Pralinen können auf Frauen kurz vor der Menstruation besonders unwiderstehlich wirken.
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Pralinen können auf Frauen kurz vor der Menstruation besonders unwiderstehlich wirken.

Uni Gießen

Heißhunger bei Frauen: Liegt es wirklich an den Hormonen?

  • vonRedaktion
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Psychologen der Uni Gießen untersuchen, warum manche Frauen alle vier Wochen besonders große Lust auf Kalorienreiches haben. Liegt das wirklich an den Hormonen?

Verlangen nach Pommes, Burger und Pizza? Gelüste auf Eis und Schokolade? Viele Frauen erleben kurz vor ihren »Tagen« neben Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Brustspannen auch einen plötzlichen Heißhunger auf Süßes oder Salziges.

Plötzlich Lust auf süß, fett, salzig

Diese prämenstruellen Symptome und Gelüste auf bestimmte Lebensmittel werden vor allem in Zusammenhang mit den biochemischen Veränderungen während des Monatszyklus gebracht. Ob das weibliche Gehirn kurz vor der Periode auch besonders sensibel auf Essensreize reagiert, hat ein Forschungsteam der Justus-Liebig-Universität näher untersucht und nun die Ergebnisse veröffentlicht.

Das Team an der Professur für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften und der Professur für Differentielle und Biologische Psychologie (Fachbereich 06, Fachgebiet Psychologie) hat in einem Zeitraum von drei Monaten 35 junge gesunde Frauen, die nicht hormonell verhüten, wiederholt ins Labor eingeladen - in der ersten Zyklushälfte, zur Zeit des Eisprungs und in der Zeit kurz vor der Menstruation. Die Frauen wurden gebeten, Bilder hoch- und niedrig-kalorischer Lebensmittel anzuschauen und hinsichtlich ihrer Schmackhaftigkeit zu bewerten.

Zur Messung der Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber den Bildern leiteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Hirnströme der Frauen mittels Elektroenzephalogramm (EEG) ab und maßen die jeweilige Konzentration des Geschlechtshormons Progesteron.

Zusätzlich machten die Frauen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen Angaben zu Beschwerden und Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit dem Monatszyklus. Sie berichteten zum Teil von Unwohlsein bis hin zu Schmerzen, aber auch von Beeinträchtigungen in ihren sozialen Beziehungen, beispielsweise im Arbeitsumfeld oder bei ihren Hobbys.

Die im Rahmen der Studie erhobenen Daten belegen, dass Frauen in der Zeit kurz vor der Menstruation deutlich sensibler auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel reagieren als in anderen Zyklusphasen. Für niedrigkalorische Bilder zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht.

Erstautorin Dr. Jana Strahler fasst die Ergebnisse zusammen: »Je niedriger die Progesteron-Konzentration und je größer die Beeinträchtigungen, von der die Frauen im Zusammenhang mit ihrer Periode berichteten, umso geringer war die EEG-Reaktion auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel.« Keine Unterschiede habe es in der subjektiven Bewertung der Bilder gegeben.

Das Forschungsteam nimmt daher an, dass es Frauen mit niedrigen Progesteronspiegeln in der Zeit vor der Periode und mit höheren durch die Periode bedingten Beschwerden leichter fällt, ihre Aufmerksamkeit auf Essensreize zu lenken. Ob eine derart veränderte Reaktion auch relevant für die Entwicklung von Essstörungen, krankhaftem Übergewicht oder Prämenstruellen Dysphorischen Störungen ist, ist bisher ungeklärt.

Weitere Studien an Patientinnen sollen zeigen, ob eine verringerte Sensibilität für hochkalorische Nahrungsmittel für einen übermäßigen Verzehr hochsüßer und fettreicher Lebensmittel anfällig macht oder - im Gegenteil - sogar davor schützt.

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