grund für diese sehr hohe Zahl: Dort ist die Zahl der Firmenautos sehr hoch.

Stadtsprecherin Claudia Boje erklärt die niedrigen Zahlen Gießens mit der Sozialstruktur. "Als Stadt mit der höchsten Studierendendichte Deutschlands schlägt die studentische Mobilität stark zu Buche." Die sei weniger geprägt vom Auto, sondern eher von Rad und Bus. Dass mittlerweile durch das Entstehen von neuen Wohnungen immer mehr Studierende in Gießen und nicht mehr vorrangig im Umland wohnten, wirke sich auch auf den Kfz-Bestand aus.

Boje nennt als weiteren Grund "den innerstädtischen Angebotsmix aus verbessertem ÖPNV, vergünstigter Nutzung der Busse, Förderung des Radverkehrs und unsere örtlichen Vorteile als Stadt der kurzen Wege".

Was die Zahlen laut der Pressesprecherin der Stadt aber auch zeigen: Es seien große Anstrengungen notwendig, um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken - vor allem im Umland. "Wir freuen uns natürlich darüber, dass wir in Gießen weniger Autos haben", betont Boje. Gleichzeitig gebe es jedoch eine Menge Autoverkehr, der vor allem durch Pendler sowie Kunden des Gießener Handels geprägt sei. Ein Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsarten könne gelingen, wenn die Alternativen gut seien. Und so könnte auch das Zentrum der Stadt entlastet werden. Dort bestehe jedoch noch jede Menge Handlungsbedarf.

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